•Bremenports-Mitarbeiter Sönke von Glahn (links) erklärte den NZ-Lesern die Gegebenheiten und die Technik. | Foto: Brocks

„Dimensionen sind beeindruckend“

Bremerhaven. 28 Bildschirme hängen an der Wand, weitere Monitore stehen auf den Tischen: Im Steuerstand der Kaiserschleuse lässt sich genau verfolgen, was sich im Hafen bewegt. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion konnten sich acht Abonnenten der NORDSEE-ZEITUNG dort umsehen und erfuhren Wissenswertes über die Sanierung der Kaiserschleuse.

„Der Steuerstand ist 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche mit einem Nautiker und einem Maschinisten besetzt“, erklärt Bremenports-Mitarbeiter Sönke von Glahn. Über rund 100 schwenkbare Kameras behalten sie alles im Blick, kommunizieren mit dem Schiffspersonal und können auf Knopfdruck die Schleusen bedienen. Vom Turm aus wird nicht nur die Kaiserschleuse gesteuert, sondern auch die Nordschleuse und die benachbarte Drehbrücke, die Klappbrücke Schleusenstraße sowie das Hafenpumpwerk und der Freilaufkanal, über die der Wasserstand im Hafen reguliert wird. „Nachts und außerhalb der Wassersportsaison kommt noch die Schleuse Neuer Hafen dazu“, erklärt von Glahn. „Was von hier aus alles gesteuert wird, war mir nicht klar“, staunt NZ-Leser Martin Müller.

2011 in Betrieb genommen

Die neue Kaiserschleuse wurde erst 2011 in Betrieb genommen. „Diese Dimensionen sind schon beeindruckend“, staunt NZ-Leser Heinfried Becker. „Beim Bau hat man sich damals am Panamakanal orientiert. Man dachte, dass die Schiffe niemals breiter würden“, sagt von Glahn und schmunzelt.

An der weserseitigen Zufahrt werden derzeit schon zum zweiten Mal die Schienen des Tores erneuert. „Bereits Ende 2014 hatten Taucher bei Routineinspektionen der Schleuse eine starke Verformung der Schienen ertastet, auf denen die Tore hin und her fahren“, erklärt von Glahn. Der Stahl war nach nur drei Jahren praktisch plattgewalzt. Die Schienen wurden ausgetauscht. „Schon damals war jedoch klar, dass die Reparatur nur vorläufig sein würde.“

Ganz exklusiv zeigt von Glahn den NZ-Lesern drei Stahlstücke: ein nahezu unbeschädigtes, ein völlig verformtes, dass 2014 ausgebaut wurde, und eines, das bei den aktuellen Bauarbeiten herausgenommen wurde. „Dass Stahl sich so verformen kann, hätte ich nicht gedacht“, sagt Heinfried Becker. Die neuen Schienen, die jetzt eingebaut werden, sind nun anders geformt und bestehen aus noch festerem Stahl, einer Speziallegierung.

„Die Aktion war wirklich interessant. Ich konnte mir nämlich nicht vorstellen, wie das Tor rein- und ausgehoben wird“, sagt Martin Müller. Tatsächlich wurde das Schleusentor mit Hilfe eines Schwimmkrans von den Schienen gehoben und vor die Einfahrt gestellt. „Ein zweites Tor, das Reservetor, dichtet die Durchfahrt in gleicher Weise von innen ab“, erklärt von Glahn. So entstand ein schmales Baudock, das leergepumpt und trockengelegt wurde.

„Ich bin seit über 40 Jahren Segler und schon durch viele Schleusen gefahren, auch durch die Kaiserschleuse“, erzählt Heiko Lange. Die Aktion sei daher sehr aufschlussreich gewesen: „Die Technik als solche ist ja bekannt, trotzdem habe ich heute sehr viel Neues erfahren.“