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Tierschutz Langen pflegt Kater aus der Ukraine

Puschel ist ein Kriegsopfer. Seine Besitzer flohen vor dem russischen Angriff aus der Ukraine und nahmen den sechsjährigen Kater mit. Als Folge der Flucht leidet er unter einer chronischen Blasenentzündung und ist derzeit beim Tierschutz Stadt Langen und Umgebung untergekommen, der sich um ihn kümmert – und für seine Behandlung aufkommt.

Puschel hat derzeit ein liebevolles Zuhause bei Ingrid Domhardt vom Tierschutz gefunden.

Puschel hat derzeit ein liebevolles Zuhause bei Ingrid Domhardt vom Tierschutz gefunden.

Foto: Bohn


„Seit dem 18. April ist Puschel bei uns“, sagt Ingrid Domhardt, erste Vorsitzende des Vereins. Die Besitzer des Katers, ein ukrainisches Ehepaar um die 50 Jahre aus Kiew, hat nach ihrer Flucht noch kein neues Zuhause und konnte das Tier nicht behalten. Die Ukrainer sind derzeit mit fünf anderen Geflüchteten in einer kleinen Wohnung untergebracht.

Einreise war für Kater Puschel kein Problem

Die Einreise war kein Problem, denn Puschel erfüllte alle EU-Anforderungen inklusive Schutz gegen Tollwut: Er hat alle nötigen Papiere, einen internationalen Impfausweis und ist gechipt. Aber die Flucht hat ihm zugesetzt: „Wahrscheinlich durch den Stress und die zweitägige Flucht hat das Tier eine Blasenentzündung bekommen“, erzählt Domhardt. Sie sei sofort mit Puschel zum Tierarzt gegangen. „Doch bei dieser einen Behandlung blieb es nicht“, sagt die Vereinsvorsitzende und legt einen Stapel Rechnungen vor. Denn immer wieder gab es Komplikationen, unter denen der Kater litt.

Schon ohne die Schwierigkeiten mit der Blase habe es das Tier nicht einfach, sagt Domhardt mitleidig: „Es handelt sich um eine amerikanische Dackelkatze, eine Katze mit extrem kurzen Beinchen. Es ist eine Qualzucht.“ In Deutschland dürfe diese Katzenart nicht gezüchtet werden.

Bisher mehr als 2600 Euro an Behandlungskosten

2664,47 Euro sind bisher für die Behandlungen, darunter ein Aufenthalt in der Tierklinik Bremen, zusammengekommen – viel Geld für den kleinen Langener Verein mit seinen 100 Mitgliedern, der gerade sein 25-jähriges Bestehen gefeiert hat. „Ich habe mich auch schon an die Stadt Geestland gewandt und um einen Zuschuss gebeten. Doch die Stadt konnte leider nicht helfen“, bedauert Domhardt. Sie hofft jetzt, dass sich vielleicht private Spender finden, die dem Verein etwas spenden.

Eines steht für sie aber schon fest: Sollte der Kater nicht zu ihren Besitzern zurückkehren können, will sie sich um ihn kümmern. Immerhin hat er in ihrem Haus schon ein eigenes Zimmer. „Vermitteln wollen wir ihn nicht“, sagt Domhardt und streichelt Puschel liebevoll.

Der Kater ist bisher das einzige Tier aus der Ukraine, das der Tierschutz Langen und Umgebung aufgenommen hat. „Soweit ich weiß, ist es auch das einzige Tier im Cuxland“, sagt Domhardt.

Christoph Bohn

stellv. Redaktionsleiter SONNTAGSjOURNAL

Christoph Bohn (Jahrgang 1968) ist in Bremerhaven geboren und im Cuxland aufgewachsen. Er hat in Bremen Wirtschaftswissenschaft und Politik studiert und ist Diplom-Ökonom. Nachdem er zweieinhalb Jahre als Controller beim Hanstadt Bremischen Hafenamt gearbeitet und nebenbei schon frei als  Journalist für die NORDSEE-ZEITUNG gearbeitet hatte, entschloss er sich zu einem Volontariat (1998-2000). Danach fing er als Redakteur beim SONNTAGSjOURNAL an (Schwerpunkte: Wirtschaft und Landkreis Cuxhaven).

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