Das meiste machen inzwischen Maschinen: Jürgen Lubes (links) erläutert der Besuchergruppe die Abläufe im Briefzentrum.
Das meiste machen inzwischen Maschinen: Jürgen Lubes (links) erläutert der Besuchergruppe die Abläufe im Briefzentrum. | Foto: Brocks

Trubel ist abends am größten

Bremen. Egal, ob Rechnungen, Liebesbriefe, Geburtstagskarten oder Werbesendungen: Alles, was in Bremerhaven und umzu mit der Deutschen Post verschickt oder empfangen wird, durchläuft das Briefzentrum Bremen. Von Montag bis Sonnabend werden hier täglich bis zu zwei Millionen Briefe und Karten angeliefert, sortiert und wieder weggebracht. Wie das funktioniert, konnten sich 15 NZ-Abonnenten bei einer exklusiven „NZ+Ich“-Aktion ansehen.

Von Montag bis Sonnabend werden hier täglich bis zu zwei Millionen Briefe angeliefert, sortiert und wieder weggebracht. „Bundesweit sind es rund 59 Millionen“, erklärt Sprecherin Maike Wintjen. Hauptbetriebszeit im Briefzentrum ist nach 18.30 Uhr. Dann fahren viele gelbe Lastwagen am Briefzentrum vor. Sie liefern die Post aus den Filialen und aus der Briefkastenleerung an.

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„Im Anschluss wird die Post in der sogenannten teilautomatisierten Briefordnerei nach Formaten sortiert“, erklärt Jürgen Lubes. Mitarbeiter trennen händisch zwischen Standard-, Kompakt-, Groß- und Maxibriefen. Eine Maschine prüft, ob die Post ausreichend frankiert ist. Anschließend wird die Adresse – unabhängig von der Handschriftqualität des Absenders – maschinell ausgelesen. „Das funktioniert nur bei einem ganz kleinen Teil der Briefe nicht“, sagt Lubes. In solchen Fällen wird der Brief von einem speziell geschulten Mitarbeiter begutachtet.

Reicht auch das nicht aus, weil etwa der Name des Adressaten fehlt und kein Absender vermerkt ist, wird der Brief in der zentralen Briefermittlungsstelle in Marburg geprüft. Nur hier darf Post geöffnet werden: „Anhand des Inhalts versuchen die Beschäftigten, Rückschlüsse auf den Empfänger zu ziehen“, erläutert Lubes.

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Nach der Erfassung erhält jeder Brief einen orangenen Strichcode, der auf den Umschlag gedruckt wird. „In diesem Aufdruck ist die Empfängerinformation versteckt“, erklärt Lubes. Mit Strichcode versehene Briefe werden schließlich von weiteren Maschine entweder für den Weiterversand an eines der anderen 81 Briefzentren in Deutschland vorbereitet oder gleich passend in der richtigen Reihenfolge für die Zusteller sortiert.

„Die Menge an Briefsendungen, die an einem Tag ankommt und bearbeitet wird, ist beeindruckend“, sagt NZ-Leser Lutz Zaparowitz, der vor allem über die Geschwindigkeit staunt. „Jede Sendung, die irgendwo in Deutschland in einem Briefkasten landet, soll spätestens 24 Stunden nach Eingang in einer Bearbeitungsstelle bei ihrem Empfänger ankommen“, erklärt Wintjen und widerspricht der Aussage, dass montags keine Post zugestellt werde. „Handgeschriebene Briefe werden immer seltener“, führt die Pressesprecherin weiter aus. Da der Anteil der Firmenpost bei rund 80 Prozent liege und Unternehmen am Sonnabend meist nicht arbeiten, blieben einige Briefkästen am Montag tatsächlich oft leer. Zudem entfalle die sogenannte Dialogpost: Die Werbepost werde, so sei es auch mit den Unternehmen vertraglich vereinbart, nur dienstags bis sonnabends zugestellt. „Wenn der Kasten montags leer bleibt, liegt das also nicht daran, dass unsere Zusteller nicht arbeiten“, stellt Wintjen klar.

„Ich habe bis 1997 hier gearbeitet, aber seitdem hat sich einiges verändert“, sagt NZ-Leser Erwin Strauß, der über die große Anzahl der Maschinen staunt: „Bei dieser unglaublichen Menge an Briefen kann sich doch heute niemand mehr vorstellen, dass das früher alles per Hand gemacht wurde.“