In die Aquaristik-Abteilung des Klimahauses kommen die Besucher normalerweise nicht: Helga Ehle genoss die exklusiven Einblicke.
In die Aquaristik-Abteilung des Klimahauses kommen die Besucher normalerweise nicht: Helga Ehle genoss die exklusiven Einblicke. | Foto: Brocks

Samoa-Duft aus der Flasche

NZ-Leser schauen hinter die Kulissen des Klimahauses – Technische Ausstattung begeistert

Bremerhaven. Karl Rudolf Hegemann verzieht das Gesicht: „Boah, das riecht aber modrig!“, sagt der 68-Jährige und reicht das kleine Fläschchen schnell weiter. Seine Ehefrau hat mehr Glück: „In Samoa riecht es wunderbar nach frischem Gras“, freut sich Inge Hegemann und schnuppert gleich noch einmal am entsprechenden Duftgel. Bei einer exklusiven „NZ+Ich“-Aktion konnten sich 20 Abonnenten der NORDSEE-ZEITUNG hinter den Kulissen des Klimahauses umschauen und erfuhren unter anderem, wie die Gerüche aus aller Welt ins
Museum kommen.

Hinter den Kulissen konnten die Leser (hier Mathis von Kampen) Fische und Schildkröten aus der Nähe betrachten.
Hinter den Kulissen konnten die Leser (hier Mathis von Kampen) Fische und Schildkröten aus der Nähe betrachten. | Foto: Brocks

Um authentische Geruchseindrücke aus aller Welt erlebbar zu machen, beduftet das Klimahaus seine Räume per Zerstäuber. In einem unauffälligen Kasten im Keller verbergen sich zahlreiche Gele und Flüssigkeiten, mit denen die Raumluft aromatisiert wird. Besonders beliebt: Dschungelblüte. Ein anderer Duft dagegen wurde auf Wunsch der Besucher aus der Ausstellung genommen: „Ganz Mutige konnten auf einen Knopf drücken und den Verwesungsgeruch eines Wals erschnuppern. Den hatte man dann allerdings noch zwei Wochen in der Nase“, verrät Holger Cerbjan. Der technischer Leiter des Klimahauses führte die NZ-Leser vom Keller bis aufs Dach.

„Für Technikfans ist diese Führung wirklich interessant“, freut sich Harald von Kampen, der sich vor allem für das Energiekonzept interessierte. Das Klimahaus setzt auf Erdwärme, Photovoltaik und Fernwärme. „Wir wollen keine überflüssige Energie verbrauchen“, betont Cerbjan, der den Lesern Dieselgeneratoren, Pumpen und Lüftungsanlagen zeigte.

Demnächst ist die Umstellung auf LED-Beleuchtung geplant: „Das ist natürlich mit hohen Kosten verbunden, rentiert sich aber nach knapp eineinhalb Jahren. Dadurch lassen sich pro Jahr nämlich rund 100 000 Euro einsparen“, weiß Cerbjan.

Spannend war für die NZ-Leser auch das akustische Evakuierungssystem: „Wir können das Klimahaus selbst in völliger Dunkelheit entfluchten“, erklärt Cerbjan. Dabei hilft ein „Lokomotivengeräusch, bestehend aus mehreren Frequenzen“, das den Besuchern den Weg zur nächsten Fluchttür weist. „Ich fand das heute sehr informativ“, sagt Mathis von Kampen (18), der momentan die Fachoberschule für Technik besucht: „Ich war schon öfter im Klimahaus, aber jetzt wird man die Ausstellung noch einmal mit völlig anderen Augen sehen, weil man weiß, was alles dahintersteckt.“

Mutter Andrea von Kampen genoss vor allem den Blick hinter die Kulissen der Aquaristik- und Terraristik-Abteilung: „Die sind schon ziemlich niedlich“, sagt die NZ-Leserin beim Anblick der Seehasen. Die Fische sind in der Nordsee und der Ostsee sowie im Nordatlantik zu Hause – und demnächst auch in der Ausstellung zu sehen. „Wir wollen Menschen zeigen, dass es Tiere gibt, die besonders selten oder sogar vom Aussterben bedroht sind“, erklärt Cerbjan. Auch die Tierhaltung sei mit einigen Herausforderungen verbunden: „Wir müssen immer darauf achten, dass das Wasser nicht zu warm wird. Sonst fühlen sich unsere Fische nicht mehr wohl“ – und könnten im schlimmsten Fall sterben.

Ein Seehase | Foto: Brocks

„Ich finde es sehr interessant, wie man versucht, mit möglichst wenig Energie und ressourcenschonend das Klimahaus zu betreiben“, sagt NZ-Leser Karl-Rudolf Hegemann. Ehefrau Inge staunte vor allem über die Dimensionen: „Hinter den Kulissen ist es ja mindestens so spannend wie in der Ausstellung.“