•Zehn Meter unter der Erde nahm Vereinsmitglied Christine Becker (links) NZ-Abonnenten mit auf eine Reise in die Vergangenheit.
•Zehn Meter unter der Erde nahm Vereinsmitglied Christine Becker (links) NZ-Abonnenten mit auf eine Reise in die Vergangenheit. | Foto: Foto: Brocks

„Geschichte live erleben“

15 „NZ+Ich“-Teilnehmer besichtigen Bunker in Elmlohe – Heutige Ausstattung ist originalgetreu

Elmlohe. Unscheinbar, wie eine alte Gartenlaube, wirkt der Eingang zum Elmloher Bunker. Wer die schweren Stahltüren öffnet und die Treppe hinabsteigt, begibt sich auf eine Reise in längst vergangene Zeiten, in die Hochphase des Kalten Krieges. Seit 2009 kümmert sich der Verein „Vorbei e. V.“ um den Elmloher Bunker. Nun durften 15 Abonnenten der NORDSEE-ZEITUNG einen Blick in den rund 1700 Quadratmeter großen Gebäudekomplex werfen.

„Unter höchster Geheimhaltung hat die Bundeswehr zur Zeit des Kalten Krieges 33 fernmeldetechnische Vermittlungsstellen errichtet“, erklärt „Vorbei“-Mitglied Markus Ewers. Auch im Wald zwischen Drangstedt und Elmlohe entstand 1966 hinter Stahltoren und Stacheldraht ein geheimes, unterirdisches Bunkersystem mit 55 Räumen. Bis 1996 diente das Gebäude als Grundnetzschalt- und Vermittlungsstelle, war für den militärischen Fernmeldeverkehr ausgestattet.

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Der Standort war „geheim“. Weder Angehörige noch die Bewohner der anliegenden Dörfer wussten offiziell davon: „Mir war neu, dass es hier einen Bunker gibt“, sagt NZ-Leserin Elfriede Schulte (71) aus Bremerhaven, die sich mit Enkel Fabian angemeldet hatte. „Die Besichtigung ist interessant. So etwas sieht man ja nicht jeden Tag“, staunt der 18-Jährige.

„Wir wollen die Anlage nicht nur erhalten, sondern den Originalzustand wiederherstellen“, erklärt Ewers. Die heutige Ausstattung sei „absolut originalgetreu“. Allerdings stammen Einrichtung, Technik und Gerätschaften aus baugleichen Anlagen, denn der Elmloher Bunker stand mehrere Jahre leer und wurde geplündert.

„Bis zu vier Wochen hätte die Besatzung in dieser vor atomarer, chemischer und biologischer Waffeneinwirkung geschützten Anlage autark und abgeschnitten von der Außenwelt überleben können“, erklärt „Vorbei“-Mitglied Christine Becker. Auch die Lebensmittel sollten im Ernstfall für 28 Tage reichen. „Die Verpflegungskammer war der einzige Raum, der von innen verriegelt und von außen nicht geöffnet werden konnte.“ So sollten Plünderungen verhindert werden. „Offensichtlich gab es in den Bunkern nur Suppe.“ Denn fast überall habe man Schüsseln, tiefe Teller und Löffel gefunden – aber keine Messer und Gabeln.

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„Die 20 Betten waren nie kalt“, erklärt Becker. Geschlafen wurde im Schichtbetrieb: „Ich habe hier bei einer Bundeswehrreserveübung sogar übernachtet“, verrät Abonnent Andreas Leschik. Ausgeschlafen gewesen sei er aber nicht: „Mein Kollege hat unglaublich geschnarcht“, sagt Leschik und lacht. Der 63-Jährige hat 1983 drei Wochen im Schichtdienst in der Vermittlungsstelle gearbeitet. „Für mich war es spannend, den Bunker nach so langer Zeit erneut zu besichti-
gen. Da kommen Erinnerungen hoch.“ Die teilte er mit Ehefrau Kathrin Leschik: „Ich hatte mir den Bunker nicht so riesig vorgestellt“, verrät die 52-Jährige.

„Ich finde die Telekommunikationstechnik spannend“, sagt Jaron Stephan. Mit dem, was er bei der „NZ+Ich“-Aktion gelernt hat, will der 14-Jährige im Unterricht glänzen: „Wir nehmen gerade den Zweiten Weltkrieg durch.“ Auch für Ben Hadeler (12) war die Besichtigung „total spannend. Hier kann man Geschichte live erleben“.