Mit den „Bodyguard“-Darstellern Marina Maniglio und Jo Weil (Mitte) plauderten die „NZ+Ich“-Teilnehmer ganz entspannt über die Herausforderungen auf der Bühne und das Leben auf Tour. | Foto: Brocks

„Niemand kann so singen wie Whitney“

Bremen. Zum Glück ist Jo Weil kein echter Leibwächter. Sonst wären die zwölf Abonnenten der NORDSEE-ZEITUNG am Donnerstagabend wohl nicht so dicht an Sängerin Marina Maniglio herangekommen. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion durften die Teilnehmer bei „Bodyguard“ im Bremer Metropol Theater  hinter die Kulissen schauen. Auch die Hauptdarsteller nahmen sich nach der Show Zeit für einen Plausch.

„Bodyguard“ erzählt die Liebesgeschichte von Superstar Rachel Marron und ihrem Leibwächter Frank Farmer. Der Film mit Ausnahmesängerin Whitney Houston und Kevin Costner war 1992 ein Welterfolg. „So ziemlich jeder kennt den Film. Natürlich ist es ganz normal, dass man als Zuschauer dann Vergleiche zieht“, weiß Musicaldarstellerin Marina Maniglio. Doch auch Houston und Costner hätten nur eine Rolle verkörpert: „Wir sind keine Eins-zu-Eins-Kopien und wollen das auch gar nicht sein“, sagt Schauspielkollege Jo Weil. „Niemand kann so singen wie Whitney. Daher interpretiere ich die Songs bewusst auf meine ganz eigene Art“, ergänzt Maniglio.

„Der Bodyguard ist halt eine coole Socke“

„Ich habe den Film als Jugendlicher gleich mehrfach gesehen. Damals war ich auch ein wenig verliebt“, gesteht Jo Weil und lacht. Dass er als Schauspieler, der unter anderem durch Serien wie „Verbotene Liebe“ bekannt wurde, einmal eine Hauptrolle in einer Musical-Produktion spielen würde, hätte er früher nicht zu träumen gewagt. Ob es ihn nicht ärgert, dass er weder tanzen noch singen darf, möchten die NZ-Leser wissen. „Der Bodyguard ist halt eine coole Socke“, sagt Weil. Wobei: Einmal muss er dann doch ein Lied anstimmen – in einer Szene in der Karaoke-Bar. „Schön schief“, so will es das Drehbuch. Seiner Kollegin zollt Weil großen Respekt: „Jeden Abend auf der Bühne 16 so anspruchsvolle Songs live zu performen, das ist eine Herausforderung“, ahnt Weil.

„Wir sind eine große internationale Familie“, beschreibt der Schauspieler das rund 100-köpfige Team. Das hat viel im Gepäck: „Wir reisen mit elf Lkw“, erklärt Andreas Kliebenschädel, Technischer Direktor. Darin verstaut sind Kostüme und Requisiten, Beleuchtungs- und Tontechnik und Bühnenbild-Elemente. „Wir bauen in zwei Tagen alles auf“, erklärt Kliebenschädel. Dazu gehört auch, dass knapp 15 Kilometer Kabel verlegt und 200 einzeln programmierbare Lampen eingerichtet werden. Das Bühnenbild ist technisch ausgefeilt, die Umbauten rasant: „Wir haben hier 76 Verwandlungen.“ Heißt: Das Bühnenbild verändert sich, Wände kommen von der Seite, Bühnenteile „fliegen“ von oben ein. „Die Techniker tanzen hier hinter der Bühne eigentlich auch“, sagt Kliebenschädel und lacht.

Viel Platz auf der Seitenbühne

„In Bremen haben wir relativ viel Platz auf der Seitenbühne“, sagt Tourneeleiterin Olivia Rode. So viel Luxus gebe es nicht in allen Theatern: „Manchmal hat man neben der Bühne noch 60 Zentimeter. Dann wird es spannend.“ Und auch die unterschiedlichen Proportionen der Bühnen sorgen angesichts der großen Kulissenteile für Herausforderungen: „Wir kriegen das aber immer irgendwie hin“, sagt Kliebenschädel, der seit 18 Jahren in der Branche tätig ist. Die Arbeit auf Tour sei „wie eine Sucht“. „Man kommt in der Welt rum und arbeitet mit Menschen unterschiedlicher Kulturen“, schwärmt Kliebenschädel. Er lebt aus dem Koffer, reist ständig von einer Stadt zur nächsten.

„Man merkt, dass er dafür lebt“, sagt NZ-Leserin Nicole Thomas, der die „NZ+Ich“-Aktion rundum gut gefiel: „Ich fand die Darsteller super nett. Es war toll, dass sie sich so viel Zeit für uns genommen haben“, lobt sie. Auch Ehemann Jens Thomas ist begeistert: „Jetzt ist einem noch einmal bewusster, wie viel Arbeit hinter einer solchen Produktion steckt“, sagt der 46-Jährige. „Ich singe selber im Chor und liebe Musicals“, verrät Leserin Janine Stelling, warum sie bei „Bodyguard“ unbedingt hinter die Kulissen schauen wollte. „Ich finde es richtig toll, was alle Beteiligten hier leisten“, sagt die 42-Jährige angesichts des hohen logistischen Aufwands. Für Anja Sitterz (53) war es der erste Musical-Besuch: „Und dann gleich mit Blick hinter die Kulissen. Das war grandios.“