Hagen

Rund 450 Deponie-Gegner demonstrieren in Driftsethe

Ob die Bauschutt-Deponie bei Driftsethe tatsächlich gebaut wird, ist trotz des positiven Bescheids aus Lüneburg unklar. Am Ende werden Gerichte über die Genehmigung entscheiden. Fest steht aber: Die Zahl der Deponie-Gegner ist größer als gedacht.

Demonstrationszug von Aktivisten, Bürgern und Gemeindevertretern aus Hagen gegen die geplante Errichtung der Bauschuttdeponie am Weißenberg in Driftsethe.

Klare Botschaften: An ihrer Ablehnung der Deponie-Pläne ließen die rund 450 Demonstranten keinen Zweifel.

Foto: Arnd Hartmann

Reichlich Gegenwind aus Richtung Driftsethe bläst dem Abbruchunternehmen Freimuth aus Bülkau schon seit etlichen Jahren entgegen. Am Freitag haben die Gegner der geplanten Bauschutt-Deponie noch einmal kräftig Luft geholt. Rund 450 Menschen nahmen an der Demonstration unter dem Motto „Wir wehren uns!“ auf dem Gelände der Schatzgrube Weißenberg teil - sehr zur Überraschung mancher Organisatoren.

„Das ist der Wahnsinn, der absolute Hammer“, rief Hagens SPD-Fraktionschef Leo Mahler den Demonstranten bei der Kundgebung entgegen, die im Anschluss an einen Protestmarsch stattfand. „Ich hatte mit 50 Leuten gerechnet, und jetzt das“, zeigte sich Mahler begeistert von der breiten Unterstützung.

Gemeindebürgermeister Andreas Wittenberg erinnerte an den Tag vor gut drei Wochen, an dem er die knappe Mitteilung der Gewerbeaufsicht über den erteilten Planfeststellungsbeschluss in seinem Mail-Postfach vorfand. „An dem Abend habe ich meiner Frau gesagt, sie muss mit mir das ganze Wochenende nicht mehr reden, so wütend war ich.“ Die Wut sei zwar immer noch da, aber auch die Hoffnung, erfolgreich gegen den Beschluss vorgehen zu können, so der parteilose Verwaltungschef. „Wir werden mit Sicherheit klagen und die Schatzgrube Weißenberg verteidigen“, sagte er unter dem Applaus der Teilnehmer.

Bürgermeister: Rodung von sechs Hektar Wald ist schändlich

Wittenberg zeigte auf die sechs Hektar Wald hinter sich, die für die Deponie gerodet werden müssten. „Und das an einem Tag, an dem überall junge Menschen für das Klima auf die Straße gehen.“ Den geplanten Eingriff in die Natur nannte der Bürgermeister „schändlich“, ehe er eine Bitte an den anwesenden Landratskandidaten Thorsten Krüger (SPD) richtete. Dieser möge im Falle seiner Wahl eine „vernünftige Standortsuche“ einleiten, „mit einem transparenten Verfahren, in dem Bürger und Gemeinden mitgenommen werden“.

Demonstration von Aktivisten, Bürgern und Gemeindevertretern aus Hagen gegen die geplante Errichtung der Bauschuttdeponie am Weißenberg in Driftsethe.

„Die Schatzgrube verteidigen“: Bürgermeister Andreas Wittenberg rief die Teilnehmer der Kundgebung mitten im Naherholungsgebiet zum Kampf gegen die Deponie auf.

Foto: Arnd Hartmann

Karla Mombeck von der Bürgerinitiative M.U.T. kritisierte das Gewerbeaufsichtsamt scharf. Alle Argumente der Deponie-Gegner seien „vom Tisch gewischt“ worden. Dagegen enthalte der Planfeststellungsbeschluss fragwürdige Passagen, etwa mit Blick auf einen vom Unternehmen Freimuth ebenfalls geplanten Spielplatz. Wörtlich heißt es dort: „Es liegt ferner nicht außerhalb jeglicher Lebenswahrscheinlichkeit, dass insbesondere Kinder, die etwa den Spielplatz nutzen, sich für den Deponiebetrieb und die dabei verwendeten Gerätschaften begeistern könnten und durch ihn im Dialog mit ihren Eltern Fragestellungen rund um die Thematik Abfall auf den Grund gehen und sich demnach neues Wissen aneignen.“

Umweltminister Lies kommt im Oktober nach Hagen

Auch die drei Landtagskandidaten Oliver Lottke (SPD), Denis Ugurcu (CDU) und Eva Viehoff (Grüne) versicherten den Deponie-Gegnern ihre Unterstützung. Lottke kündigte an, dass Umweltminister Olaf Lies (SPD) noch vor der Landtagswahl am 9. Oktober nach Hagen kommen werde, um mit Vertretern von Gemeinde, Politik und Bürgerinitiativen zu sprechen.

Sie gehe mit einem besseren Gefühl nach Hause, sagte eine Anwohnerin aus Driftsethe im Anschluss. „Es ist schön zu wissen, dass man nicht alleine kämpft.“ Eine Deponie neben dem Naherholungsgebiet wäre ein „großer Einschnitt, wir schätzen die Ruhe hier sehr“, sagt die Frau, die anonym bleiben wollte. Landwirt Gerd Tienken, ebenfalls aus Driftsethe, gab sich „zuversichtlich, dass mit einer Klage doch noch etwas zu erreichen ist“. Die Schatzgrube zu erhalten sei für die Menschen vor Ort wichtig.

Mark Schröder

Reporter

Mark Schröder wurde 1973 im nordhessischen Bad Wildungen geboren und hat seit seinem Start bei der NORDSEE-ZEITUNG im Jahr 2002 bereits mehrere Ressorts durchlaufen. Aktuell schreibt der Vater zweier Töchter für den Landkreis-Teil der Lokalredaktion.

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