Zehn Meter unter der Erde ließ Vereinsmitglied Markus Ewers (links) die Geschichte noch einmal lebendig werden. Foto: Brocks
Zehn Meter unter der Erde ließ Vereinsmitglied Markus Ewers (links) die Geschichte noch einmal lebendig werden. Foto: Brocks

„Wie eine kleine Stadt“

Elmlohe. Die schwere Eisentür schließt sich mit einem Knall. Im Elmloher Bunker – zehn Meter unter der Erde, umgeben von drei Meter dicken Betonwänden – beschleicht in diesem Moment so manchen „NZ+Ich“-Teilnehmer ein eigenartiges Gefühl. Vor sieben Jahren hat der Verein „Vorbei e.V.“ den Bunker übernommen. Nun durften 15 Leser der NORDSEE-ZEITUNG einen Blick in den rund 1700 Quadratmeter großen Gebäudekomplex werfen.

Im Wald zwischen Drangstedt und Elmlohe hatte die Bundeswehr 1966 hinter Stahltoren und Stacheldraht ein geheimes, unterirdisches Bunkersystem mit 55 Räumen bauen lassen. Bis 1996 diente das Gebäude als Grundnetzschalt- und Vermittlungsstelle, war für den militärischen Fernmeldeverkehr ausgestattet.

 Oberhalb der Erde erinnert nichts an den kalten Krieg: „Das sieht ja wie ein Schuppen aus“, sagt Axel Schloßhauer beim Anblick des unscheinbaren Eingangs. „Es hat schon etwas Mysteriöses“, sagt Carola Biegale (29), die zuvor noch nie in einem Bunker war. „Wie eine kleine Stadt“, kommt das Gebäude Freundin Julia Wojtowicz (34) vor.

Neben Arbeits- und Schlafräumen gab es ein eigenes Wasserwerk, ein Stromaggregat, ein Luftfiltersystem und einen Brunnen. „Vier Wochen lang sollte die Besatzung völlig autark und abgeschnitten von der Außenwelt überleben können“, erklärt „Vorbei“-Mitglied Markus Ewers.

Auch die Lebensmittel sollten im Ernstfall für 28 Tage reichen. „Das Lager wurde streng bewacht, konnte sogar von innen verriegelt werden“, sagt Ewers. So sollten Plünderungen verhindert werden.

Geplündert wurde der Bunker dann später: „Als wir ihn gekauft haben, war er so gut wie leer“, erklärt Markus Ewers. Die heutige Ausstattung aber sei „absolut originalgetreu“. Einrichtung, Technik und Gerätschaften stammen aus baugleichen Anlagen.

Goldbarren? Geheime Dokumente? Oder schlichtweg Luft? Was in den zurückgelassenen Tresoren ist, weiß heute niemand. „Werden wir vermutlich auch nie erfahren“, sagt Ewers. Denn der Aufwand, die Tresore zu knacken, sei einfach zu hoch. Auch wenn sich so mancher Besucher sicher gerne als Tresorknacker versuchen würde.

„Das macht einen schon neugierig“, sagt Lena Wojtowicz (25), die aus dem Staunen kaum heraus kommt. „Ich habe es mir hier viel enger und kleiner vorgestellt.“

Es sei beeindruckend, wie der Platz genutzt worden sei. Betten etwa hängen auch im Gang. „Drei Personen teilten sich ein Bett“, erklärt Ewers. Geschlafen wurde im Schichtbetrieb. „Gar nicht so unbequem“, sagt Lena Wojtowicz nach kurzem Probeliegen.

„Bisher habe ich immer nur aus Erzählungen von diesem Bunker gehört. Ich erinnere mich aber noch, wie hier immer Hunde auf dem Gelände herumgelaufen sind“, sagt Axel Schloßhauer (50), der unweit des Areals wohnt und die Gelegenheit nutzte, den Komplex zu erkunden: „Ich bin überrascht, dass es so eine riesige Anlage ist.“