Anette Kaldasch von ArcelorMittal führt die Teilnehmer der NZ+Ich-Aktion durch die unterschiedlichen Stationen der Stahlproduktion.
Anette Kaldasch von ArcelorMittal führt die Teilnehmer der NZ+Ich-Aktion durch die unterschiedlichen Stationen der Stahlproduktion. | Foto: Langen

Eine Kaffeefahrt durchs Stahlwerk

Bremen. Links und rechts wild wachsende Bäume und Sträucher – in der Mitte holpert ein Bus durch die Landschaft. Nein, die 21 Teilnehmer der NZ+Ich-Aktion waren nicht auf einer Kaffeefahrt, sondern mitten im Bremer Industriegebiet des Unternehmens ArcelorMittal. Auf dem gut sieben Quadratkilometer großen Gelände werden jährlich bis zu 3,5 Millionen Tonnen Rohstahl hergestellt. Bremen ist damit der größte Standort des weltweit größten Stahlkonzerns.

3400 Mitarbeiter

Zwischen den verschiedenen Gewerken, die unermüdlich Stahl herstellen und bearbeiten, erstrecken sich kleine Waldstücke: „Ich habe es mir nicht so groß und grün vorgestellt“, wundert sich auch die 68-jährige Christa Kück aus Beverstedt. Der Grund dafür liegt in der Entstehung des Unternehmens: Die Anlagen wurden nicht auf einmal, sondern nach und nach gebaut und die große Distanz zwischen ihnen diente dem Brandschutz. Die grünen Oasen zwischen den rauchenden Schornsteinen durften bleiben. Sogar einen Jäger gibt es unter den 3400 Mitarbeitern von ArcelorMittal Bremen.

Mit dem Bus fahren die Besucher die verschiedenen Stationen der Stahlproduktion und -verarbeitung an: vom Hochofen über die Warm- und Kaltwalzwerke bis hin zur Verzinkung. Dabei erzählt ihnen Mitarbeiterin Anette Kaldasch detailliert, welche großen Kräfte es braucht, um Stahl zu erzeugen: Bei 1400 Grad wird Eisen in den Öfen erhitzt, mit anderen Metallen ergänzt und in Blöcke gegossen. Die sogenannten Brammen sind immer 22 Zentimeter dick und werden anschließend zu dünnen Platten weiterverarbeitet. „Etwa 300 Stahlsorten entstehen hier auf diesem Weg“, berichtet Kaldasch, „und die produzieren wir vor allem für Kunden aus der Automobil- und der Bauindustrie sowie der weißen Industrie – das sind Haushaltsgeräte.“

1670 Grad im Kessel

Der 81-jährige Besucher Kurt Maler kennt das Stahlwerk noch von früher: Von 1970 bis 1972 arbeitete er als Elektrotechniker im Kaltwalzwerk und fuhr täglich mit dem Klöcknerbus von Bremerhaven nach Bremen: „Heute ist viel mehr elektronisch gesteuert – früher war das alles noch ganz anders. Damals bin ich hier noch im Dreck rumgekrabbelt, um Teile auszuwechseln.“

Besonders gebannt waren die Besucher von der letzten Station der Führung: Im Stahlwerk konnten sie beobachten, wie Schrott, Roheisen, Sauerstoff und andere Metalle aufgekocht und zu flüssigem Rohstahl werden. Da flirrte die Luft und die Funken stoben aus dem großen Zementkessel. 1670 Grad muss er dabei aushalten. „Etwa 2000 Schmelzgänge hält der Behälter aus. Wir überprüfen ihn aber natürlich regelmäßig, denn wenn er durchbrennen würde, käme das einem Vulkanausbruch gleich“, so Kaldasch. (lml)