Die Linie 505 ist mit rund 25 Kilometern und 59 Haltestellen die längste Linie im Stadtnetz von Bremerhaven-Bus. Foto: Ruge
Die Linie 505 ist mit rund 25 Kilometern und 59 Haltestellen die längste Linie im Stadtnetz von Bremerhaven-Bus. Foto: Ruge

Kleiner Grenzverkehr auf der Buslinie 505

Ziemlich genau 25 Kilometer sind es von Debstedt bis an die südlichste Spitze Bremerhavens in Wulsdorf. Gut 75 Minuten dauert die Fahrt mit der Buslinie 505. Keine Weltreise, aber doch eine Reise durch ganz verschiedene Welten. Diese Multi-Media-Reportage zeigt, wie sich die Welt zwischen Debstedt und Wulsdorf Haltestelle für Haltestelle verändert. Doch wir lassen nicht nur die Zahlen sprechen. Auf der interaktiven Karte erzählen Menschen, die entlang der Buslinie 505 arbeiten, vom Leben im Stadtteil.

So alt sind die Menschen hier

Die Mitte zieht die älteren Menschen an. Nirgendwo ist der Anteil der Menschen im Rentenalter höher als zwischen Lloydstraße und Stadttheater. Hier wohnen die meisten älteren Menschen – sicher auch in den neuen Wohnungen in den Havenwelten. Am geringsten ist ihr Anteil übrigens im Kiez in Lehe. Da ist der Blick aufs Wasser wohl doch gefragter als das Rotlichtviertel ums Eck. Auffällig ist auch, dass in Debstedt weit weniger ältere Menschen wohnen als in Langen. Auch hier dürfte die zentrale Lage wohl die Älteren anziehen.

So viele Hartz-IV-Empfänger wohnen hier

Es ist die Statistik, die den Menschen in Bremerhaven und der Region seit Jahren Sorgen bereitet. Bei über 40 Prozent liegt der Bevölkerungsanteil der Hartz-IV-Empfänger zwischen Rickmersstraße und Pestalozzistraße. Keine Zahl drückt wohl prägnanter aus, dass es sich hier um einen sozialen Brennpunkt handelt. Ohne Hilfe vom Staat würde hier fast die Hälfte der Menschen nicht auskommen. Umso prägnanter sind die Vergleichswerte in Speckenbüttel (gerade mal bei 2,5 Prozent liegt hier der Anteil der Hartz-IV-Empfänger) oder in Langen (knapp 5 Prozent).

So viele Autos gibt es hier

Kaum zu glauben, aber auch hier sind die Unterschiede enorm. Je ländlicher die Gegend, desto mehr Fahrzeuge gibt es. Das zeigt sich besonders deutlich in Geestland, wo auf 1000 Einwohner 761 Fahrzeuge kommen. Auch in Speckenbüttel oder Wulsdorf stehen viele Autos vor der Tür. Ein ganz anderes Bild zeigt sich hingegen im Goethe-Quartier. Nur gut 200 Autos kommen hier auf 1000 Einwohner. Aber dafür ist hier auch die nächste Bushaltestelle nie weit entfernt. Im Fischereihafen sind die Zahlen übrigens nicht ganz aussagekräftig – und übersteigen die darstellbaren Werte. Hier kommen über 10.000 Autos auf 1000 Einwohner. Das liegt aber nicht an den knapp 200 gut betuchten Einwohnern hier, sondern an den zahlreichen Firmen und Fuhrparks im Fischereihafen, die das Ergebnis verzerren.

So hoch ist hier der Ausländeranteil

Man muss nicht lange suchen, um die Unterschiede zu erkennen. Mit über 40 Prozent ist fast jeder zweite Einwohner zwischen Kistnerstraße und Pestalozzistraße ein Ausländer. Das sieht man auch im Stadtbild dieses Teils von Lehe. Das Viertel ist so bunt wie seine Einwohner. Türkische oder bulgarische Supermärkte sind hier zu finden, portugiesische Cafés, aber auch ein guter alter deutscher Zeitschriftenkiosk. An der Haltestelle Parkstraße im Ortsteil Speckenbüttel – der ja ebenfalls zu Lehe gehört – ist der Wert mit 3,3 Prozent hingegen so niedrig wie sonst nirgends. Gerade mal acht Haltestellen oder zwölf Minuten Fahrt liegen zwischen diesen beiden Extremwerten.

Hier schlagen die Einbrecher besonders häufig zu

Wo die Häuser groß und die Schmuckstücke teuer sind, schlagen auch die Einbrecher besonders gerne zu. Kein Wunder, dass in Speckenbüttel – in Relation zur Bevölkerungszahl – besonders häufig das Brecheisen angelegt wird. Über zwölf Einbrüche pro 1000 Einwohner hat es hier im vergangenen Jahr gegeben. Ähnlich hohe Zahlen gab es auch im Fischereihafen und im Goethequartier. Sicherer können sich die Leute in Langen und Debstedt fühlen. Aber auch in den Havenwelten und zwischen Hauptbahnhof und Georg-Seebeck-Straße halten sich die Einbruchszahlen in Grenzen.

So treu sind die Menschen ihrem Stadtteil

Wer in Speckenbüttel oder Wulsdorf wohnt, der wird hier höchstwahrscheinlich bleiben. Denn nirgendwo wohnen die Menschen länger am Stück als hier. Ähnlich sieht es auch in Speckenbüttel aus: Über die Hälfte der Menschen in der Nähe der Haltestelle Parkstraße wohnen hier schon länger als zehn Jahre – im Goethequartier liegt der Anteil nur bei gut 30 Prozent. Angaben für die Stadt Geestland lagen hier leider nicht vor.

So viel verdienen die Menschen hier

Über Geld redet man nicht. Aber ein Blick auf die Einkommensstatistik zeigt die Unterschiede. Auch wenn die Daten schon etwas älter sind – neue Daten liegen noch nicht vor – zeigt die Grafik ein deutliches Bild. Der Ortsteil Speckenbüttel ist mit einem mittleren Einkommen von fast 50.000 Euro im Jahr klar an der Spitze. Ganz unten liegt – auch das war zu erwarten – das Goethe-Quartier mit etwas mehr als 16.000 Euro. Ansonsten ist auffällig, dass das Einkommen, je näher man in Richtung Süden kommt, stetig etwas ansteigt. Auf den Spitzenwert von Speckenbüttel kommt aber kein Ortsteil auch nur annähernd heran. Daten für Langen und Debstedt lagen leider nicht vor.


* Bushaltestellen mit diesem Symbol sind mehreren Stadtteilen zugeordnet. Die Haltestelle Pestalozzistraße gehört hier zum Ortsteil Goethestraße, die Haltestelle VHS zu Mitte-Süd.

Datenbasis: Magistrat der Stadt Bremerhaven, Stadt Geestland, Landesamt für Statistik Niedersachsen, Jobcenter Cuxhaven, Polizei Bremerhaven, Polizei Cuxhaven, Kraftfahrtbundesamt, Statistisches Landesamt Bremen, Arbeitnehmerkammer Bremen, eigene Berechnungen

Zur Kfz-Statistik: Die Daten für Langen/Debstedt basieren auf Zahlen zur Stadt Geestland / Quelle: Kraftfahrtbundesamt
Zur Einbruchsstatistik: Datenzeitraum: Langen/Debstedt Jahr 2015, Bremerhaven Mai 2015-April 2016

Autor: Marcel Ruge | Karten-Grafik: Lena Gausmann

Inspiriert von der Berliner Morgenpost„M29 – Berlins Buslinie der großen Unterschiede“