•Christine Glenewinkel (links) erzählte den NZ-Lesern Spannendes über Anbaugebiete, Zubereitung und Handelswege von Tee.
•Christine Glenewinkel (links) erzählte den NZ-Lesern Spannendes über Anbaugebiete, Zubereitung und Handelswege von Tee. | Foto: Foto: Brocks

Beim Tee den Lärm der Welt vergessen

Einige duften kaum, andere riechen blumig oder nussig, andere streng: Im Lager der Logistikfirma Berthold Vollers am Europahafen in Bremen lagern bis zu 4500 Tonnen Tee. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion erfuhren 14 Abonnenten der NORDSEE-ZEITUNG Wissenswertes über die Kulturgeschichte des Heißgetränks – und durften an zahlreichen Proben schnuppern.

„Wir haben in Deutschland einen Jahresverbrauch von 20 000 Tonnen Tee“, sagte Expertin Christine Glenewinkel. Das Lager in Bremen sei eines der größten in Deutschland. „Die schönen, alten Teekisten haben leider längst ausgedient.“ Heute wird die Ware in Säcken mit Aluminiumfolie exportiert. „Das ist gut fürs Aroma. Der größte Feind des Tees ist nämlich der Sauerstoff.“

Nach der Anlieferung wird der Tee geprüft, gereinigt und – ganz nach den Wünschen der Großkunden – gemischt oder mit Flüssigessenzen aromatisiert.

„Kräuter- und Früchtetees sind für Experten streng genommen ,Infusionen‘ und keine Tees“, erläutert Glenewinkel. Letztere stammen immer von der Tee-pflanze. Aroma und Güte werden durch Pflanze, Anbaugebiet, Klima und Verarbeitung bestimmt. „Der Zeitpunkt der Pflückung kann bei ein- und derselben Sorte zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.“ Was längst nicht alle wissen: „Nur der Verarbeitungsprozess entscheidet, ob ein Tee grün bleibt oder schwarz wird.“ Während schwarzer Tee an feuchtwarmer Luft fermentiert wird, wird Grüntee wärmebehandelt.

„Um die Entdeckung des Tees ranken sich viele Mythen“, erzählt Glenewinkel. Die wohl Bekannteste: Ein chinesischer Kaiser trank vor mehreren tausend Jahren im Garten heißes Wasser. Da wehte der Wind ein Blatt in das Wasser, welches sich golden färbte und lieblich schmeckte. Der Tee war erfunden.

Tee ist nach Wasser das weltweit am häufigsten konsumierte Getränk. Durchschnittlich wird zweimal so viel Tee getrunken wie Kaffee“, weiß Glenewinkel. Die enthusiastischsten Teetrinker der Welt leben dabei in Ostfriesland, wo jeder Einwohner laut Statistik bis zu 300 Liter pro Jahr trinkt. Dabei ist bereits die Zubereitung eine Kunst, die auch die „NZ+Ich“-Teilnehmer erlernten. Die Zeremonie beginnt mit dem Geräusch des „Kluntje“, eines Kandis-Brockens, der hörbar knackt, wenn der heiße Tee eingeschenkt wird. Anschließend geben die Ostfriesen mit einem Löffel Sahne an den Rand der Tasse. „Natürlich entgegen dem Uhrzeigersinn, damit einem die Zeit nicht davonläuft.“ In Ostfriesland schätzten sie eben, was schon der chinesische Gelehrte T’ien Yiheng wusste: „Man trinkt den Tee, um den Lärm der Welt zu vergessen.“

„Dem kann ich absolut zustimmen“, sagt Leser Claus Uhde, der das Aufgießen des Tees als etwas sehr Beruhigendes empfindet. „Ich trinke Tee, seit ich denken kann, und komme an den Konsum der Ostfriesen auf jeden Fall heran.“ Auch Sigrid und Erika Lange sind Tee-Fans: „Wir waren sogar schon einmal in Indien. Trotzdem haben wir heute viel Neues gelernt.“