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Anlage in Edelmetall: In der Krise glänzt Gold besonders

Niedrigzinsen, Pandemie und Krieg – Krisenzeiten veranlassen viele, ihr Geld in Gold anzulegen. Das können die Finanzinstitute in der Seestadt und im Cuxland nur bestätigen. Sie bieten auch entsprechende Modelle zum Ansparen für Kleinanleger an. Allerdings raten sie davon ab, das gesamte Vermögen in Gold anzulegen.

Gold als Anlageobjekt ist gerade in Krisenzeiten beliebt. Finanzinstitute mahnen aber zu einem guten Mix mit anderen Anlageformen.

Gold als Anlageobjekt ist gerade in Krisenzeiten beliebt. Finanzinstitute mahnen aber zu einem guten Mix mit anderen Anlageformen.

Foto: picture alliance/dpa/dpa-tmn

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„Die Nachfrage nach Gold ist in Krisenzeiten oft etwas erhöht“, weiß Malte Hövel, Leiter Vertriebsmanagement bei der Volksbank Bremerhaven-Cuxland. Eine regelrechte Flucht gebe es allerdings nicht. Auch die Weser-Elbe Sparkasse (Wespa) registriert eine ungebrochen hohe Nachfrage nach physischem Gold – seit Pandemiebeginn, wie Sprecherin Ninia Käckenmester sagt. Allein im ersten Halbjahr 2020 hätten über 20 Prozent des weltweiten Gold-Umsatzes in Deutschland stattgefunden. Damit liege Deutschland auf dem dritten Platz hinter China und Indien. „Die steigende Nachfrage lässt sich zum einen auf die Sorge vieler Anleger vor den wirtschaftlichen Konsequenzen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs zurückführen, zum anderen auf das niedrige Zinsniveau und die steigende Inflation“, weiß Käckenmester. Die Anlage in Sachwerte sei in diesen Zeiten für viele Kunden eine Möglichkeit zur nachhaltigen Vermögensbildung.

Einen ungewöhnlichen Ansturm auf Gold hat die Deutsche Bank zwar nicht festgestellt. „Nichtsdestotrotz zeigt eine Analyse des World Gold Council, dass die Nachfrage nach Goldprodukten im ersten Quartal mit 269 Tonnen im Wert von rund 17 Milliarden US-Dollar so hoch war, wie zuletzt im dritten Quartal 2020“, sagt Dr. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege Privatkundenbank Deutschland.

So könnte sich der Goldpreis entwickeln

Die potenzielle Abkühlung der Konjunktur habe die Goldpreisentwicklung begünstigt, sagt Stephan. „In den vergangenen 50 Jahren konnte beobachtet werden, dass sich der Goldpreis in Phasen flacher Zinsstrukturkurven, also der Zinsdifferenz von zehnjährigen zu zweijährigen Staatsanleihen, gut entwickelt hat.“ Für die Abkühlung der Konjunktur gebe es derzeit ausreichend Gründe: der russische Angriff auf die Ukraine, der zu steigenden Rohstoffpreisen führt, die Lieferkettenprobleme aufgrund der chinesischen No-Covid-Strategie und die restriktivere Geldpolitik wegen der hohen Inflation. „Grundsätzlich ist zwar ein Umfeld steigender Zinsen nicht ideal für Goldinvestments. Aufgrund der derzeitigen Unsicherheiten kann der Preis aber auf mehr als 2000 US-Dollar pro Unze steigen“, schätzt Stephan.

„Gold ist eine Währung, in die sich in der Tat viele Anleger flüchten. Viele sehen in Gold eine natürliche Absicherung in unsicheren Zeiten“, erläutert auch Timo Cyriacs, Sprecher der Oldenburgischen Landesbank (OLB). Angesichts der akuten Lage mit dem Russland-Ukraine-Krieg oder der anhaltenden Coronavirus-Pandemie mit den Lockdowns in China sei die Nachfrage nach Gold als Krisenmetall angestiegen. Aber auch als Inflationsschutz werde Gold gehalten.

Nachfrage nach Gold-Produkten steigt

Das äußere sich in einer deutlichen Zunahme der Nachfrage nach Gold-Produkten, insbesondere nach physischem Gold, bestätigt Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank: „Einmal mehr zeigt sich, dass Gold als Anlageprodukt besonders in Krisenzeiten eine Hochkonjunktur erfährt – zumindest auf der Nachfrageseite.“ Doch sei auch Gold nicht vor Markt- und damit vor Kursschwankungen gefeit, auch wenn es langfristig die Inflation schlage, warnt er und rät zu einer Anlage in Gold als eine weitere Säule im Vermögensportfolio. Somit könne Gold zu einer Absicherung in schweren Krisenzeiten werden.

