Der pensionierte Marineflieger Wolfgang Wilhelm (rechts) zeigte Hermann Hoppe, wie es im Cockpit der „Breguet Atlantic“ ausschaut.
Der pensionierte Marineflieger Wolfgang Wilhelm (rechts) zeigte Hermann Hoppe, wie es im Cockpit der „Breguet Atlantic“ ausschaut. | Foto: Brocks

Platz nehmen auf dem Pilotensitz

Nordholz. Es rumpelt und klappert gewaltig: Fast scheint es, als würde der Seefernaufklärer „Breguet Atlantic“ gleich abheben – doch es ist nur der Wind, der das Ausstellungsstück auf dem Außengelände des
Aeronauticums in Bewegung bringt. Bei einer exklusiven „NZ+Ich“-Aktion konnten acht Abonnenten hinter die Kulissen des Deutschen Luftschiff- und Marinefliegermuseums in Nordholz schauen und sich den normalerweise nicht zugänglichen Seefernaufklärer und den Salonhubschrauber der NVA Mi 8S von innen ansehen.

Unzählige Schätze von ideellem Wert

Das Aeronauticum bietet Einblicke in die historische und technische Entwicklung der Luftschifffahrt sowie See- und Marinefliegerei. „Wir können nur einen Bruchteil dessen ausstellen, was sich in unserem Besitz befindet“, erklärt Museumsleiterin Anja Dörfer. Und so lagern im Keller unzählige Schätze von ideellem Wert: Neben Uniformen und Marineblusen aus den allerersten Marinefliegerjahren, Jacken, Hosen und sogar Unterwäsche aus dem Zweiten Weltkrieg hängen hier unter anderem auch Überlebensanzüge der ostdeutschen Marineflieger, der Nationalen Volksarmee (NVA). „Wir haben Bekleidung aus allen Epochen“, freut sich Archivleiter Alexander Cordes. Und nicht nur das: „Wir sammeln auch aktuelle Modellbausätze. In 50 Jahren sind die reif fürs Museum“, sagt Cordes und schmunzelt.

Engagierte Ehrenamtliche

„Die Bestände sind ja riesig“, staunt NZ-Leser Werner Ruppert beim Anblick der normalerweise nicht öffentlich zugänglichen Bibliothek. Rund 9000 Bücher und Zeitschriften lagern im Keller des Aeronauticums in bunt zusammengewürfelten Regalen und Schränken: „Da wir als Förderverein mit unserem Geld haushalten müssen, freuen wir uns, wenn wir Schränke oder Regale geschenkt bekommen“, erklärt Dörfer, die tief im Inneren von einem einheitlichen Ablagesystem träumt. Wichtiger als einheitliches Inventar aber sei etwas anderes: „Alle unsere Objekte sind ordentlich sortiert und katalogisiert“, betont die Expertin.

Museumsleiterin Anja Dörfer (rechts) führte die NZ-Leser in das normalerweise nicht zugängliche Magazin des Aeronauticums.
Museumsleiterin Anja Dörfer (rechts) führte die NZ-Leser in das normalerweise nicht zugängliche Magazin des Aeronauticums. | Foto: Brocks

In Schubladenschränken werden Unterlagen und Fotos aufbewahrt, die die Marineluftschiffkameradschaft in den 1920er Jahren auf Glas gebannt hat: „Inzwischen haben wir alles digitalisiert“, freut sich Dörfer und betont: „Es ist ganz wichtig, bei der Dokumentation immer dranzubleiben.“ Dass das klappt, sei den engagierten Ehrenamtlichen zu verdanken: „Wir haben relativ wenig Personal, bekommen aber sehr viel Nachschub. Es gibt immer etwas zu tun“, schildert Dörfer das Dilemma.

Viel Arbeit machen auch die 18 Großexponate – Hubschrauber und Flugzeuge – auf dem Außengelände. „Wir müssen diese sehr intensiv pflegen“, erklärt Dörfer. In erster Linie geht es darum, das Metall zu konservieren und vor Korrosion zu schützen: „Das ist ein permanenter Kampf gegen den Verfall.“

Pensionierter Marinepilot erzählt vom Berufsleben

Vom Wolfgang Wilhelm erfahren die Besucher im Cockpit der „Breguet Atlantic“ Wissenswertes über die Technik der Maschine, die Flugvorbereitung und -kontrolle und die Einsätze der Marineflieger. Der Pensionär hat drei Jahrzehnte als Pilot bei den Marinefliegern gearbeitet und erzählte von Übungsflügen und realen Einsätzen: „Als ich in Pension gegangen bin, war ich froh, dass ich in meinem Fliegerleben nie einen scharfen Torpedo abwerfen musste“, sagt Wilhelm.
„Schade, dass ich nicht abheben konnte“, bedauert Hermann Hoppe, der am Steuer der „Breguet Atlantic“ Platz genommen hat, und lacht. Wenig später geht es dann doch in die Luft – allerdings nur im Flugsimulator. Zwei Wissenschaftler haben es ermöglicht, dass der seit Jahren als Exponat im Aeronauticum schlummernde Verfahrenstrainer des ausrangierten Seefernaufklärers BR1150 das Gefühl vom Fliegen vermitteln kann. „Beim Simulationsflug hatte ich schon ein wenig Angst. Das sah so real aus!“, sagt Anita Hoppe. „Man hatte zu hundert Prozent das Gefühl zu fliegen“, staunt auch Werner Ruppert über die perfekte Illusion.

„Phänomenale Technik“

„Dass man die Maschinen von innen besichtigen konnte und Informationen aus erster Hand bekommen hat, war besonders spannend“, sagt Heinz Möchel, der das Aeronauticum für künftige Ausflüge mit Besuchern ausgekundschaftet hat: „Mit meinem Enkel, der im Sommer zu Besuch kommt und sich sehr für Technik interessiert, werde ich sicher noch einmal hierherkommen“, verrät der 71-Jährige.

„Wenn ein Flugzeug zur Landung ansetzt, denkt man doch, es fällt gleich wie ein Stein vom Himmel“, sagt Günter Domnowski, der über die „phänomenale Technik“ staunt. Der gelernte Statiker interessierte sich vor allem für die technischen Fakten: „Aber zu sehen, mit wie viel Herzblut alle hier bei der Sache sind, war wirklich beeindruckend.“ (akb)