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Rentenerhöhung: Für die ärmsten Senioren bringt sie nichts

Die Rente wird im Juli um mehr als fünf Prozent erhöht. Die Erhöhung halten viele Rentner nicht nur für angebracht, sondern auch für dringend nötig. Seniorenberater Harald Sommerfeld sieht die Erhöhung im Interview mit Regina Konradi kritisch, da nicht die in Armut lebenden Rentner davon profitieren.

Für die Rentner in Deutschland gibt es ab Juli prozentual mehr Geld. Doch bringt diese Erhöhung wirklich etwas?

Für die Rentner in Deutschland gibt es ab Juli prozentual mehr Geld. Doch bringt diese Erhöhung wirklich etwas?

Foto: Marijan Murat / dpa (Symbolbild)

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Ein 86-jähriger Herr aus Loxstedt, früherer Werftarbeiter, der seinen Namen nicht öffentlich nennen möchte:

In der heutigen Zeit ist die Erhöhung angemessen. Ich hätte mich auch über mehr gefreut. Wir Rentner haben sonst ja keine Ansprüche. Die neu-gewählte Regierung hat ja erst angefangen. Mal sehen, ob es richtig ist, was sie machen. Ich lebe sehr sparsam und gebe am meisten für Lebensmittel aus. Mit dem Auto fahre ich ja nur einkaufen. Es wäre schlimm für mich, wenn ich jeden Tag zur Arbeit fahren müsste. Die Benzinpreise sind ja so hoch. Besonders die Benzinkosten und der Unterhalt vom Wagen machen mir gerade zu schaffen.

Frida Müller, 85, frühere Sportlehrerin aus Cuxhaven:

Ich komme mit meiner Rente aus, weil ich sehr stark spare. Die Erhöhung schätze ich sehr, denn wer freut sich nicht über etwas mehr Geld auf dem Konto. Wir selber können nicht daran drehen, wie viel wir bekommen und uns zusteht. Das muss die Politik machen und die gibt gerade ja sehr viel Geld für das Klima, den Krieg und Corona aus. Und das müssen sie auch machen. Aber die Regierung muss jetzt auch was für die Rentner machen, denn wir leben in einer Gesellschaft und jeder, auch wir Rentner, muss davon profitieren.

Heidelore Patzer, 78, Rentnerin aus Loxstedt:

Normalerweise bin ich recht zufrieden. Jetzt, wo es auf der Welt so ein Durcheinander gibt, finde ich diese Preissteigerung nicht gut. Es ist ein Fehler, dass der Preis für Lebensmittel erhöht wird. Man würde mit dem, was man hat, auskommen, wenn es bei den Preisen bliebe.

Dietmar Weißberg, 70, früherer Elektriker aus Donnern:

Die Rentenerhöhung finde ich richtig, aber unsere Konsumgesellschaft muss sich verändern. Wir leben hier in Deutschland deutlich über unseren Verhältnissen. Eigentlich ist alles zu günstig. Rücksichtslos verbrauchen wir Energie und Lebensmittel. Meine Frau schimpft immer mit mir, wenn ich das Licht anlasse, weil das ja Geld verschwendet. Aber ich sage dann immer zu ihr, dass die Energie ja nichts kostet. Es wird einfach von allem zu viel angeboten. Jeder will ein Stück vom Kuchen abhaben. Unbedacht verbrauchen wir einfach. Natürlich muss ein Angebot von Produkten da sein, aber dieses Überangebot finde ich falsch. Zu der Konsumgesellschaft gehören auch wir Rentner. Ob jung oder alt, wenige schätzen die Dinge. Dabei muss man es schätzen, um Freude daran zu haben. Erst wenn man auf etwas spart, schätzt man es viel mehr.

Gudrun Wilking, 74, frühere Buchhalterin aus Loxstedt

Es muss sich für uns Rentner was tun. Alles, was man kauft, wird gerade teurer. Dazu gehört Diesel, die Heizkosten und Lebensmittel. Was wir bekommen, reicht da nicht aus, weil die Inflationsrate so hoch ist. Würden die Preise nicht so steigen, würde ich auch ohne Rentenerhöhung auskommen.

Ein Rentner, 79, aus Bremerhaven, der seinen Namen nicht in diesem Artikel lesen möchte:

Ich habe 31 Jahre bei einer Firma gearbeitet, die dann pleite ging. Eine Welt ist damals für mich zusammengebrochen. Meine Rente bekomme ich ja trotzdem und ich habe zusätzlich Miet- und Pachteinnahmen. Die Rentenerhöhung ist mir also nicht allzu wichtig. Ich war auch neben meiner Arbeit selbstständig und habe als Erster Partyzelte vermietet. Der gelernte Schiffsbauer gibt am meisten Geld für seine Kinder aus. Für sich selbst ist es eher wenig. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der ich meine Familie hab hungern sehen. Deswegen habe ich gelernt, mit Geld umzugehen. Meine Tochter drängt mich immer, mir etwas zu gönnen, aber ich brauche das nicht. Ein Großteil meiner Familie lebt in Amerika. Wenn ich dort bin, gebe ich viel Geld aus. Der Flug ist zwar nicht ganz so teuer, wie viele denken, aber die Krankenversicherung für einen über 75-Jährigen schlägt ins Budget ein. Nächstes Jahr möchte ich auch wieder dorthin fliegen. Ich bin nun zwei Jahre nicht rübergeflogen und möchte meinen 80. Geburtstag dort verbringen.

Günter und Elvira Heuer, 80 und 79, Rentner aus Loxstedt:

Jeder freut sich über mehr Geld. Wir sind aber auch so zufrieden, denn für uns reicht die Rente jetzt schon aus. Wir merken aber sehr, dass grade alle Preise steigen. Besonders auf dem Wochenmarkt geben wir für gutes Obst und Gemüse viel Geld aus. Wir sparen aber auch Geld, indem wir aber auch viel Gemüse wie Kartoffeln, Zucchini, Kürbis und Radieschen selber im Garten anbauen. Wenn es wieder möglich ist, würden wir gerne wieder verreisen, dafür möchte ich gerne Geld ausgeben. Aber da sind wir wegen der derzeitigen Lage noch zögerlich.

Karin K., 73, Rentner aus Loxstedt:

So eine hohe Erhöhung der Rente hatten wir bisher noch nie. Ich bin darauf nicht allzu sehr angewiesen, aber freue mich trotzdem darüber. Es ist schön, wenn die Politik mal selber darauf kommt, uns mehr Taler zu geben. Im Moment gebe ich das meiste Geld für Lebensmittel und jetzt im Frühjahr auch für Gartenpflanzen aus. Für große Anschaffungen ist jetzt nicht die Zeit, die hab ich nicht im Blick.

Wolfgang K., 77, Rentner aus Loxstedt:

Die Erhöhung der Rente ist absolut angebracht. Die Leute haben ja was geleistet, selber eingezahlt und sollen jetzt auch vernünftig davon leben können. Ich selber lebe nicht unbedingt sparsam, aber das meiste Geld gebe ich für Lebensmittel aus. Damit meine ich auch schon die einfachen Lebensmittel zum Kochen oder Brot, Obst und Gemüse und nicht Besonderes wie Kuchen. Das Leben ist recht teuer geworden.

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