Bremerhaven

Ruhe statt Rendite: Die NABU-Ideen für den Reinkenheider Forst

Der Naturschutzbund Bremen (NABU) hat mit seinem Angebot für den Reinkenheider Forst einiges aufgemischt in Bremerhaven. Er hätte viel Interesse an den 23 Hektar Wald, und die Bürger hätten auch etwas davon, verspricht Sönke Hofmann.

Sönke Hofmann vom Naturschutzbund Bremen (Nabu) mit einem Ameisenhaufen im Reinkenheider Forst

Sönke Hofmann staunt über die Ansammlung großer Ameisenhaufen im Reinkenheider Forst.

Foto: Arnd Hartmann

Wer mit Sönke Hofmann durch den Reinkenheider Forst geht, sieht den Wald mit anderen Augen. Der NABU-Geschäftsführer ist studierter Förster. Ihm fällt zum Beispiel sofort auf, dass die Holz versprechenden Sitka-Fichten anfangs nicht so gewachsen sind, wie sie sollten. Sie hatten vermutlich ein Wasserproblem, schätzt Hofmann.

In der Nähe vom Weg 67 wächst der Reinkenheider Forst auf einem feuchten Standort. Er ist zur Entwässerung mit Grüppen und Gräben durchzogen. Ab 1930 ist dieser Wald auf alten Stadtplänen verzeichnet. Luftbilder von 1945 zeigen, dass er aufgeforstet wurde.

Hofmann lässt seinen Blick an ein paar Buchen nach oben krabbeln: 70 oder 80 Jahre, auf dieses Alter hätte auch der Bremer NABU-Chef den Baumbestand geschätzt. Hofmann: „Für einen Wald ist das kein Alter, das sind Teenies hier.“

Entsetzt nach der morgentlichen Zeitungslektüre

Als Hofmann in der NORDSEE-ZEITUNG vom Verkauf des Reinkenheider Forsts gelesen hatte, konnte er es kaum glauben. „Das roch so sehr danach, dass hier jemand bedient werden sollte“, so sein Eindruck.

Er ging joggen, da kann er am besten nachdenken. Sie sollten versuchen, den Wald zu kaufen, um ihn zu sichern. Als CO2-Speicher im Klimawandel, als Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten, als ...: Hofmann könnte die Aufzählung locker ergänzen.

Wald passe außerdem strategisch zum NABU-Landesverband Bremen, und daraus könnte eine echte Perle für die Ortsgruppe in Bremerhaven werden. Ein Ort für die Umweltbildung.

Hofmann, seit 27 Jahren Geschäftsführer, überzeugte den Vorstand. Der NABU hatte gerade ein Haus mit Grund am Lehester Deich in Bremen geerbt. Dadurch konnte er die 420.000 Euro bieten: 2.000 Euro mehr als die bisherigen Investoren.

In der Öffentlichkeit kochte Kritik am Magistrat hoch. Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) und Bürgermeister Torsten Neuhoff (CDU) zogen die Vorlage für die Stadtverordnetenversammlung zurück. Der gesamte Vorgang müsse neu bewertet werden, so die offizielle Begründung.

Ob und wann der Reinkenheider Forst wieder auf einer Tagesordnung auftaucht, ist noch nicht klar. Hofmann wird ein Auge darauf haben. „Bleiben Sie am Ball“, rufen zwei Damen, die gerade zum Nordic Walking aufbrechen, dem NABU-Chef zu.

Reinkenheider Forst

Der Reinkenheider Forst ist beliebt für die Naherholung. Spaziergänger, Radfahrer, Sportler und Reiter sind dort anzutreffen.

Foto: Arnd Hartmann

„Für uns spricht, was wir mit dem Wald vorhaben“, sagt Francesco-Hellmut Secci, NABU-Vorsitzender in Bremerhaven und zudem im Landesvorstand engagiert.

Frösche, Fledermäuse und ein hungriger Specht

Hofmann und ihm hüpfen in einem verwunschen wirkenden Waldabschnitt ständig kleine Grasfrösche vor die Füße. Ein kleines Gewässer zu schaffen, wäre eine erste ökologische Aufwertung, überlegen die beiden.

„Je länger wir uns mit dem Reinkenheider Forst beschäftigen, desto besser finden wir die Idee, den Wald zu übernehmen“, sagt Hofmann. Es sei ein schöner Mischwald. An manchen Stellen liegt schon Totholz, der Specht, der an morschen Ästen auf Nahrungssuche ist, bleibt den Augen der beiden Männer nicht verborgen.

Die Fledermäuse, die für das Gebiet nachgewiesen sind, dösen derweil in Baumhöhlen. Sie würden den Wald ökologisch umbauen und ökologisch bewirtschaften.

„Wir würden ihn auf keinen Fall unter eine Käseglocke stellen“, sagt Secci. Kinder und Erwachsene wären zu Waldaktionen eingeladen, um diesen Lebensraum zu entdecken.

Hofmann hat schon vor Augen, wie die großen Sitka-Fichten nach und nach aus dem Wald gezogen werden, vielleicht sogar mit einem starken Rückepferd.

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Ursel Kikker

Reporterin

Ursel Kikker kommt aus der Wesermarsch, liebt das Meer und berichtet gerne darüber, wenn die Wissenschaft für frischen Wind an der Küste sorgt. Sie hat bei der NORDSEE-ZEITUNG volontiert und ist nach dem Studium dorthin zurückgekehrt.

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