•Ein Knopfdruck reicht nicht aus: Heiner Behrens (links) zeigte den „NZ+Ich“-Teilnehmern den Steuerstand der Klappbrücken.
•Ein Knopfdruck reicht nicht aus: Heiner Behrens (links) zeigte den „NZ+Ich“-Teilnehmern den Steuerstand der Klappbrücken. | Foto: Brocks

Alte Technik, die begeistert

Mitte. Ein lauter Signalton erklingt. Die rot-weiße Schranke senkt sich über die Straße. Wenig später hebt sich langsam die grüne Klappbrücke am Verbindungskanal zwischen Altem und Neuem Hafen. „Cool, ich hätte nicht gedacht, dass das funktioniert“, sagt Jakob Ströhlein und lacht. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion konnte der Zwölfjährige gemeinsam mit fünf weiteren Abonnenten der NORDSEE-ZEITUNG einen Blick in das Maschinenhaus an der Hermann-Henrich-Meier-Straße werfen – und mitverfolgen, wie die Klappbrücken geöffnet werden.

„Die Bedienung ist nicht ganz einfach“, sagt Heiner Behrens von der Bremerhavener Entwicklungsgesellschaft Alter/Neuer Hafen. Ein einfacher Knopfdruck reiche nicht aus, um die „alte Dame“ in Bewegung zu bringen. Die ist immerhin bereits seit 1928 in Betrieb. „Früher wurde die Zufahrt zu jedem Hafenbecken durch eine Schleuse geregelt“, erzählt Behrens.

Nach fast hundertjähriger Betriebszeit sah man sich in den zwanziger Jahren dann gezwungen, einen Ersatz für die Schleuse Alter Hafen zu bauen. „Da ein Neubau an gleicher Stelle eine mehrjährige Stilllegung und Unzugänglichkeit des Alten Hafens zur Folge gehabt hätte, ein Neubau an anderer Stelle aufgrund der vorhandenen Bebauung aber auch nicht möglich war, wurde die Lösung ersonnen, einen Verbindungskanal zwischen dem Alten und dem Neuen Hafen herzustellen“, erzählt Behrens, der die Technik der „alten Dame“ gut kennt: Sowohl die Steuerhäuser als auch die Brücken seien mitsamt der historischen Antriebstechnik weitestgehend im Zustand von 1928 erhalten. „Nur die Kabel haben wir zur Sail 2015 erneuert.“

„Es handelt sich um Klappbrücken nach dem Scherzer-System, deren Besonderheit darin liegt, dass die Brücke nicht über ein zentrales Lager gedreht wird, sondern sich wie ein Turner, der eine Kerze macht, quasi über den Rücken abrollt“, erklärt Behrens. Weil im Brückenportal ein Betongegengewicht angeordnet sei, müssten die Elektromotoren nur relativ wenig Gewicht bewegen. „Theoretisch kann man die Brücke sogar von Hand aufkurbeln.“ Das dauere etwa 20 Minuten.

„Wir würden dann jetzt starten“, meldet Brückenführer Dennis Boenisch über Funk und dreht an einem der lenkradgroßen Regler auf dem Instrumentenpult. Im Obergeschoss erfüllt ein Brausen die Luft, und der Boden beginnt leicht zu vibrieren: Ein Stock tiefer produziert ein Generator aus dem Wechselstrom des Stromnetzes den Gleichstrom für die alten Motoren des Wasserbauwerks.

Foto: Brocks
Im Untergeschoss des Maschinenhauses beginnen sich riesige Zahnräder zu drehen. Ächzend und in Zeitlupe hebt sich die Fußgängerbrücke. Als Nächstes ist die Straßenbrücke an der Reihe: Kurz bevor es losgeht, informiert Boenisch die Feuerwehr über die Sperrung der wichtigen Zufahrtsstraße. Durch einen Tastendruck schließt er die Schranke, dann dreht er wieder an einem Stellrad. Die Brücke hebt sich – und fast 30 Motoryachten und Schiffe gleiten vom Neuen in den Alten Hafen.

„Das sieht fast aus wie eine Kommandobrücke auf einem Schiff“, sagt Axel Stegmann. Nur dass die Technik nicht ganz so modern sei. „Ich hätte mit mehr Knöpfen und Joysticks gerechnet“, sagt Uwe Steffens, der sich für alte Technik begeistert. „Ich bin erstaunt, dass hier alles noch funktioniert wie damals. Wenn heutzutage etwas gebaut wird, muss das doch spätestens nach 20 Jahren ausgetauscht werden.“

Besonders groß ist die Neugier bei Jakob Ströhlein. Mit großer Begeisterung schaut sich der zwölfjährige Schüler alles an und möchte die Funktion jedes noch so kleinen Hebels und Schräubchens kennenlernen: „Ich finde das total spannend, was man alles tun muss, damit sich die Brücke öffnet. Ich dachte allerdings, dass hier mehr Computer stünden. Aber dass alles so alt ist, macht es viel spannender“. „Auf den ersten Blick sieht hier alles aus wie in einem Museum“, sagt Jakobs Vater Martin Ströhlein: „Dass das tatsächlich funktioniert, hat mich überrascht. Ich finde es aber auch beeindruckend.“