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Die Rückkehr der Flusskreuzfahrer

Die Flusskreuzfahrtbranche hat wieder Fahrt aufgenommen. „Die Schiffe sind bei um die 90 Prozent Auslastung“, freuen sich Daniela Küver und Katharina Leers. Die Schwestern sind Geschäftsführerinnen des Schiffdorfer Schiffsausrüsters Odin und kümmern sich um die europaweite Koordination und Ausrüstung von Flusskreuzfahrtschiffen mit Waren im Proviant-, Kantinen- und Nonfood-Bereich.

Die „Maria Theresa“ der Reederei Uniworld, die auf der Donau verkehrt, ist eines von mehr als 160 Flusskreuzfahrtschiffen, die von Schiffdorf aus beliefert werden.

Die „Maria Theresa“ der Reederei Uniworld, die auf der Donau verkehrt, ist eines von mehr als 160 Flusskreuzfahrtschiffen, die von Schiffdorf aus beliefert werden.

Foto: Uniworld


„Die Saison ist nach zwei Jahren Corona gut gestartet. Es fahren jetzt mit mehr als 160 Schiffen sogar mehr als vor der Pandemie“, sagt Daniela Küver zufrieden. Die hätten eigentlich schon 2020 in den Einsatz gehen sollen, denn Flusskreuzfahrten waren ein boomender Markt – doch dann kam Corona und sorgte für Stillstand.

Für Odin begann eine schwierige Zeit: „Anfang März 2020 war unser Lager voll, schließlich sollte ja gerade die neue Kreuzfahrtsaison starten“, erzählt Daniela Küver. Doch die Firma schaffte es durch die Zeit: mit Kurzarbeit, staatlichen Hilfen und einer guten Idee. „Wir haben einen Werksverkauf angeboten“, sagt Katharina Leers. Möglich sei das durch eine Ausnahmegenehmigung der Gemeinde Schiffdorf geworden, denn in dem Gewerbegebiet ist Einzelhandel normalerweise nicht erlaubt. Auch den Einzelhandel und Restaurants belieferte Odin. „Der Tafel haben wir ebenfalls einiges gespendet“, sagt Katharina Leers. Trotzdem habe die Corona-Zeit für ein dickes Minus gesorgt.

„Wir sind allerdings entsprechend vorsichtiger in das Jahr 2021 gegangen und haben auch weniger eingekauft“, erzählt ihre Schwester. Schließlich habe man auch nicht absehen können, wie sich die Situation entwickele. Im Sommer 2021 sah es kurzzeitig wieder so aus, als ob sich die Lage normalisieren würde – 40 der 140 zu beliefernden Schiffe fuhren wieder –, aber die Omikron-Variante sorgte erneut für Stillstand und verhagelte die Bilanz.

Hoffnungen auf gute Saison haben sich erfüllt

Doch das ist Vergangenheit. Seit September vergangenen Jahres ist keiner der 120 Mitarbeiter mehr in Kurzarbeit, der Werksverkauf wurde Ende Februar eingestellt, und die Hoffnungen auf einen Neustart in die Saison 2022 haben sich erfüllt. „Es läuft sogar besser als erhofft“, freut sich Daniela Küver. Allerdings sei der Start eine logistische Herausforderung gewesen, immerhin mussten auf einen Schlag mehr als 160 Schiffe mit Waren ausgerüstet werden. Heißt: Die Waren mussten aus Schiffdorf in die Häfen im Süden gebracht werden – mit den 17 firmeneigenen Lkw. „Wir hatten eigentlich im September vergangenen Jahres noch neue Lkw bestellt, doch die konnten aufgrund fehlender Teile nicht geliefert werden“, berichtet Katharina Leers. Eine befreundete Spedition aus dem Raum Passau konnte jedoch helfen.

Die Geschäftsfüherinnen der Firma Odin: Daniela Küver (links) und Katharina Leers.

Die Geschäftsfüherinnen der Firma Odin: Daniela Küver (links) und Katharina Leers.

Foto: Scheschonka

Mittlerweile hat sich alles wieder eingespielt – und die Schwestern hoffen, dass es jetzt so bleibt. „Immerhin haben die Reedereien auch eine Menge in ihre Schiffe investiert, unter anderem in moderne Lüftungsanlagen“, weiß Daniela Küver. Und die Nachfrage sei groß. „Nach zwei Jahren Corona freut sich jeder auf einen schönen Urlaub“, bekräftigt Katharina Leers.

Ganz ungetrübt ist die gute Stimmung jedoch nicht. Denn die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs treffen auch die Firma Odin: gestiegene Energiekosten, steigende Lebensmittelpreise und auch die Knappheit einiger Waren wie Mehl und Sonnenblumenöl. „Und wenn man dann doch eine Ladung auftreiben kann, sind die Preise entsprechend hoch“, erzählt Katharina Leers.

Normalerweise werden die Lieferpreise mit den Kreuzfahrtreedereien im Voraus verhandelt und für eine bestimmte Zeit festgelegt. „Zum Glück haben unsere Kunden Verständnis“, sagt Daniela Küver. Das zeige sich auch bei den Transportkosten. Hier könne man jetzt den sogenannten Diesel-Floater einsetzen: einen Zuschlag, der sich nach dem durchschnittlichen Diesel-Preis eines Monats richtet. „Die gestiegenen Preise werden sich sicherlich in den Preisen für Flusskreuzfahrten bemerkbar machen“, meint Daniela Küver.

Hohe Transportkosten

Immerhin machen die Transporte auch einen hohen Kostenanteil für die Firma Odin aus, müssen doch alle Waren aus Schiffdorf per Lkw teilweise bis Venedig oder Südfrankreich, aber zumindest bis Passau geliefert werden. Trotzdem setzt das Unternehmen auf den Standort Schiffdorf. Schließlich hat Odin hier viel Geld investiert. Ursprünglich hatte Gerald Küver, der Vater der beiden Schwestern, das Familienunternehmen 1987 in Bremerhaven gegründet und auch sogenannte Butterfahrten ausgerüstet. „Doch ab 1995 sind Flusskreuzfahrtreedereien auf uns aufmerksam geworden. So hat sich das Geschäft entwickelt“, sagt Daniela Küver.

2017 zog Odin an den neuen Standort im Schiffdorfer Gewerbegebiet, wo komplett neu gebaut worden war. 2019 wurde der Standort mit einer Tiefkühlhalle erweitert.

Christoph Bohn

stellv. Redaktionsleiter SONNTAGSjOURNAL

Christoph Bohn (Jahrgang 1968) ist in Bremerhaven geboren und im Cuxland aufgewachsen. Er hat in Bremen Wirtschaftswissenschaft und Politik studiert und ist Diplom-Ökonom. Nachdem er zweieinhalb Jahre als Controller beim Hanstadt Bremischen Hafenamt gearbeitet und nebenbei schon frei als  Journalist für die NORDSEE-ZEITUNG gearbeitet hatte, entschloss er sich zu einem Volontariat (1998-2000). Danach fing er als Redakteur beim SONNTAGSjOURNAL an (Schwerpunkte: Wirtschaft und Landkreis Cuxhaven).

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