Sport

Füllkrug trifft - Deutschland wahrt Chance aufs Achtelfinale

Das war ein starker WM-Auftritt der deutschen Nationalmannschaft. Im zweiten Gruppenspiel gegen Spanien holte die DFB-Elf ein 1:1, das die Chance aufs Achtelfinale erhält. Werder-Bremen-Stürmer Niclas Füllkrug erzielte das Tor.

Niclas Füllkrug traf zum 1:1 für Deutschland.

Niclas Füllkrug traf zum 1:1 für Deutschland.

Foto: Michael/dpa

Füllkrug und Costa Rica halten die deutsche Mannschaft im Spiel um das Achtelfinale der WM. Der Bremer Mittelstürmer erzielte mit einem sehenswerten Tor den 1:1-Ausgleich gegen eine gute spanische Mannschaft und Costa Rica hatte schon am Nachmittag mit einem 1:0 gegen Japan den Deutschen die Tür offengehalten.

Durch Füllkrugs spätes Tor in der 83. Minute bestand die DFB-Elf den Charaktertest gegen den großen Gegner Spanien. „Das Wichtigste ist: wir leben noch“, sagte Kapitän Manuel Neuer. Bundestrainer Hans Flick verteilte großes Lob an seine Spieler: „Es ist gigantisch, was die Mannschaft geleistet hat. Ich bin wirklich stolz.“ Doch das Zittern ist für Deutschland nicht vorbei. Nach dem hart erarbeiteten Remis muss für den Einzug ins Achtelfinale am Donnerstag gegen Costa Rica unbedingt der erste Sieg in Katar her.

Gegen Spanien war es der erwartet heiße Fight. Noch ehe sich die Formationen auf dem Rasen sortiert hatten, zeigten die Spanier in der 7. Minute, wie zielstrebiger Fußball funktioniert: Nach einer Ballstafette durch die deutsche Abwehr zog Dani Olmo von der Strafraumkante ab, Manuel Neuer konnte mit einer Glanzparade das Spielgerät gerade noch an die Latte lenken. Was für ein Auftakt in einem Spiel, das hielt, was es versprach. Die 68.895 Zuschauern, in der Mehrheit auf spanischer Seite, wurden von Anfang an bestens unterhalten.

Bundestrainer Flick hatte mit zwei Veränderungen auf die Niederlage gegen Japan reagiert: Anstelle von Nico Schlotterbeck kehrte Niklas Süle in die Innenverteidigung zurück, seine Planstelle außen besetzte Thilo Kehrer. Außerdem installierte Flick eine Doppelsechs, neben Joshua Kimmich agierte der neu ins Team gekommene Leon Goretzka.

Spanien presste früh und spielte ballsicherer, Deutschland versuchte, mit Engagement die Mängel im Aufbauspiel zu beheben. Die erste gute deutsche Chance hatte Serge Gnabry in der 25. Minute, sein Schuss strich knapp am Tor vorbei. Als sich die Deutschen auf das hohe Pressing der Spanier eingestellt hatten, waren sie Mitte der ersten Halbzeit auf Augenhöhe mit den technisch brillant agierenden Spaniern. Nach 40 Minuten jubelten die Deutschen, Kimmich hatte einen Freistoß nach innen auf den Kopf von Antonio Rüdiger gezogen, das Spielgerät lag im Tor, aber Rüdiger hatte knapp im Abseits gestanden.

Morata bringt Spanien in Führung

Die Spanier hatten zur Halbzeit 68 Prozent Ballbesitz bei leichten Vorteilen in der Zweikampfquote für die Deutschen - damit ist das Spiel weitgehend beschrieben. Deutschland spielte limitierter, aber mit Herz und Mumm, Spanien mit Disziplin, Geduld und Kreativität.

Nach Wiederanpfiff pressten die Deutschen hoch, was den Spaniern überhaupt nicht behagte. Doch alle Hoffnungen der DFB-Elf waren nach 62 Minuten dahin, Jordi Alba ließ sich von Thilo Kehrer nicht bei der Flanke stören und Alvaro Morata nicht von Niklas Süle, dem die richtige Position zur Abwehr fehlte. 1:0 für den Favoriten.

Hansi Flick reagierte nach 70 Minuten, Müller, Kehrer und Gündogan mussten vom Platz, Lukas Klostermann, Leroy Sané und Füllkrug sollten es richten. Der Bremer hatte nach fünf Minuten bereits zwei Torchancen auf dem Konto, doppelt so viel, wie der enttäuschende Müller. Das Tor hätte aber Jamal Musiala schießen können und müssen, doch freistehend scheiterte er an Torhüter Unai Simon. Ein Pass auf den freien Füllkrug wäre die bessere Option gewesen.

Überhaupt Füllkrug. Der Mittelstürmer zeigte, was der deutschen Mannschaft bisher gefehlt hat: Kaltschnäuzigkeit im Abschluss. Wie er nach 83 Minuten aus spitzem Winkel den Ball zum 1:1 ins lange Eck nagelte, war grandios. „Geil reingekommen. Genau dafür ist er dabei“, lobte Müller den Kollegen. Leroy Sané hatte in der Schlussminute sogar das 2:1 auf dem Fuß. Das 1:1 ist dennoch ein verdientes Ergebnis und erhöht die Chancen der Deutschen aufs Achtelfinale. „Wir können jetzt mit einem guten Gefühl ins letzte Spiel gehen und hoffen, dass alles gut ausgeht“, sagte Füllkrug mit Blick auf das dritte Gruppenspiel.

Kommentar von Wolfgang Stephan

Was für ein Spiel, was für ein Tag. Dank des Sieges von Costa Rica gegen Japan musste die deutsche Mannschaft nicht unbedingt gewinnen. Aber sie spielte wie eine Mannschaft, die gewinnen will. Mit seiner Aufstellung lag Hansi Flick diesmal richtig, er legte Wert auf ein stabiles Mittelfeld mit Ilkay Gündogan in der offensiveren Rolle. Spanien spielt nicht mehr den klassischen Tiki-Taka-Fußball, aber immer noch einen Fußball, der jederzeit von einer Flamenco-Gitarre untermalt werden kann. Technisch brillant, schnell, kreativ und mit einem Schuss Poesie garniert. Die Frage, ob Deutschland mit den Großen des Weltfußballs mithalten kann, ist mit dem verdienten 1:1 teilweise beantwortet worden. Ja, sie können es, wenn sie mit Kampfgeist und Mumm die Schwächen in der Defensive wettmachen, aber die sind vorhanden, keine Frage. Aber es gibt Hoffnung: Niclas Füllkrug, mit ihm kam die Wende. Er hat gezeigt, was Deutschland bisher gefehlt hat: ein Mittelstürmer.

Wolfgang Stephan

Autor

Wolfgang Stephan, Jahrgang 1954, geboren in St. Martin/Pfalz ist seit 2001 Chefredakteur im Pressehaus in Stade. Neben dem Redaktions-Management beschäftigt sich der Journalist vor allem mit Themen aus der Politik und Wirtschaft. Und: Seit 2006 ist Wolfgang Stephan als Fußballreporter bei allen großen Turnieren für die Redaktionsgemeinschaft Nordsee dabei.

0 Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Newsletter NEWSLETTER

Alle wichtigen Nachrichten und die interessantesten Ereignisse aus der Region täglich direkt in Ihr E-Mail-Postfach. Mit Empfehlung aus der Redaktion.

PASSEND ZUM ARTIKEL
zur Merkliste

Lokalsport Bremerhaven & Cuxland

Urgestein Tjark Seidenberg bleibt Trainer beim FC Hagen/Uthlede
nach Oben