NZ-und-Ich-Aktion: Zu Besuch und Schnack mit Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz und NZ-Abonenten. | Foto: Hartmann

Auf ein Wort, Herr Grantz …

Bremerhavens Oberbürgermeister beantwortet bei einer exklusiven „NZ+Ich“-Aktion Leserfragen


Bremerhaven.
Um zu entspannen und die Pfunde loszuwerden, die ihn plagen, seitdem er nicht mehr raucht, geht Melf Grantz gemeinsam mit seiner Frau gerne schnellen Schrittes spazieren oder wandern. Die Frage nach seinen Hobbys war nur eine, die der Oberbürgermeister bei einer „NZ+Ich“-Aktion beantwortete. Zwei Stunden ließ er sich in seinem Büro von zehn NZ Abonnenten „löchern“. Ein Auszug der Fragen und Antworten.

Ich ärgere mich über den Wildwuchs in der „Bürger“: Dort ist kein Durchkommen, weil überall Aufsteller mit Waren und vergammelte Pflanzen stehen. Es war doch bereits für Sommer 2019 ein neues Konzept vorgesehen. Bislang ist aber nichts passiert. Wann können wir endlich damit rechnen, dass die „Bürger“ wieder vorzeigbar wird? Es herrscht Uneinigkeit zwischen der zuständigen Dezernentin Frau Dr. Ehbauer und den politischen Verantwortlichen im Bauausschuss, die das Thema eigentlich weiter bearbeiten müssen. Ich weiß nicht, ob Frau Dr. Ehbauer das Thema zu Ende bringen wird. Allerdings vermute ich, dass sie das heiße Eisen nicht mehr anpacken wird, so dass Herr Schomaker sich diesem Thema gleich relativ zügig anzunehmen hat. In einigen Bereichen, das sehe ich auch so, steht Schrott und der gehört abgeräumt. Ich bin aber auch der Meinung, dass man Kompromisse finden muss, damit es nicht zu langweilig ausschaut.

NZ-und-Ich-Aktion: Zu Besuch und Schnack mit Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz und NZ-Abonenten. Foto: Hartmann

Wir haben in Lehe ein erhebliches Müllproblem. Warum gibt es dort nur Gelbe Säcke und keine Tonnen? In Groningen, London und in der Bremer Überseestadt gibt es sogar Kavernen, also unterirdische Sammelplätze. Da kann nichts durch die Straßen fliegen und auch Möwen und Krähen können nichts zerrupfen. Wäre das nicht auch eine Lösung für Bremerhaven? Ich möchte eines ketzerisch vorwegsagen: Diejenigen, die herummüllen, sind die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt. Wir haben bereits eine Task-Force, die bemüht ist, illegale Kleinstmüllkippen schnellstmöglich zu beseitigen. Das kostet der Allgemeinheit viel Geld. In den Bezirken, in denen es bessere Unterstellmöglichkeiten gibt, haben wir Tonnen – aber nicht überall gibt es dafür Platz. Daher geht man davon aus, dass der Gelbe Sack in einigen Vierteln die bessere Alternative ist. Wenn es in einer Straße Tonnen und Säcke gäbe, müsste die BEG eine getrennte Abfuhr vornehmen. Das geht auch nicht. Ich persönlich glaube, dass Kavernen nicht helfen würden. Immerhin gibt es Menschen, die ihren – ich muss das jetzt einmal genau so sagen – Scheiß aus dem Fenster werfen. So viele Gruben auszuheben kostet zudem unheimlich viel Geld – und auch das fällt nicht vom Himmel, sondern würde auf die Müllgebühren umgelegt werden. Ich glaube, dass Sozialkontrolle ein wichtiger Faktor ist: Müllsünder sollte man ansprechen und auch anzeigen. Wir werden das Problem weiter beobachten. Solche Investitionen, wie Sie sie vorschlagen, sehe ich im Moment aber nicht.

NZ-und-Ich-Aktion: Zu Besuch und Schnack mit Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz und NZ-Abonenten. Foto: Hartmann

Fahren Sie manchmal selbst durch die Stadt und beobachten, wie gut oder schlecht die grüne Welle auf den Hauptverkehrsstraßen funktioniert? Ich ärgere mich immer wieder, dass meine Fahrt so oft unterbrochen wird. Das ist doch auch nicht gut für den Klimaschutz. Viele sprechen sich für Klimaschutz aus. Dann aber heißt es, wie bei Ihnen auch: „Ich als Autofahrer will eine grüne Welle“. Für die Unterbrechung der grünen Welle aber gibt es gute Gründe. Sie kommt an einigen Stellen zum Tragen, damit die Busse Kreuzungsbereiche besser überwinden können und schneller vorankommen. Zudem können wir so besonders unfallträchtige Stellen entschärfen. Ich persönlich glaube, dass wir uns in Städten wie Bremerhaven neu darüber verständigen müssen, wem wir welchen Platz im öffentlichen Raum zur Verfügung stellen wollen. Wir haben bisher eine fast vollständig einseitige Ausrichtung zugunsten der Autofahrer. Ich denke aber, dass wir viel mehr für Fahrradfahrer und Fußgänger tun müssen. Ich bin dafür, dass man, wenn es an Kreuzungsbereichen etwas zu tun gibt, kritisch hinschaut, ob es wirklich zwei Abbiegespuren in jede Richtung braucht oder ob man mehr für die Sicherheit von Radfahrern und Fußgängern herausholen kann.

Wir gehen mit großen Schritten auf die Sail zu. Wäre es nicht Zeit, eine Straße nach Hennig Goes zu benennen? Ich habe Hennig Goes ausgesprochen geschätzt und war auch mit ihm befreundet und hätte nichts gegen eine Straße mit seinem Namen. Allerdings gibt es kaum neue Straßen und eine sehr lange Liste mit Vorschlägen, auf der etwa auch unser Ehrenbürger Helmut Schmidt, der aus Bremen stammende Hans-Dietrich Genscher sowie meine Vorgänger Werner Lenz und Karl Willms stehen. Zudem gibt es immer noch einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, demzufolge Frauen bei der Wahl der Straßennamen bevorzugt werden, weil es überproportional viele Straßen mit Männernamen gibt. Ich glaube aber, dass wir irgendwann eine Möglichkeit finden werden, um Hennig Goes zu ehren. (akb)