Im TTZ gibt es eine komplett ausgestattete Bäckerei. Mitarbeiter Benjamin Küther (l.) erklärt, welche Versuche hier stattfinden.
Im TTZ gibt es eine komplett ausgestattete Bäckerei. Mitarbeiter Benjamin Küther (l.) erklärt, welche Versuche hier stattfinden. | Foto: Scheschonka

Schokoladentest mit allen Sinnen

Kathrin Mittag öffnet die Luke und schiebt eine durchsichtige Dose mit einem Stück Vollmilchschokolade hindurch. „Schon die Marke beeinflusst unsere Wahrnehmung“, erklärt die Leiterin des Sensoriklabors. „Deshalb kratzen wir immer das Herstellerlogo ab.“ Auf der anderen Seite, in einer grauen Kabine, sitzt NZ-Leser Volker Prigge. Vier unterschiedliche Schokosorten muss er jetzt testen – nach Aussehen, Geruch, Geschmack und Mundgefühl. Dazwischen greift er immer wieder zum Wasserglas. Um den Geschmack zu neutralisieren.

„Ungefähr ein Mal pro Woche sitzen hier unsere Probanden und testen Lebensmittel“, sagt Kathrin Mittag, während 14 Leser der NORDSEE-ZEITUNG an ihren Lippen hängen. Am Mittwoch haben sie im Rahmen der Aktion „NZ+Ich“ einen Blick hinter die Kulissen des Technologiezentrum TTZ geworfen. Besonderes Highlight war die Stippvisite und die Blindverkostung im Sensoriklabor.

Das TTZ wurde 1987 als Einrichtung der Hochschule Bremerhaven gegründet – als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und regionaler Wirtschaft. „Wir entwickeln für die Industrie neue Produkte und Verfahren. Zum Beispiel beraten wir die Fischwirtschaft, wie sie ihren Fisch besser auftauen kann“, erzählte Benjamin Küther, Leiter der strategischen Geschäftsentwicklung.

Auch das Sensoriklabor des Technologiezentrums hat einen wertvollen Nutzen für die Lebensmittelindustrie: Mit Konsumententests ermittelt das Labor, wie Produkte angenommen werden. Die Unternehmen senken so das finanzielle Risiko bei der Einführung neuer Produkte. „Frosta lässt bei uns jedes Pfannengericht testen“, betonte Kathrin Mittag.

Nach der Schokoladen-Verkostung ging es für die Leser in die Bäckerei des TTZ. Hier zeigte Forschungsleiter Florian Stukenborg eine spezielle Klimakammer, die das TTZ entwickelt hat. „Normalerweise braucht man zum Backen viel Energie. Mit dieser Maschine senken wir den Energiebedarf um 30 Prozent.“ Wie funktioniert das? Ratlose Gesichter. „Mit Ultraschall. Der bringt das Wasser zum Schwingen und so entstehen kleine Tröpfchen, die als feiner Nebel in die Gärkammer gelangen. Durch den Nebel sind die Backwaren länger haltbar.“

Für die NZ-Leser hat sich der Blick hinter die Kulissen gelohnt. „Das war so ein bisschen wie bei der Sendung mit der Maus“, fand Volker Prigge aus Langen. „Über vieles macht man sich ja sonst im Alltag gar keine Gedanken.“ (mhi)