„Lautstärke ist relativ“

Geestemünde. Der Schlagzeuger ist schon startbereit und auch Norbert Pollex alias Dean Collins würde am liebsten sofort mit dem Soundcheck loslegen. Doch einige seiner Musikerkollegen stehen am Sonnabendnachmittag noch im Stau. Und auch die Techniker hinken ihrem Zeitplan ein wenig hinterher: „Bei der Zahl an Kabeln, die hier verlegt werden, kein Wunder“, sagt Norbert Pollex und lacht. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion konnten 20 Interessierte hinter die Kulissen des „Apollo“ schauen und bei den Vorbereitungen für das Konzert von „Dean Collins and the DC7“ zusehen.

„Mit so einem Instrument ist man befreundet“

23 Songs sollen an diesem Abend gespielt werden: „Natürlich legen wir vorher einen Ablauf fest. Aber manchmal reagieren wir auch ganz spontan auf die Stimmung des Publikums und ändern während des Konzerts die Reihenfolge der Songs“, erzählt Gitarrist Thomas Krüger. Geprobt haben die Musiker, die aus ganz Deutschland angereist sind, allein zu Hause. Der Soundcheck diene dazu, dass die Musiker ihren persönlichen Sound an die akustischen Verhältnisse auf der Bühne anpassen. Das ist nicht immer einfach: „Lautstärke ist relativ. Dem einen Besucher ist es schon zu laut, wenn der andere uns auffordert, noch einmal richtig aufzudrehen“, weiß Norbert Pollex und schmunzelt. Natürlich hat jeder Musiker sein eigenes Instrument mitgebracht: „Mit so einem Instrument ist man befreundet. Man hat es ständig in der Hand, ist mit jeder Eigenart vertraut“, erzählt Thomas Krüger.

Lap-Steel-Gitarre

„Ich habe heute ein mir völlig unbekanntes Instrument kennengelernt“, sagt NZ-Leserin Karin Borchers-Spies. Die Lap-Steel-Gitarre, die horizontal auf dem Schoß gespielt wird, findet die Musikinteressierte „total spannend“. Doch nicht nur die Konzertvorbereitungen interessieren die NZ-Leser, einige sind auch aus einem völlig anderen Grund mitgekommen: „Ich war früher gerne hier im Kino und total unglücklich, als es geschlossen wurde“, erzählt Martina Flathmann. Die „NZ+Ich“-Aktion habe ihr daher gut gefallen: „Es ist erstaunlich, was daraus geworden ist!“ Filme laufen in dem 1953 unter dem Namen „Europa“ eröffneten Kino an der Georgstraße schon seit 2007 nicht mehr. Inzwischen ist es ein modernes Veranstaltungshaus: „Damitder Charme
des Kinos erhalten bleibt, hat man entschieden, die Originalsitzplätze auf der Empore zu erhalten“, erzählt Janet Häschke. Auch einige Lampenschirme an der Decke, einige Kinosessel aus unterschiedlichen Jahrzehnten sowie der früher beleuchtete „Apollo“-Schriftzug an der Wand erinnern an alte Zeiten. „Schön, dass all das erhalten geblieben ist“, sagt Karin Borchers-Spies. (akb)