Ein ICE-Modell hat Melf Grantz schon im Regal stehen. Der Oberbürgermeister hofft auf eine Fernverkehrsverbindung für Bremerhaven. Foto: Brocks
Ein ICE-Modell hat Melf Grantz schon im Regal stehen. Der Oberbürgermeister hofft auf eine Fernverkehrsverbindung für Bremerhaven. | Foto: Foto: Brocks

Grantz behält ICE im Blick

Oberbürgermeister beantwortet bei einer exklusiven „NZ+Ich“-Aktion Leserfragen

Bremerhaven. Nach einem langen Arbeitstag geht Melf Grantz gerne strammen Schrittes am Deich spazieren: „Am Sonntagnachmittag suche ich mir allerdings lieber eine andere Strecke, da muss man am Deich zu oft stehen bleiben, weil man zu viele Leute trifft“, verrät der Oberbürgermeister und lacht. Sein absoluter Lieblingsort zum schnellen Entspannen: die – zurzeit leider gesperrte – Nordmole. „Von dort übers Wasser zu schauen ist herrlich!“ Die Frage nach seinem Lieblingsort war nur eine, die Melf Grantz bei einer „NZ+Ich“-Aktion beantwortete. Zwei Stunden ließ er sich in seinem Büro von zehn NZ-Abonnenten „löchern“. Ein Auszug der Fragen und Antworten.

Seit auf dem Konrad-Adenauer-Platz Parkautomaten stehen, parkt dort kaum noch jemand. Dafür herrscht in den Nebenstraßen Chaos. Im Goethequartier sieht es baustellenbedingt ähnlich aus. Den Ordnungsdienst sieht man aber kaum. Das ist verschenktes Geld! Was gedenken Sie zu tun? „Wenn es so viele Falschparker gibt, werden wir unsere Anstrengungen nochmals vergrößern müssen“, sagt Grantz. Er verspricht, die Mitarbeiter des Ordnungsamts zu häufigeren Kontrollen in den beiden Gebieten anzuregen. „Außerdem werden wir die Möglichkeiten des Anwohnerparkens prüfen.“

Uns ärgert der enorme Lkw-Verkehr. Von der Weserstraße brettern die Lastwagen durch die Georgstraße, über die Kennedybrücke, durch die Barkhausenstraße in den Hafen. Warum werden die Lkw nicht, wie in anderen Städten auch, ausgesperrt? „Wenn der Hafentunnel in zwei Jahren fertiggestellt ist, wollen wir mit der Hafenwirtschaft klären, ob die Möglichkeit besteht, dass Zolltor Rotersand im Wesentlichen zu schließen“, so Grantz. Diese Maßnahme soll von Mautgebühren für Nebenstraßen begleitet werden.

Einmal im Jahr ist die Deutsche Weinstraße an einem Erlebnistag komplett für den Autoverkehr gesperrt. Einen solchen autofreien Sonntag mit Aktivitäten in den einzelnen Stadtteilen würde ich mir auch für Bremerhaven wünschen. Was halten Sie davon? „Das ist eine witzige Idee“, sagt Grantz. Er wolle gerne prüfen, ob es rechtlich möglich wäre, einen Großteil der Bremerhavener Straßen an einem solchen Aktionstag für den Verkehr zu sperren. Da beim Marathon auch zahlreiche Straßen gesperrt werden, ist er zuversichtlich: „Erst einmal wäre es aber vermutlich eine Frage der Freiwilligkeit.“ Die Bürger müssten also mitziehen.

Wann bekommt Bremerhaven endlich einen ICE-Anschluss? Und wird die Verbindung zum Kreuzfahrtterminal wieder reaktiviert? „Ich werde weiterhin dafür kämpfen“, betont Grantz, der sich einen Zwei-Stunden-Takt nach München erhofft. Ob und wann der Anschluss kommt, ist weiter offen. „Wir haben vonseiten des Landes und der Kommune eine Kostenbeteiligung angeboten“, so der Oberbürgermeister. Sein Ziel: den Fernverkehrszug bis Bremen für den Nahverkehr zu öffnen. So, wie es auf der IC-Strecke zwischen Bremen und Emden funktioniert. An eine Reaktivierung der Bahnstrecke bis zum Kreuzfahrtterminal glaubt Grantz ebenso wenig wie an den oft geforderten „dritten Strang“: „Das dritte Gleis werde ich, bei allem, was wir bislang mit der Deutschen Bahn erlebt haben, zu meinen Lebzeiten wohl nicht mehr erleben.“

Als Bremerhavener liegt mir das Image unserer Stadt am Herzen. Besucher sind fast immer zufrieden. Meist hört man: „Das habe ich nicht erwartet.“ Was tun Sie, um das Image der Stadt zu verbessern? „Wir versuchen, so viele Menschen wie möglich hierher einzuladen und sie von den touristischen Qualitäten unserer Stadt zu überzeugen.“ Der beste Weg sei es, den Menschen zu begegnen: „Wir bemühen uns nicht nur, uns auf vielen Messen in anderen Städten zu präsentieren, sondern auch viele Messen hierherzuholen“ – mit Erfolg. Die Teilnehmer nähmen alle ein positives Bild mit zurück in ihre Heimatstädte. „Wichtig ist, dass die Bremerhavener selbst Lust haben auf ihre Stadt – und auch selbst für Bremerhaven werben.“ (akb)