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Prostituiertenmorde: Hinweise auf „Tatmittel“ erhofft

„Wir geben nicht auf“, sagt Kriminalhauptkommissar Rainer Brenner. Die Ermittlungsgruppe Cold Case der Polizeiinspektion Cuxhaven sucht weiterhin den mutmaßlichen Mörder der Prostituierten Vanessa Wardelmann und Anja Witt. Nach der Ausstrahlung des Falls in der Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ am Mittwochabend erhoffen sich die Ermittler weitere Hinweise aus der Bevölkerung. Am Abend gab es schon eine Reihe von Anrufen – und einen Verdacht.

Die Tatmittel: eine auffällige Nylonschnur, sie zeigt an jedem Ende eine Schlaufe; eine Plastiktüte, fünf Zentimeter breiter Leukoplast und Kabelbinder.

Die Tatmittel: eine auffällige Nylonschnur, sie zeigt an jedem Ende eine Schlaufe; eine Plastiktüte, fünf Zentimeter breiter Leukoplast und Kabelbinder.

Foto: Polizei

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Rainer Brenner leitet diese Ermittlungsgruppe, die sich um Cold Cases kümmert, also um Fälle aus der Vergangenheit, die bisher nicht gelöst werden konnten, und deren Akten im Jahr 2019 wieder aus dem Schrank geholt worden sind – auch, weil es heutzutage neue DNA-Methoden gibt. Er verspricht: „Wir werden jede Möglichkeit in Erwägung ziehen, um die Fälle aufzuklären. Wir suchen nur noch das fehlende Puzzleteil, um den Täter zu identifizieren. Wir haben die DNA des Täters, daraus ergibt sich eine große Chance, zwei Mordfälle aufzuklären. Dann könnten wir den Angehörigen Gewissheit geben, wer für die grausamen Taten verantwortlich war.“

Die Fälle

Die 22 Jahre alte Vanessa Wardelmann arbeitete als Prostituierte in der Van-Heukelum-Straße in Bremerhaven. Am Donnerstagabend, 24. September 1992, lockte ein Mann sie gegen 20 Uhr in einen dunkelblauen Kleinwagen, vermutlich ein VW Polo C79 aus dem Jahre 1982. Zwei Tage später wird der Leichnam der Frau nahe der Lune in der Gemeinde Loxstedt gefunden. Ein Fahrradfahrer entdeckte die Tote in der Nähe der Anschlussstelle Bremerhaven-Süd/Nesse an der A 27.

Etwa sieben Monate später, am Sonnabend, 8. Mai 1993, nahm ein bislang Unbekannter Kontakt mit der damals 26-jährigen Anja Witt auf, die ebenfalls als Prostituierte in der Van-Heukelum-Straße arbeitet. Auch sie wird getötet. Der Leichnam der jungen Frau wird am Folgetag in einem Waldstück an der B 215 in der Nähe der A 27 an der Ausfahrt Verden-Nord von Spaziergängern gefunden. Die Polizei Cuxhaven ist wegen der Fundorte der Leichname für die Ermittlungen zuständig.

Vanessa Wardelman

Vanessa Wardelman

Foto: Polizei

Anja Witt

Anja Witt

Foto: Polizei

Die Beamten sind weiterhin auf der Suche nach Personen, die seinerzeit in dem Milieu unterwegs gewesen sind. „Wir möchten die Frauen und allgemein Personen ansprechen, die sich in der Zeit von 1990 bis 1995 auf dem Straßenstrich im Bereich Bremerhaven, insbesondere in der Van-Heukelum-Straße und in der Lessingstraße, sowie in Bremen aufgehalten haben und von Freiern berichten können, die mit speziellen, grenzüberschreitenden sexuellen Wünschen aufgefallen sind, zum Beispiel durch Würgen, Fesseln oder Knebeln“, erklärt Brenner.

Tatmittel veröffentlicht

Durch die Veröffentlichung der Tatmittel erhofft sich die Polizei Hinweise von Personen, die gegebenenfalls mit einem Mann Kontakt hatten, der diese Gegenstände in Kombination – zum Beispiel im Auto oder in einer Wohnung – aufbewahrt hatte. Das Drosselungsseil habe der Täter extra für die Tötung der Frauen hergestellt. „Vielleicht ist jemandem eine Person aufgefallen, die sich auffallend für die mediale Berichterstattung und die polizeilichen Ermittlungen interessiert hat.“

Leukoplast und Nylonschnur sind bei beiden Frauen eingesetzt worden. Vanessa Wardelmann ist mit dem Kabelbinder gefesselt worden. Die Tüte könnte ihr der Täter über den Kopf gezogen haben, damit sie nicht sieht, wohin der mutmaßliche Mörder sie bringt.

Die Ergebnisse der Ermittlungen zeigen laut Brenner, dass eine Verbindung des Täters zum Drogenmilieu unwahrscheinlich ist. „Es ist uns gelungen, eine Vielzahl von Personen aus dem Drogenmilieu von damals zu ermitteln und zu überprüfen. Damalige Tatverdächtige konnten wir hierbei entlasten“, so der Cuxhavener Ermittler. Es sei eher von einem Serientäter auszugehen, der womöglich bundesweit agierte. „Der Täter ist schwer zu lokalisieren“, sagt Brenner. „Es ist auch nicht auszuschließen, dass unser Täter gar nicht im Bundesland Bremen oder Niedersachsen lebt oder gelebt hat oder sogar für andere Tötungsdelikte infrage kommt.“ Profiler und Ergebnisse aus den DNA-Analysen gehen von einem Täter aus, der – wenn er heute noch lebt – zwischen 60 und 70 Jahre alt sein dürfte.

Hinweise erbeten

Am Abend gab es schon eine „Reihe von Hinweisen“. Darunter sogar ein „konkreter“ Verdacht gegen eine Person. Der Hinweis müsse aber natürlich erst überprüft werden. Zahlreiche Anrufer machten Angaben zu den Tatwerkzeugen, andere stellten Verbindungen zu anderen, ähnlich gelagerten Fällen her.

Die Polizeidirektion Oldenburg hat für Hinweise, die zu einer rechtskräftigen Verurteilung der beziehungsweise des Täters führen, eine Belohnung von bis zu 5000 Euro ausgesetzt. Hinweise bitte an die Polizei Cuxhaven (04721/573200) oder jede andere Polizeidienststelle.

Christian Döscher

Teamchef Landkreis und Stadt Bremerhaven

Christian Döscher, Jahrgang 1967, leitet die Lokal-Redaktion der NORDSEE-ZEITUNG. Er ist seit 1997 bei der NZ. Vorher war der Köhlener vier Jahre als selbstständiger Marketing-Berater tätig. Studiert hat er in Hannover Wirtschaftswissenschaften. Seine Leidenschaft gilt dem Fußball.

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