Schiffsführer Sayim Gemalmaz lässt sich beim Anlegemanöver ausnahmsweise mal über die Schulter schauen. Passagiere der Weserfähre haben normalerweise keinen Zutritt zur Brücke. | Foto: Brocks

Am Anleger geht’s ums Gefühl

Zwölf Minuten, so lange dauert die Fährfahrt laut Fahrplan. 15 „NZ+Ich“-Teilnehmer fuhren gleich mehrfach von Bremerhaven nach Blexen und zurück.

Den Sitz auf der Brücke kann Schiffsführer Sayim Gemalmaz mit einem Klick um 180 Grad drehen. Da das Schiff nicht wendet, gibt es je Fahrtrichtung eine Steuereinheit mit zahlreichen Geräten, Knöpfen und Anzeigen. „Eigentlich fährt die Fähre fast von allein“, erklärt Jörg Stelter, nautisch-technischer Inspektor der Weserfähre, und lacht. Der Kapitän muss nur selten eingreifen, vor allem beim Ab- und Anlegen. Wann es Zeit ist, die Maschinen zu stoppen und wie nah er an den Anleger heranfahren kann, das entscheidet der Schiffsführer „nach Gefühl“ – sehr zum Erstaunen der NZ-Leser: „Ich dachte, dass es dafür auch eine Anzeige gibt“, sagt Dörte Riggers.

„Wir können fast immer fahren“, antwortet Kapitän Sayim Gemalmaz auf die Frage einer Leserin. Nur bei Hochwasser von mehr als zwei Metern über dem normalen Pegel bleiben die Fähren vertäut: „Dann kommen wir nicht vom Anleger weg.“ Nebel dagegen sei selten ein Problem: „Dafür haben wir Radar“, erklärt der Schiffsführer und zeigt auf den Bildschirm in der Mitte der Steuerkonsole, auf dem er zwischen einer Seekarte und dem Radarbild umschalten kann. Darauf kann er die Schiffsbewegungen in seinem Umfeld erkennen. „Die Fähre ist ja nur ein kleiner Punkt“, staunt Dörte Riggers: „Ich würde auf dem Radar wohl nichts erkennen.“ Ähnlich geht es Sohn Torge: „Auf der Brücke war ich noch nie, das ist total spannend. Das letzte Mal bin ich als Kind mit der Fähre unterwegs gewesen“, so der 32-Jährige. „Man fährt mit der Fähre hin und her und weiß gar nicht, was alles dazugehört“, sagt Reinhard Preuk, der sich alles genau anschaut: „Ich finde es interessant, wie die Technik ineinander spielt.“

Wenig später geht es ein paar Stufen hinab, und schon steht die Gruppe im Motorraum: Die „Bremerhaven“ wird von zwei 1200 PS starken Motoren angetrieben. „Damit erreichen die Fähren Geschwindigkeiten von bis zu 15 Knoten“, sagt Stelter. „Wir haben erst vergangene Woche neue Motoren bekommen.“ Rund 850 000 Liter Treibstoff verbraucht die „Bremerhaven“ pro Jahr. Ende des Jahres soll – wie schon bei der „Nordenham“ – auf „Gas to liquid fuel“ (GTL) umgestellt werden. Der schwefelfreie Treibstoff soll die Fähre ohne Rußschwaden über die Weser bringen. „Die Maschine mal im Betrieb zu sehen und zu hören…“, freut Eike Behre, der früher Flieger bei der Bundeswehr war: „Ich interessiere mich sehr für Technik“.