Beim Waldbaden mit Naturpädagoge Dirk Bliedtner (links) lernten die Leser, wie man mit Achtsamkeit die Natur ganz neu entdecken kann.
Beim Waldbaden mit Naturpädagoge Dirk Bliedtner (links) lernten die Leser, wie man mit Achtsamkeit die Natur ganz neu entdecken kann. | Foto: Brocks

Beim Waldbaden zur Ruhe kommen

„NZ+Ich“-Teilnehmer tanken im Erlebniszentrum Cuxhaven Kraft für den Alltag – Übungen für mehr Achtsamkeit

Cuxhaven. Silla Froese sitzt auf dem Waldboden und genießt mit geschlossen Augen die Sonnenstrahlen. Ein paar Meter weiter hat es sich Ehemann Kuddel auf einem Baumstamm gemütlich gemacht und ist in die Beobachtung eines Tannenzapfens versunken. In der Stille dringt das Vogelgezwitscher immer deutlicher ans Ohr, irgendwo knackt es. „Herrlich. Das sollte man öfter machen“, flüstert jemand ganz leise. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion im Erlebniszentrum „Freiräume Cuxhaven“ konnten zehn Abonnenten der NORDSEE-ZEITUNG bei Waldbaden und Yoga Abschalten und Kraft für den Alltag tanken.

„Inzwischen ist wissenschaftlich belegt, dass ein Aufenthalt im Wald den Blutdruck senkt, den Puls reguliert und Stresshormone abbaut“, erläutert Naturpädagoge Dirk Bliedtner. Die Japaner hätten das schon vor langer Zeit erkannt: Dort gehört das Naturerleben namens „Shinrin Yoku“ seit Langem zur Gesundheitsvorsorge, um Körper, Geist und Seele meditativ miteinander in Einklang zu bringen.

„Im Grunde spazieren wir einfach quer durch den Wald, aber besonders achtsam“, sagt Bliedtner. Er versucht, die Teilnehmer für die Schönheit der Natur zu sensibilisieren und leitet sie zu kleinen „Sinnesübungen“ an. „Ein Muss ist das natürlich nicht, jeder macht nur das, was er möchte“, beruhigt Bliedtner seine Gäste. Die überqueren wenig später alle schweigend eine Wiese, richten den Blick in die Weite und lauschen einmal ganz bewusst auf die Geräusche des Waldes. Anschließend regt Bliedtner alle dazu an, einen Gegenstand vom Boden aufzuheben, der ihnen besonders gut gefällt.

Zum Abschluss fassen alle mit geschlossenen Augen einen Baum an und erfühlen dessen Aussehen. „Wenn wir draußen sind, fühlen wir uns befreiter“, sagt der Naturpädagoge und rät allen, bewusst durchzuatmen und die frische Waldluft zu genießen. Man solle sich treiben und die Eindrücke auf sich wirken lassen. Er ist überzeugt: „Ein solcher Spaziergang kann wahre Wunder wirken, wenn man sich gestresst fühlt.“

Seele und Geist Gutes tun

Gestresst war zu diesem Zeitpunkt kein Teilnehmer der „NZ+Ich“-Aktion mehr – immerhin stand vorher Yoga auf dem Programm: „Yoga ist eine ganzheitliche Lebensphilosophie, die lehrt, dass der Körper, die Seele und der Geist des Menschen in Einklang gebracht werden können“, erklärt Lehrerin Manuela Bleeck. Es gehe darum, ein gutes Körpergefühl zu entwickeln und seine eigene Leistungsfähigkeit zu erfahren.

„Für einen Einstieg in die Yogapraxis bedarf es weder besonderer Beweglichkeit, noch bestimmter Vorkenntnisse“, erläutert die Expertin. Los geht es erst einmal mit Atemübungen. Ganz tief ein- und wieder ausatmen ist etwas, was man im normalen Leben viel zu selten macht. „Im Yoga gibt es keine richtige oder falsche Atmung, jeder atmet in seinem eigenen Rhythmus, so dass es ihm gut geht“, sagt Bleeck und betont: „Jeder Mensch ist einzigartig, und so viele Menschen wie es gibt, so viele unterschiedliche Atemrhythmen gibt es. Wichtig ist, dass man auf seinen Rhythmus achtet.“

An die eigenen Grenzen gehen

Anschließend stehen zahlreiche Übungen – sogenannte Asanas – auf dem Programm: „Geht immer nur an eure eigenen Grenzen“, sagt Bleeck. Die Regel lautet nämlich: Vergleiche dich nicht mit anderen. „Für die meisten Übungen ist es nicht relevant, wie stark man sich dehnen kann, sondern nur, dass man die Dehnung spürt.“

„Ich bin momentan ziemlich eingerostet. Daher hat das Yoga unglaublich gut getan“, sagt Silla Froese und lacht. Auch das Waldbaden habe ihr gefallen: „Ich gehe gerne in den Wald, traue mich alleine aber nicht, von den Wegen abzugehen. Das Waldbaden mit allen Sinnen war wirklich schön“ Ehemann Kuddel Froese ist begeistert: „Yoga in der Form habe ich noch nie gemacht. Das hat mir sehr gut gefallen“, sagt der 61-Jährige, der momentan einen Übungsleiterschein für den Gesundheitssport macht. Auch fürs Waldbaden kann er sich begeistern: „Ich fand es spannend, den Unterschied zwischen Nadel- und Laubwald so deutlich zu sehen und zu spüren.“