„Physisches Gold gilt als Wertanlage mit geringem Risiko und hoher Wertstabilität und stellt insbesondere in Krisenzeiten eine sichere Alternative zu klassischen Anlageprodukten, wie zum Beispiel Wertpapieren, dar“, heißt es von der Commerzbank. Goldbarren und -münzen seien daher eine zuverlässige und auch hübsch anzusehende Geldanlage. Bis zu zehn Prozent des Kapitals sollten in Edelmetallen angelegt werden. „Gold verringert das Portfoliorisiko generell“, sagt Michael Ott, Commerzbank-Experte Rohstoffe/Währungen. Und Gold erziele dann seine beste und nachhaltigste Performance, wenn die Notenbanken unter Handlungsdruck stünden und die Wirtschaft stützten. „Denn dann verliert das Notenbankgeld an Kaufkraft, und Gold bleibt kaufkraftstabil“, erläutert Ott.

Grundsätzlich könne Gold als Beimischung und zur Risikostreuung für Kunden eine sinnvolle Ergänzung sein, meint Hövel von der Volksbank. Aber eben nur als solche, warnt er mit Blick auf Kursschwankungen.

Banken bieten für jedermanns Geldbeutel etwas an

Eine gut strukturierte Geldanlage zeichne sich durch den richtigen Mix aus, bekräftigt Käckenmester von der Wespa. „In einem Mix mit anderen Anlageklassen ist Gold daher gut aufgehoben. Als Einzelanlage ist Gold aufgrund der fehlenden Zinserträge und häufiger Schwankungen des Kurses in der Regel nicht empfehlenswert.“

Eine Goldanlage ist übrigens nicht nur etwas für vermögende Bankkunden. Alle Finanzinstitute bieten ihren Kunden Möglichkeiten für jeden Geldbeutel und auch eine entsprechende Verwahrung des Goldes an:

  • So hat die Volksbank Bremerhaven-Cuxland monatliche Sparraten ab 25 Euro, wobei gewählt werden kann, ob auf Goldbarren in unterschiedlichen Gewichtsgrößen oder auf ausgewählte Goldmünzen gespart werden soll. Das Gold wird gelagert.
  • Bei der Weser-Elbe Sparkasse ist das Sparen auf Gold ab 50 Euro monatlich möglich. Die Geldanlage wird in Kontenform geführt, ist aber physisch hinterlegt und sicher gelagert.
  • Die Commerzbank bietet Goldbarren und -münzen in verschiedenen Größen und Gewichten an. Für die Lagerung empfiehlt die Bank ein Schließfach.
  • Münzen und Barren bietet auch die Targobank ihren Kunden an. Sie kooperiert dazu mit einem Münchener Edelmetallhaus, wo das Edelmetall verwahrt und gelagert wird.
  • Auch bei der Deutschen Bank können Anleger in Münzen und Barren anlegen – die Bank verweist aber auch auf alternative Möglichkeiten wie Fonds und Zertifikate. „Münzen und Barren scheinen aber auf manche Menschen eine besondere Faszination auszuüben“, meint Stephan.
  • Die Oldenburgische Landesbank verweist darauf, dass Geldanlage generell ein sehr individuelles Thema sei. Deswegen rät die Bank zu einem Beratungstermin, bei dem individuelle Lösungen angeboten werden.
Gold als Anlageobjekt ist gerade in Krisenzeiten beliebt. Finanzinstitute mahnen aber zu einem guten Mix mit anderen Anlageformen.

Gold als Anlageobjekt ist gerade in Krisenzeiten beliebt. Finanzinstitute mahnen aber zu einem guten Mix mit anderen Anlageformen.

Foto: Heinl/dpa

Christoph Bohn

stellv. Redaktionsleiter SONNTAGSjOURNAL

Christoph Bohn (Jahrgang 1968) ist in Bremerhaven geboren und im Cuxland aufgewachsen. Er hat in Bremen Wirtschaftswissenschaft und Politik studiert und ist Diplom-Ökonom. Nachdem er zweieinhalb Jahre als Controller beim Hanstadt Bremischen Hafenamt gearbeitet und nebenbei schon frei als  Journalist für die NORDSEE-ZEITUNG gearbeitet hatte, entschloss er sich zu einem Volontariat (1998-2000). Danach fing er als Redakteur beim SONNTAGSjOURNAL an (Schwerpunkte: Wirtschaft und Landkreis Cuxhaven).

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