Vom Abholen des Verstorbenen bis zur Beisetzung: Peter Osterndorff und Sohn Tim stellten bei einer „NZ+Ich“-Aktion die Arbeit bei Hadeler Bestattungen vor.

„Ein Stück weit die Angst genommen“

Vom Abholen des Verstorbenen bis zur Beisetzung: Peter Osterndorff und Sohn Tim stellten bei einer „NZ+Ich“-Aktion die Arbeit bei Hadeler Bestattungen vor.

Bremerhaven. „Mir war schon ein wenig mulmig. Schließlich ist der Tod kein Thema, mit dem man sich gerne beschäftigt“, sagt Carola Wilke-Büchner. Die 44-Jährige war eine von 16 Abonnenten der NORDSEE-ZEITUNG, die sich bei einer „NZ+Ich“-Aktion im Bestattungshaus Hadeler umsehen konnten.

Vom Abholen des Verstorbenen bis zur Beisetzung: Peter Osterndorff und Sohn Tim schilderten den NZ-Abonnenten die einzelnen Arbeitsschritte. Ganz still wurden die Leser im Vorbereitungsraum: Hier werden die Verstorbenen gewaschen, versorgt und angekleidet. „Beim ersten Mal hat es mich natürlich Überwindung gekostet, einen Verstorbenen anzufassen. Aber mit der Zeit habe ich jegliche Berührungsängste verloren“, erklärt Tim Osterndorff. „Was kann man denn tun, wenn ein Verstorbener bei einem schweren Unfall gestorben ist?“, möchte ein Leser wissen – und erfährt, wie Körperteile rekonstruiert werden.

Viele Fragen gestellt
Die Teilnehmer wollen alles ganz genau wissen: Wie das ist, wenn ein Mensch nach dem Tod verbrannt wird, zum Beispiel. „Da passt wirklich alles rein, was von mir übrig bleibt?“, fragt ein Leser beim Anblick einer Urne. Peter Osterndorff nickt – und weckt bei vielen Teilnehmern den Wunsch, einmal ein Krematorium zu besichtigen. Wie man nach der
Einäscherung auseinanderhalten könne, wer das einmal war, interessiert die Leser. „Während der Verbrennung liegt auf dem Sarg ein Schamottstein mit einer individuellen Nummer, die dem Verstorbenen zugeordnet ist und ihn bis in die Urne begleitet, damit es zu keiner Verwechslung kommen kann“, so Peter Osterndorff.

Auch Leichenflecken und das Lösen der Leichenstarre durch spezielle Massagetechniken sind auf Wunsch der Leser Thema. „Ich finde es total interessant! Wenn man selbst betroffen ist, dann hat man doch Watte im Kopf und ist so mit seiner Trauer beschäftigt, dass man von den Abläufen nichts mitbekommt“, sagt Michaela Kramer. „Mich hat überrascht, dass alle so locker sind“, sagt die 46-Jährige.

„Mit dem Tod kommt jeder zwangsläufig in Berührung. Da ist es doch besser, sich rechtzeitig mit diesem Thema zu befassen“, sagt Ottilie Schulze, die in letzter Zeit oft auf Beerdigungen war. „Viele meiner Freunde sind gestorben“, sagt die 87-Jährige, die mit großer Neugier und ohne
Berührungsangst an der Führung teilnahm. „Meine Bekannten konnten nicht verstehen, dass ich an dieser Aktion teilnehme. Viele wollen sich mit diesem Thema einfach nicht beschäftigen“, weiß Schulze.

„Mein Vater ist sehr früh gestorben“, sagt Carola Wilke-Büchner. Damals sei es ihr schwergefallen, mit der Situation umzugehen. Demnächst, ahnt die 44-Jährige, wird sie erneut mit einem Todesfall konfrontiert werden: „Heute wurde mir ein Stück weit die Angst genommen, weil alle meine Fragen beantwortet wurden.“ (akb)