•Wie sich der Schlagzeuger auf der Bühne fühlt, durfte Leserin Stefanie Axmann beim Rundgang mit Gitarrist „Lou D“ (2. von links) ausprobieren.
•Wie sich der Schlagzeuger auf der Bühne fühlt, durfte Leserin Stefanie Axmann beim Rundgang mit Gitarrist „Lou D“ (2. von links) ausprobieren. | Foto: Brocks

„Jede Show ist eine Premiere“

Bremen. „Oh, hier darf man aber keine Höhenangst haben“, sagt Ingrid Hartung. Die NZ-Leserin steht auf einem schmalen Steg knapp 16 Meter über dem Boden und wirft einen Blick auf die Bühne des Metropol-Theaters Bremen. Vier Stunden vor Showbeginn herrscht dort reges Treiben: Die Band probt noch einige Songs, ein Kraftprotz schleudert Autoreifen in die Höhe, ein Jongleur wirbelt Keulen durch die Luft und eine Artistin lässt Hula-Hoop-Reifen um Arme, Beine und Hüften kreisen. Mittendrin: Zehn Abonnenten der NORDSEE-ZEITUNG. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion durften sie einen Blick hinter die Kulissen von „Rock the Circus“ werfen.

Der Beruf ist Berufung

„Wir reisen mit einem 40-Tonner voller Material an“, erklärt Gitarrist „Lou D“. Darin verstaut sind Instrumente, Beleuchtungs- und Tontechnik, Requisiten und Kostüme. „Der Aufbau beginnt morgens gegen 10 Uhr, die letzte Kiste packen wir meist nachts um zwei Uhr ein.“ Der Beruf, für alle Bandmitglieder sei er Berufung: „Man braucht einen gewissen Grad an Verrücktheit, um das mitzumachen“, sagt der Berliner und lacht.

Dann geht es wieder an die Arbeit. Der Soundcheck steht an. „Wir müssen den Klang der Band auf jeden Saal abstimmen“, erklärt „Lou D“. Die Musiker spielen mit In-Ear-Kopfhörern, die tief im Ohr sitzen, den „Lärm“ von außen dämpfen und jeweils einen angepassten Sound ausspielen. „Das muss für jeden von uns individuell eingestellt werden“, so der Musiker. Zudem sei der Soundcheck eine willkommene Gelegenheit, um ein paar heikle Stellen im Programm noch einmal zu proben. Bassist Jörg Zimmermann zeigt seiner Familie unterdessen per Videotelefonie, was auf der Bühne passiert: „Wir spielen insgesamt 43 Shows, sind fast jeden Tag in einer anderen Stadt“ – da bleibt das Familienleben ein Stück weit auf der Strecke.

Leben aus dem Koffer

Das Leben aus dem Koffer sind die Artistinnen Dana und Kyra längst gewöhnt. Sie haben 2017 ihren Abschluss an der Berliner Artistenschule gemacht und begeistern seitdem mit Luftsprüngen auf dem Schleuderbrett. Ihr Motto: „Hoch hinaus!“ Die „Rock the Circus“-Tour ist für die jungen Frauen eine Herausforderung: „Jede Bühne ist unterschiedlich groß und unterschiedlich hoch, das Licht kommt immer aus anderen Winkeln. Für uns ist also jede Show eine Premiere“, erzählt Kyra in einer Pause zwischen den Proben.

An die Arbeit mit der Rockband auf der Bühne mussten sich die 21-Jährigen erst gewöhnen: „Die Band ist so laut, dass wir die Signale, die wir uns während des Springens geben, nicht hören. Das ist natürlich ein Risiko.“ Bislang ist zum Glück alles gut gegangen: „Wenn alles gut läuft, wir uns nicht gravierend verletzen, können wir mit dem Schleuderbrett wohl noch zehn Jahre arbeiten“, spekulieren die 21-Jährigen. Wie es dann weitergeht? „Mal schauen! Es gibt ja viele artistische Disziplinen“, sagt Kyra. „Außerdem haben wir beide das Abi gemacht. Uns stehen also alle Wege offen“, ergänzt Dana.

„Das wäre mir zu anstrengend“

„Was für eine tolle Aktion. In den Gesprächen mit den Artisten und der Band hat man so viel über deren Leben erfahren“, freut sich NZ-Leserin Ingrid Hartung. „So ein Tourleben wäre nichts für mich. Das wäre mir zu anstrengend“, sagt Wolfgang Schröder und lacht. Für den Hobbymusiker ging bei der Aktion ein Traum in Erfüllung: „Ich wollte schon immer wissen, wie viel Arbeit hinter so einer großen Bühnenshow steckt und mich mit Profimusikern unterhalten“, schwärmt der NZ-Abonnent. Ehefrau Helga Schröder freut sich, „so nah dran zu sein“ und mit den Musikern und Artisten plaudern zu können: „Wenn man selber einmal auf der Bühne stand und die Künstler kennengelernt hat, sieht man die Show danach mit völlig anderen Augen.“ (akb)