•Dr. Michael Habenicht, Chefarzt der Klinik für Akut- und Notfallmedizin, und Dr. Reinhold Schütz. Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie, erläuterten den NZ-Lesern die Abläufe in der Notaufnahme – und hatten extra das gesamte Team zu einer Übung zusammengerufen. | Foto: Brocks

„Die Arbeit im Schockraum ist Teamarbeit“

Bremerhaven. Gerade noch war alles ruhig, plötzlich schrillen zahlreiche Telefone und aus allen Richtungen eilen Ärzte und Pflegekräfte in den Schockraum: Bei der Versorgung von Menschen, die lebensbedrohlich verletzt sind, zählt jede Sekunde. Am Donnerstagabend läutete das Alarmsignal im Ameos Klinikum Mitte zum Glück nur eine Übung ein: Zwölf Abonnenten der NORDSEE-ZEITUNG konnten sich in der Zentralen Notaufnahme, im Schockraum und im Herzkatheterlabor umsehen.

„Wir haben in der Zentralen Notaufnahme rund 13000 Patienten pro Jahr“, sagt Dr. Michael Habenicht, Chefarzt der Klinik für Akut- und Notfallmedizin. „Einige kommen ,zu Fuß’, andere mit dem Rettungswagen. Mithilfe des sogenannten Manchester Triage Systems wird eingeschätzt, wie dringend ein Patient behandelt werden muss.“ Auf einem Monitor sehen die Ärzte, welche Patienten mit dem Rettungswagen auf dem Weg in die Klinik sind und welche Symptome diese aufweisen. „Der Notarzt übermittelt uns noch vom Einsatzort die Angaben“, erklärt Habenicht. Beim Eintreffen des Patienten in der Klinik steht dann ein entsprechendes Team bereit.

Schwerstverletzte werden sofort ins „Herz der Notaufnahme“, den Schockraum, gebracht. Bis zu zehn Ärzte –- darunter Anästhesisten, Chirurgen und Internisten – und Pflegekräfte beginnen dort unverzüglich mit den lebensrettenden Maßnahmen. „Das ist eine extreme logistische Herausforderung. Wir halten uns an feste Strukturen und eingespielte Abläufe, die wir immer wieder üben“, erklärt Dr. Reinhold Schütz, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie. Behandelt wird nach dem ABCDE-Schema. Heißt: Erste Priorität haben die Atemwege, dann geht es um Kreislauf, innere Blutungen, neurologische Ausfälle und Verletzungen der Gliedmaßen. „Die Arbeit im Schockraum ist Teamarbeit. Auch, wenn es natürlich immer jemanden geben muss, der den Ton angibt“, erklärt Schütz. Farbige Fußabdrücke auf dem Boden kennzeichnen die optimale Position für jede Abteilung, farbige Westen machen deutlich, wer welche Funktion inne hat.

Weiter geht es für die „NZ+Ich“-Teilnehmer durch die Notaufnahme ins Herzkatheter-Labor: Mit einer Sonde, die durch die Arterien bis zum Herz geschoben wird, können die Herzkranzgefäße kontrolliert werden. „Gibt es Engstellen, können wir diese mit Hilfe eines eingeführten Ballons aufdehnen. Wenn nötig wird dann ein Stent, eine Gefäßstütze, eingebracht“, erläutert Dr. Wolfgang Dausch, Chefarzt der Klinik für Herz-, Kreislauf- und Gefäßmedizin.

Rund 600 Herzinfarktpatienten werden hier jährlich behandelt: „20 Prozent davon befinden sich in einem lebensbedrohlichen Zustand“, erklärt Dausch. Die Sterblichkeit liege noch immer bei zwölf Prozent. Bei Herzinfarkten läuft die Uhr gegen die Betroffenen: „Entscheidend ist, wieviel Zeit zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem Wiedereröffnen der Gefäße vergeht“, erklärt Dausch. Mehr als 90 Minuten sollten es nicht sein. „Vorbeugen ist besser als Heilen“, appelliert der Arzt an die Leser auf ihren Körper zu achten.

„Ich bin vorbelastet und hatte bereits eine Herzkatheter-Untersuchung, aber damals habe ich alles um mich herum ausgeblendet“, erzählt NZ-Leserin Ingelore Anders. Der Blick ins Herzkatheter-Labor sei für sie, wenn auch „mit Bauchgrummeln verbunden“, unheimlich interessant gewesen: „Jetzt weiß ich, was damals mit mir gemacht wurde“, sagt die 70-Jährige.
Marleen Rinas möchte Ärztin werden: „Ich habe bereits zwei Praktika gemacht, aber die Kardiologie kannte ich noch gar nicht“, erzählt die 16-Jährige. Auch Vater Michael Rinas, der bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist, ist begeistert: „Mich hat interessiert, was passiert, nachdem wir Unfallopfer an den Rettungsdienst übergeben haben. Der Rundgang war wirklich spannend.“ (akb)