Geschäftsführer Hubert Gründing (rechts) erklärt den NZ-Abonnenten die Produktionsabläufe in seiner Firma. | Foto: Brocks

Wo Früchte zu Saftschorle werden

NZ+Ich-Teilnehmer besichtigen Firma Döhler – Einblicke in Produktion und Labor – Leser von den Dimensionen beeindruckt.

Oberste Anweisung für Besucher wie Mitarbeiter: absolute Hygiene, angefangen bei Haar- und Bartnetz über den Verzicht auf Schmuck bis zum Händewaschen und -desinfizieren. „Es geht hier ja um Lebensmittel“, betont Geschäftsführer Hubert Gründing. 30 000 bis 40 000 Tonnen Früchte werden pro Jahr verarbeitet. „Wir verwenden im wesentlichen Produkte aus der Region, etwa Äpfel oder Birnen aus dem Alten Land.“ Aber auch aus Portugal oder der Türkei werden Rohstoffe angeliefert.

Hochbetrieb von September bis Dezember

„Ab Mitte September bis etwa Ende Dezember herrscht bei uns Hochbetrieb“, erklärt Gründing: „In der Saison arbeiten wir im Vier-Schicht-System“ – sieben Tage die Woche. Die Früchte werden zuerst zerkleinert und gepresst. Anschließend werden in einem komplexen Verfahren Aromastoffe extrahiert. „Über 50 Prozent der Schorlenprodukte, die in Deutschland verkauft werden, kommen aus Neuenkirchen“, sagt Gründing. „Wir produzieren dabei individuell nach den Wünschen und Rezepturen der Kunden.“ Das kann Kräuterwasser mit Salbei- und Fenchel-Aroma sein, Apfel-Kirsch-Schorle, Brausegetränk mit Waldmeistergeschmack oder Radler mit Fruchtaroma. „Der neuste Trend sind Kaffeegetränke mit Fruchtgeschmack“, weiß Gründing. Es seien keine chemischen, sondern ausschließlich natürliche Zusätze, die das Werk verlassen. Abgefüllt wird nicht in Flaschen, sondern in Tankzüge und Fässer. „Wir produzieren für Großkunden, nicht für den Endverbraucher.“

Dimensionen beeindrucken
Riechen, Schmecken, Sehen: Das sind die wichtigsten Faktoren im Umgang mit Lebensmitteln. „Wer hier arbeitet, muss auch mal Fruchtsaft trinken wollen“, sagt Gründing und lacht. Für die Sensorik-Tests aber ist nicht jeder Mitarbeiter geeignet: „Wer im Labor arbeitet, wird vorher umfassend trainiert. Man muss lernen, bestimmte Dinge zu erkennen.“
„Ich habe etliche Importcontainer aus der ganzen Welt hierherdisponiert. Daher wollte ich gerne einmal erfahren, was nach der Ankunft passiert“, sagt Jürgen Zander. Ehefrau Irmtraud ist von den Dimensionen beeindruckt: „Ich bin erstaunt, wie viele Firmen beliefert werden“, verrät die NZ-Abonnentin.


„Ich war überrascht, wie groß der Standort ist“, sagt Inka von Holten aus Steinau. Dass Döhler weltweit agiere, sei ihr bislang nicht bewusst gewesen: „Mir ist heute erst klar geworden, dass wir alle schon einmal etwas getrunken haben, was in der Nachbarschaft produziert wird“, sagt die NZ-Abonnentin. Auch Tochter Lilly staunt über die Anzahl der Produkte, die in Neuenkirchen hergestellt werden. Für die „NZ+Ich“-Aktion ist die 17-Jährige extra vom Unterricht befreit worden: „Ich wollte herausfinden, ob ein Beruf in dieser Branche etwas für mich wäre“, sagt die Schülerin. Ein Praktikum in einem Labor hat sie bereits absolviert: „Daher fand ich es spannend, auch Einblicke in die Produktion und in das Labor zu erhalten.“ Dort steht die Qualitätssicherung der Rohwaren und der Fertigprodukte im Mittelpunkt.


Über das Interesse der Schülerin freut sich auch Gründing. Denn von den 185 Mitarbeitern in Neuenkirchen sind 20 Auszubildende in den Bereichen Fachkraft für Fruchtsafttechnik, Fachkraft für Lagerlogistik, Chemielaborant, Mechatroniker, Industriekaufmann. „Wir suchen auch fürs nächste Jahr Auszubildende und Mitarbeiter in der Produktion.“