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Adventskalender: Leckerei kann tückisch sein

24 Türchen bis zum Fest der Feste: Adventskalender sollen die Zeit bis zum Weihnachtsfest versüßen. Doch Obacht: Manchmal bergen die gut gemeinten Zeitzähler Tücken. Welche das sein können und worauf man beim Kauf achten sollte, weiß Annabel Dierks von der Verbraucherzentrale Bremen.

Schon 1940 erkannte man den Wert eines selbstgebastelten Adventskalenders.

Schon 1940 erkannte man den Wert eines selbstgebastelten Adventskalenders.

Foto: picture alliance / dpa

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Täglich ein feines Stücken Schokolade oder lieber etwas ganz Spezielles? Von kleinen Leckereien über Kosmetik bis zu Spielzeug gibt es auf dem Adventskalender-Markt mittlerweile eigentlich nichts mehr, was es nicht gibt. Bis zu 1,25 Euro pro Türchen geben die meisten Deutschen für den Adventskalender aus, heißt es von der Verbraucherzentrale. Doch beim Kauf lohnt sich ein Blick auf Zutatenliste und Siegel, um zu erfahren, ob das gut gemeinte Goodie auch tatsächlich eines ist.

Auf Zutatenliste schauen

„Eine Zutat, die man in Adventskalendern meiden sollte, ist der Zusatzstoff Titandioxid, auch als E 171 in der Zutatenliste zu finden“, nennt Annabel Dierks ein Beispiel. „Er wurde von der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde als unsicher eingestuft, da eine erbgutschädigende Wirkung möglich sein kann.“

Aufs Kleingedruckte achten: Oft ist Alkohol versteckt

Und auch hochprozentige Fehlgriffe drohen, wenn die Zutatenliste nicht hinlänglich inspiziert wird. Ganz besonders kritisch, wenn die süßen Überraschungen dann in die falschen Hände, wie beispielsweise die von Kindern geraten.

Adventskalender: Leckerei kann tückisch sein

Foto: pr

Alkohol kann enthalten sein

Manchmal passiert es nämlich durchaus, dass hinter den Türchen des märchenhaften Weihnachtsmarktmotives plötzlich Alkohol steckt, ohne dass dies auf den ersten Blick zu erkennen ist. Nur ganz klein in der Zutatenliste auf der Rückseite reihen sich hier manchmal Kirschwasser, Amaretto und Cognac mit weiterem Alkohol aneinander. „Lesen Sie vor dem Kauf von Adventskalendern für Kinder unbedingt die Zutatenliste“, rät die Ernährungsexpertin. „Eine Taschenlupe hilft dabei.“

Gekauft oder selbst befüllt: Adventskalender sollen die Weihnachtszeit versüßen.

Gekauft oder selbst befüllt: Adventskalender sollen die Weihnachtszeit versüßen.

Foto: Pleul/dpa

Verbraucherunfreundlich

Die Verbraucherzentrale Bremen kritisiert die verbraucherunfreundliche Kennzeichnung von Adventskalendern bereits seit Jahren. „Auch wenn es gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, es sollte auf den ersten Blick erkennbar sein, ob die Adventskalender für Kinder geeignet sind“, sagt Annabel Dierks.

Vor allem, wenn sie kindliche Motive tragen. „Auf Herstellerseite gibt es teilweise wenig Einsicht“, kritisiert die Ernährungsexpertin. Die weihnachtlich-kindlichen Darstellungen sollen nicht durch einen Hinweis auf enthaltenen Alkohol in Mitleidenschaft gezogen werden. „Dafür tragen nun einige Kalender ohne Hochprozentiges einen Hinweis auf ihre Alkoholfreiheit.“

Selbst basteln

Wer derartige Fehlgriffe vermeiden möchte, ist mit selbst gebastelten und am besten noch wiederverwendbaren Säckchen oder Schächtelchen auf der sicheren Seite. „Gute Inhalte für wiederverwendbare Adventskalender sind getrocknete Früchte, verschiedene Nussarten, Teemischungen, auch Kressesamen zum Selberziehen sind gerade im Winter ein spannendes Erlebnis für Kinder – frische Vitamine von der eigenen Fensterbank“, nennt die Ernährungsexpertin einige Beispiele für gesunde Überraschungen. Und: „Es müssen nicht alle Säckchen gleich zu Beginn gefüllt sein. Besonders getrocknete Früchte können auch nach und nach hineingegeben werden, damit sie nicht zu lange liegen und Feuchtigkeit ziehen.“

Verpackungen treiben die Preise hoch

Und wie steht es mit den Kosten für gekaufte Adventskalender? „Bei Adventskalendern bezahlen wir häufig viel Geld für die aufwendige Verpackung. Wer preisbewusst einkaufen möchte, vergleicht am besten den Grundpreis, also den Preis pro 100 Gramm, des Adventskalenders mit dem Grundpreis der herkömmlichen Süßigkeitenpackungen.“ Die Grundpreise müssten immer gut lesbar angegeben sein. Meist stünden sie etwas kleiner auf dem Preisschild unter dem Gesamtpreis. „Hier kann man ablesen, wie kostspielig die Verpackung des Adventskalenders ist.“

Andrea Lammers

Reporterin

Andrea Lammers (Jahrgang 1968) ist in Bremerhaven geboren und aufgewachsen. In Bremen hat sie Rechtswissenschaften studiert. Das Jonglieren mit Buchstaben erschien ihr jedoch erheblich spannender als das mit Paragrafen. Deswegen volontierte sie bei der NORDSEE-ZEITUNG. Seit 1999 arbeitet sie als Redakteurin beim SONNTAGSjOURNAL.

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