•Wie riecht das? „Schnupperproben“ für die NZ-Leser Birgit Deppe (links) und Reinhard Rehwinkel sowie Kaesler-Mitarbeiterin Kerstin Halfpap. | Foto: Brocks

„Das ist wie beim Kuchenbacken“

Nordholz/Cuxhaven. Ganz vorsichtig öffnet Jörg Evert das kleine Fläschchen: „Danke, das genügt schon“, ruft NZ-Leser Reinhard Rehwinkel und verzieht das Gesicht: „Das riecht ja total gammelig!“ Zumindest für Menschennasen. Fische dagegen stehen auf diesen „Krabben“-Geruch. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion konnten sich NZ-Abonnenten bei Kaesler Nutrition in Cuxhaven umsehen. Das Unternehmen produziert Zusatzstoffe für die Nutz- und Haustierernährung.

Schon im Jahr 1932 starteten Heinz Lohmann und Paul Wesjohann ein Agrarhandelsunternehmen: Lohmann gründete damals die Deutsche Fischmehlfabrik in Cuxhaven, die später ein Eckstein der Unternehmensgruppe sein sollte. Gleichzeitig begann Wesjohann einen Handel mit Bruteiern. „Heute dreht sich bei Kaesler alles um Tierernährung. Wir produzieren aber kein Futter, sondern Vitamine, Mineralien und Spurenelemente“, stellt Betriebsleiter Jörg Evert klar, 16 000 Tonnen pro Jahr. Kassenschlager ist Vitamin E. Das wird „in nahezu je-der Futterration eingesetzt“, sagt Ewert, denn das Vitamin wirke als Antioxidans und verbessere Gesundheit, Immunität und Qualität von Fleisch, Milch und Ei.

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Im Werk arbeiten Chemiker, Biotechnologen, Agrarwissenschaftler und Tiermediziner. „Obwohl in der heutigen Tierhaltung die Versorgung mit Vitaminen, Wirk- und Nährstoffen über das Futter ausreichend erscheint, gibt es Situationen, die eine kurzzeitige Ergänzung über das Tränkwasser induzieren“, betont Evert. Bei Hitze etwa senke eine Vitamin-C-Zugabe den Stress. Im Bereich der Flüssigproduktion werden Zusatzstoffe nach Standards der Lebensmittelindustrie hergestellt: „Das wäre jetzt also auch etwas für uns Menschen?“, fragt NZ-Leserin Birgit Deppe und lacht. „In diesem Bereich kommen tatsächlich Rohstoffe zum Einsatz, die auch bei der menschlichen Ernährung zum Einsatz kommen“, so Evert.

Wiegen, mischen, zusammenrühren: „Das ist wie beim Kuchenbacken“, sagt Evert über die Fünf-Pulver-Mischlinien im Hauptgebäude und lacht. Nur, dass die Maschinen größer sind als eine Küchenmaschine. Rund 800 unterschiedliche Rezepturen gibt es: „Viele Produkte werden exakt nach Kundenwünschen hergestellt.“ Den Tieren soll es natürlich auch munden.

„Vanille ist besonders für säugende Jungtiere geeignet“

„Aromen verbessern über Geruchs- und Geschmackskomponenten die sensorischen Eigenschaften des Futters“, erklärt Evert. Schweine mögen es gerne etwas süßlich, Rinder stehen auf würziges Futter. Während der „NZ+Ich“-Aktion haben die Leser Glück: Im Gebäude liegt ein Vanille-Geruch in der Luft. „Vanille ist besonders für säugende Jungtiere geeignet, um sie zu entwöhnen.“ Der Einsatz von fruchtigen Aromen erhöht die Akzeptanz des Futters, mögliche nicht wohlschmeckende Rohstoffe können so überdeckt werden. Etwa beim Raps: „Der ist als Tiernahrung sehr wertvoll, schmeckt aber sehr bitter. Da geht kein Tier freiwillig ran“, weiß Evert.

„Manchmal, wenn wir für Hunde- und Katzenfutter produzieren, riecht es in der Firma auch nach Fisch oder nach Käse“, sagt Evert und erschaudert: „In der hohen Konzentration ist das wirklich nicht angenehm.“ Dem Tierfutter beigemischt sei davon aber nichts zu merken.

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Intensiv duftet es auch im nächsten Raum – nach Tagetes. „Tatsächlich gibt es geografische Präferenzen in Eidotter-, Lachsfleisch- und Broilerhautfarben“, erklärt Evert und zeigt den NZ-Lesern die „Weltkarte des Eigelbs“ – mit Abstufungen zwischen Hellgelb und Dunkelorange. Aus dem natürlichen Farbstoff der Tagetesblüte kann ein Farbstoff gewonnen werden, der die Eidotterfarbe beeinflusst.

„Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass so etwas geht“, sagt NZ-Leserin Birgit Deppe, die an diesem Tag viel gelernt hat. „Von dieser Branche hört man sonst ja eher wenig“, sagt sie. „Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und erinnere mich noch an die Kälbermilch, die immer nach Pudding roch“, erzählt Rehwinkel. Der Wremer staunt: „Der Aufwand ist schon enorm. Wenn man bedenkt, dass man am Ende ein Schnitzel für zwei Euro kaufen kann…“