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Stromspar-Checkerin verrät: So lässt sich der Verbrauch reduzieren

Glühbirnen sucht man in der Wohnung von Luisa Wendel-Neue vergeblich. Alle Lampen sind mit energiesparenden Leuchtmitteln ausgestattet. Auch sonst wird mit Strom geknausert, wo es nur geht – unter anderem mit abschaltbaren Steckerleisten und Messgeräten. Wohl eine Berufskrankheit: Die 58-Jährige ist nämlich so etwas wie eine professionelle Energiesparerin.

Auch der Einbau sogenannter Perlatoren zum Wassersparen, die Luisa Wendel-Neue hier zeigt, gehört zum Stromspar-Check dazu.

Auch der Einbau sogenannter Perlatoren zum Wassersparen, die Luisa Wendel-Neue hier zeigt, gehört zum Stromspar-Check dazu.

Foto: van Veenendaal


Luisa Wendel-Neue sorgt nicht nur in ihren eigenen vier Wänden für möglichst wenig Ressourcenverbrauch. Sie hilft auch anderen Menschen dabei, die Umwelt zu schonen und dabei auch noch weniger Geld auszugeben. Die Energie-Expertin arbeitet beim Förderwerk Bremerhaven als Fachanleiterin für den Stromspar-Check. Bei diesem Projekt wird einkommensschwachen Haushalten gezeigt, wie sie – der Name sagt es schon – Strom sparen und sich klimaschonend verhalten können. „Die Beschäftigten des Förderwerks sind selbst Langzeitarbeitslose und können daher auf Augenhöhe beraten“, ist sich Wendel-Neue sicher.

Stromspar-Checker kommen dreimal zu Besuch

Neun Stromspar-Checker sind aktuell in Bremerhaven und im Cuxland unterwegs, um Elektrogeräte unter die Lupe zu nehmen. Gemeinsam mit zwei anderen Anleitern hat Wendel-Neue ihnen beigebracht, wie das geht. Wer sich beim Förderwerk für den Check anmeldet, bekommt insgesamt dreimal Besuch.

Jedes Leuchtmittel in Luisa Wendel-Neues Wohnung ist ein Energiesparmodell.

Jedes Leuchtmittel in Luisa Wendel-Neues Wohnung ist ein Energiesparmodell.

Foto: van Veenendaal

Beim ersten Treffen, das maximal eineinhalb Stunden dauert, wird erst einmal eine Bestandsaufnahme gemacht: Welche Geräte gibt es in dem Haushalt? Von der Beleuchtung über TV, Playstation und Computer bis zu hin den weißen Geräten, sprich Waschmaschine, Kühlschrank, Trockner, Truhe und Herd, wird alles erfasst. Und nicht nur das: „Hierbei bauen wir auch schon pauschal Perlatoren in die Wasserhähne ein und legen ein Thermometer in den Kühlschrank“, berichtet Wendel-Neue. Dies seien schon einmal kleine Maßnahmen mit großem Effekt: Mit Perlatoren – das sind Armaturenaufsätze, die dem Wasser Luft beimischen – kann man den Verbrauch um die Hälfte drosseln. Das Thermometer im Kühlschrank hilft dabei, die Temperatur dort zu kontrollieren. 8 Grad seien kalt genug, meint sie. Jedes weitere Grad koste unnötig Energie.

Haben die Stromspar-Checker alle Geräte erfasst, geht es zurück ins Büro. Dort werden alle Infos in eine Datenbank eingegeben. „Das Programm spuckt dann einen Bericht mit Handlungsempfehlungen aus. Außerdem wird eine Prognose abgegeben, wie viel Ressourcen und Geld eingespart werden können, wenn man den Tipps folgt“, erläutert sie. Beim zweiten Besuch schreiten die Mitarbeiter des Förderwerks dann zur Tat – und bringen dafür volle Taschen mit. Darin enthalten sind unter anderem eine Zeitschaltuhr (nimmt Geräte bei Nichtnutzung vom Netz und umgeht den Stand-by-Modus) ein Nachtlicht mit Minimal-Verbrauch (verhindert, das beim nächtlichen Toilettengang das große Licht angemacht wird), mehrere energiesparende LED-Leuchtmittel, eine abschaltbare Steckerleiste und ein Zwischenschalter (ebenfalls, um den Stand-by-Modus beispielsweise der Kaffeemaschine zu vermeiden) und ein Sparduschkopf. All das gibt es kostenlos.

Mitarbeiter zeigen auch, wie Klimaschutz im Alltag geht

Und das ist noch nicht alles. Im Rahmen des Stromspar-Checks wird gleichzeitig die Aktion „Klimaschutz im Alltag“ umgesetzt. Ein Projekt im Projekt sozusagen. Auch hierfür bringen die Helfer vom Förderwerk Geschenke mit: eine Karaffe, um die Nutzung von Leitungswasser (benötigt keine Verpackung und keinen Transport) schmackhaft zu machen, eine wiederverwendbare Einkaufstasche, ein Gemüsenetz und viel Infomaterial.

Bei beiden Terminen wird natürlich ebenfalls über den umweltschonenden Umgang mit Ressourcen aufgeklärt – und zwar am konkreten Fallbeispiel. „Wir kommen manchmal in Haushalte, in denen nur eine Person lebt, wo aber ein riesiger Kühlschrank vorhanden ist. Und der ist dann auch nur zu einem Drittel befüllt“, berichtet Wendel-Neue. „Wir raten dann dazu, wenigstens PET-Flaschen mit Wasser zu befüllen und den freien Platz damit zu belegen. Was Strom kostet, ist nämlich die Luft, die gekühlt werden muss“, erklärt sie. Hilfestellung gibt es zudem in puncto umweltschonende Programme für Wasch- und Spülmaschine, Dosierung von Reinigungsmitteln sowie zum Thema richtiges Lüften und Heizen.

Im Schnitt 200 bis 300 Euro Ersparnis pro Jahr

All diese Tricks und Kniffe kommen nicht nur der Umwelt zugute, sondern zahlen sich auch in bare Münze aus, versichert Wendel-Neue. „Nach einem Jahr, wenn die nächste Abrechnung kommt, möchten wir zum dritten Mal zu Besuch kommen“, sagt sie. Es gehe dabei um das Monitoring, also um die Frage, was das Ganze gebracht hat. „Im Schnitt sparen die Haushalte 200 bis 300 Euro pro Jahr ein. Und das, ohne an Luxus zu verlieren“, betont sie.

6000 Haushalte hätten in Bremerhaven und im Kreis Cuxhaven schon das Angebot genutzt. „Das ist zwar viel, da ist aber noch Luft nach oben“, meint Wendel-Neue. Wer an einer Teilnahme interessiert ist, hat noch ein paar Monate Zeit: Das Projekt läuft bis März 2023.

Susanne van Veenendaal

Reporterin

Susanne van Veenendaal (Jahrgang 1975) ist in Bremerhaven geboren und im Cuxland aufgewachsen. In Berlin hat sie Politik, Psychologie und Erziehungswissenschaften studiert. Nach einem Volontariat bei der NORDSEE-ZEITUNG ging sie zum SONNTAGSjOURNAL. Dort gehört sie seit 2008 zum Team.

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