Axel Betke und Tochter Annika schauen sich neugierig einen Versuchsaufbau an. | Foto: Brocks

Geprüft wird mit Technik und allen Sinnen

Bremerhaven. Auf dem Tisch liegen Makrelenfilets, Jakobsmuscheln und Räucherlachs. „Den Lachs würde ich jetzt vermutlich nicht mehr essen“, sagt Hartmut Paul angesichts des überschrittenen Verbrauchsdatums. Der Lebensmittelchemiker ist im Prüflabor Iben unter anderem für sensorische Kontrollen zuständig. Er kontrolliert Aussehen, Geruch, Konsistenz und auch Geschmack von Lebensmitteln. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion konnten 15 Abonnenten dem Experten über die Schulter und im Prüflabor hinter die Kulissen schauen.

Das private Labor beschäftigt sich vor allem mit der Analyse von Fisch und Fischgerichten, aber auch anderen Lebensmitteln. Arbeitsschwerpunkte sind die mikrobiologischen, physikalischen, chemischen und sensorischen Untersuchungen von frischen, gekühlten und tiefgefrorenen Lebensmitteln. „Wir arbeiten häufig für die Handelsketten“, erklärt Geschäftsführer Dr. Erwin Schuirmann. Oft werden deutschlandweit bestimmte Produkte eingekauft, die dann im Kühlfahrzeug nach Bremerhaven transportiert und dort untersucht werden. „Unsere Auftraggeber möchten wissen, wie die Ware beim Kunden ankommt“, sagt Schuirmann. Andere Proben wiederum kommen direkt aus der Produktion.

Im Labor angekommen, wird erst einmal die Eingangstemperatur gemessen, anschließend erhält jedes Produkt eine spezifische Probennummer – und durchläuft dann zahlreiche Tests. „Wenn die letzte Untersuchung abgeschlossen ist, bewerten Sachverständige das Ergebnis“, erklärt Schuirmann. Die Auswertung geht an den Kunden und in bestimmten Fällen auch an das Gesundheitsamt.

Geprüft wird unter anderem auf Hefen, Schimmelpilze, E.Coli-Bakterien, Salmonellen oder Listerien. „Wir prüfen auch, ob die Nährwerte, die auf der Verpackung angegeben sind, auch stimmen.“ Bei Fisch allerdings gebe es gewisse Abweichungen: „Das ist schließlich ein Naturprodukt. Da hat der eine Fisch mal fünf, der andere zehn Prozent Fett“, sagt Schuirmann. Geprüft wird auch auf Allergene wie Soja, Gluten, Sellerie, Senf oder Milch.

Die Iben-Mitarbeiter nehmen auch Proben in Unternehmen: „So lässt sich feststellen, ob dort sauber gearbeitet wird“, erklärt Schuirmann. Auch Trinkwasser, Abwasser und Bodenproben stehen auf dem täglichen Programm.

„Ich habe hier vieles wiedererkannt, worüber wir im Studium schon gesprochen haben“, sagt NZ-Leserin Annika Betke, die Lebensmitteltechnologie studiert. Die 19-Jährige stand auch schon mehrmals selbst in einem Labor: „Bei uns an der Uni sind die Geräte aber deutlich kleiner“, so die junge Frau.

„Lebensmittelskandale sind ja immer wieder ein Thema. Heute hatte ich die Chance, mir kompetente Informationen zu holen“, sagt NZ-Leser Andreas Pfüller. „Man hört immer von DNA-Analysen, aber wie das funktioniert, kann man sich gar nicht richtig vorstellen“, sagt Ehefrau Britta Pfüller. Die Führung sei sehr informativ gewesen: „Jetzt weiß man, wie so eine Prüfung abläuft und wie viele Schritte erforderlich sind“, so die 62-Jährige. Auch das nächste Projekt ist für die Eheleute interessant: „Demnächst werden wir auch Mikroplastik-Prüfungen vornehmen“, erklärt Schuirmann. (akb)