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Burlesque: Etwas Erotik und ganz viel Spaß

Ganz schüchtern kommt die junge Frau in die Kneipe. Dort hat sie ein Blind Date. Sie wartet und wartet auf ihre Verabredung, doch niemand kommt. Der Kellner bringt einen Drink nach dem anderen. Die Sitzengelassene wird zusehends lockerer, zieht immer mehr aus, fängt an zu tanzen. Willkommen bei einer Aufführung der Burlesque-Tanzgruppe Sweet hot Chilis.

Eine Aufführung der Burlesque-Tanzgruppe Sweet hot Chilis in Bremerhaven ist ziemlich kurzweilig.

Eine Aufführung der Burlesque-Tanzgruppe Sweet hot Chilis in Bremerhaven ist ziemlich kurzweilig.

Foto: pr

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Die Gruppe besteht aus vier Frauen aus Bremerhaven und umzu, die sich seit rund zehn Jahren dieser Art von Tanz- und Showeinlage verschrieben haben. Angeleitet und betreut werden sie von Andrea von Düring-Buja, Inhaberin der Tanz-Oase Fata Morgana im Fischereihafen.

Es wird mehr angedeutet als gestrippt

Burlesque ist eine Mischung aus Tanz, Gesang, Schauspielerei, Comedy und angedeutetem Striptease. „Der Begriff stammt vom italienischen Wort ,burla‘ ab, und bedeutet unter anderem, dass man sich selbst auf die Schippe nimmt“, erklärt die Tanzlehrerin. Es gehe dabei weniger ums Strippen, sondern mehr ums Teasen, also dem Reizen, Anspielen und Andeuten. „Wir ziehen uns nicht aus. Wir streifen höchstens mal einen Handschuh oder Strumpf ab“, sagt sie. Alles werde im Prinzip überzogen dargestellt und ins Alberne, fast Groteske verlagert. Gepaart werde das Ganze mit einem Schuss Nostalgie: Musik und Kleidungsstile stammen aus den 1920ern bis aus den 1960ern.

Eine Aufführung der Burlesque-Tanzgruppe Sweet hot Chilis in Bremerhaven ist ziemlich kurzweilig.

Eine Aufführung der Burlesque-Tanzgruppe Sweet hot Chilis in Bremerhaven ist ziemlich kurzweilig.

Foto: pr

Sweet hot Chillis

Die Auftritte der Sweet hot Chilis ranken sich zudem immer um ein bestimmtes Thema – so wie bei der beschriebenen Blind-Date-Szene. Bei einem anderen Mal kann der rote Faden Schifffahrt heißen, bei der nächsten Darbietung gibt die frühere Schlagersängerin Trude Herr den Takt mit ihrem Hit „Ich will keine Schokolade“ den Takt vor. „Für diesen Auftritt beispielsweise haben die Tänzerinnen Kittelschürze, Hackenschuhe und Perücken getragen“, erzählt von Düring-Buja. „Man schlüpft in eine andere Rolle, und gesteht sich zu, dass diese Seite eventuell auch in einem schlummert“, meint sie. Die Teilnehmerinnen könnten auf diese Weise ihre Weiblichkeit, ihr Frau-Sein feiern. Etwa alle zwei Jahre wird ein neues Stück vorbereitet.

Interessierte dürfen jederzeit dazustoßen, sagt von Düring-Buja. Die nächste Show sei für März 2022 geplant und stehe unter dem Motto Flüsterparty. „Es geht um die 1920er Jahre, die Zeit der Prohibition, als die Frauen Hosen trugen und sich die Haare kurz schneiden ließen“, schildert sie. In den USA war Alkohol damals verboten, und wenn in illegalen Kneipen Schnaps ausgeschenkt wurde, wurde dies nur hinter vorgehaltener Hand per Mundpropaganda, also flüsternd, verbreitet.

Manche Frauen studieren Auftritt für ihren Partner ein

Doch man müsse nicht gleich einer festen Gruppe beitreten. „Ich übe auch mit Frauen Stücke ein, die vielleicht ihrem Mann einfach mal etwas Besonderes zum Geburtstag schenken wollen“, erläutert die Tanzlehrerin.

Andrea von Düring-Buja, Inhaberin der Tanz-Oase Fata Morgana im Fischereihafen.

Andrea von Düring-Buja, Inhaberin der Tanz-Oase Fata Morgana im Fischereihafen.

Foto: pr

Vor Corona habe sie zudem des Öfteren Veranstaltungen für Junggesellinenabschiede organisiert. Auch mancher Frauengeburtstag sei als Burlesque-Party gefeiert worden.

Verkleidung, Schauspielerei und Übertreibung gehören beim Burlesque dazu.

Verkleidung, Schauspielerei und Übertreibung gehören beim Burlesque dazu.

Foto: pr

Susanne van Veenendaal

Reporterin

Susanne van Veenendaal (Jahrgang 1975) ist in Bremerhaven geboren und im Cuxland aufgewachsen. In Berlin hat sie Politik, Psychologie und Erziehungswissenschaften studiert. Nach einem Volontariat bei der NORDSEE-ZEITUNG ging sie zum SONNTAGSjOURNAL. Dort gehört sie seit 2008 zum Team.

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