Cuxland

Anrufsammeltaxi im Cuxland soll digitaler werden

CO2 einsparen, Mobilitätswende angehen, Daseinsvorsorge abdecken. Kann das auf dem Land ein flächendeckender ÖPNV leisten? Oder braucht es mehr Angebote nach Bedarf wie das AST? Das sind nicht die einzigen Themen, mit denen sich Jasmin Weißbrodt, Fachbereichsleiterin ÖPNV im Landkreis, beschäftigt. Die aktuellen Herausforderungen wie stark steigende Kraftstoffpreise und die Einführung des 9-Euro-Tickets sorgen für mehr als genug Arbeit für das kleine Team.

Im Cuxland wird über das Anrufsammeltaxi diskutiert.

Im Cuxland wird über das Anrufsammeltaxi diskutiert.

Foto: Archiv

Besonders trifft es im Moment die – im Landkreis vor allem klein- und mittelständischen – Busunternehmer, die sich noch von den Auswirkungen der Corona-Pandemie erholen. Gelder, die der Landkreis auszahlt, orientieren sich am Durchschnittswert des vergangenen Jahres. Diese sogenannte Dynamisierung soll dafür sorgen, dass die Preise sowohl für den Landkreis als auch für die Busunternehmer fair bleiben. „Die Auswirkung kann man aber erst im Jahr drauf spüren, das macht die Lage im Moment sehr prekär. So einen starken Preisanstieg im Kraftstoffbereich hatten wir bisher nicht“, sagt Weißbrodt.

Möglichkeiten überprüfen

Deswegen will sie reagieren. Doch einfach gestalte sich das nicht. Im Moment prüft sie, ob es eine rechtlich sichere Möglichkeit gibt, die Unternehmen kurzfristig zu unterstützen. Dazu sei man mit den Landkreisen Stade und Lüneburg im Austausch, die ein ähnliches System haben und auch mit der Verkehrsgesellschaft Nordost Niedersachsen (NVO), die die Landkreise betreut. „Es ist ganz, ganz schwierig kurzfristig irgendwas zu tun“, sagt Weißbrodt, „Das ist sehr bedauerlich, wenn man mit den Verkehrsunternehmen spricht, und man merkt. Ja, es geht irgendwie nur noch ein paar Monate.“

Das 9-Euro-Ticket macht es Kreis und Busunternehmern nicht einfacher. Zum Ende der drei Monate wird es „komplizierte Berechnungen für die Ausgleiche“ geben. Es sei schwer, den Unternehmen in diesem Zeitraum weitere Gelder zukommen zu lassen, deswegen peilt Weißbrodt eine Unterstützung zum 1. September an. Um die fehlenden Einnahmen durch das 9-Euro-Ticket zu überbrücken, will der Landkreis Mittel, die erst für das kommende Quartal vorgesehen waren, vorab weitergeben. „Damit spielt man gerade so ein bisschen, um die Unternehmer über diese 3 Monate liquide zu halten“, erklärt die Fachbereichsleiterin, „Es fließen ja laufend Gelder. Die Frage ist nur, wie lange reichen sie? Das kann ich im Moment nicht abschätzen, weil es viele laufende hohe Kosten gibt, wie Personalkosten und Abzahlung für die Fahrzeuge, Versicherungen... Die Unternehmer sind schon sehr auf die Einnahmen angewiesen.“

Da tut sich was

Trotz brandaktueller Herausforderungen laufen viele Förderprojekte im Bereich Mobilität, die alle auf die großen Ziele einzahlen sollen. Dazu gehört die Digitalisierung des Anrufsammeltaxi-Systems. „Manche nehmen es hier bei uns auf dem Land als Problem wahr, dass nicht so viele Linienbusse unterwegs sind. Wenn aber ein Linienbus leer fährt, dann fragen sich die Menschen natürlich: ,Wie kann das sein? Wer finanziert das?‘“, sagt Weißbrodt. Das Anrufsammeltaxi fährt erst los, wenn es gebraucht – also gebucht – wurde, holt den Fahrgast an den zentralen Bushaltestellen oder Bahnhöfen ab und bringt sie zu den Zielhaltestellen. Das Angebot sei zu kompliziert oder nicht flexibel genug, hat Weißbrodt schon häufig gehört: „Aber tatsächlich bin ich von unserem Anrufsammeltaxi-System total überzeugt. Ich glaube aber, man kann die eine oder andere Stellschraube drehen, um es für den Fahrgast etwas einfacher zu machen und bestimmte Dinge vielleicht etwas moderner und noch flexibler zu gestalten.“

Kompliziert für den Fahrgast sei es unter Umständen, dass die Gemeinden im Moment selbst Verträge mit den Taxiunternehmen vereinbarten und über den Einsatz der ASTs entscheiden. So kommen von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedliche Fahrtzeiten und Preise zustande. Die Preise für den Fahrgast liegen im unteren bis mittleren einstelligen Bereich. Der Rest der Kosten einer Taxifahrt wird zu 25 Prozent von den Gemeinden und zu 75 Prozent vom Landkreis gefördert. Dazu kommen Kosten für zum Beispiel Management und Planung, die nicht im Taxipreis enthalten sind. Die Kosten teilen sich Gemeinde und Landkreis im gleichen Verhältnis. So entstanden beispielsweise im Jahr 2019 Kosten in Höhe von 750.000 Euro. Knapp 60.000 Fahrgäste wurden befördert. 2020 ist die Zahl der Fahrten und Fahrgastzahlen um 30 Prozent aufgrund der Corona-Pandemie eingebrochen.

Offene Fragen klären

Für das laufende Jahr kalkuliert Weißbrodt mit einem Betriebskostendefizit von 1.100.000 Euro, von denen der Landkreis 825.000 Euro trägt. Eine Kalkulation sei allerdings nicht so einfach. Wenn weiterhin viele ASTs einzeln besetzt sind, bedeutet das: Je mehr Leute das AST nutzten, desto teurer wird es für Gemeinden und Landkreis. „Wenn das AST aber relativ gut besetzt ist, dann wird das Defizit kleiner. Wenn statt 5 Euro 15 Euro Fahrgeld eingenommen wird, müssen nur noch 10 Euro zwischen Landkreis und Gemeinde aufgeteilt werden“, erklärt Weißbrodt. Deswegen soll unter anderem die Frage „Wie kann ein höherer Besetzgrad erreicht werden?“ in einem Projekt beantwortet werden. Außerdem soll das AST bekannter gemacht werden.

Attraktiver könnte das Angebot auch durch die Digitalisierung werden, meint Weißbrodt. Gerade soll der gesamte Buchungsvorgang digitalisiert werden. Bisher wird die Buchung telefonisch entgegengenommen, notiert und per E-Mail oder Telefon an das Taxi-Unternehmen weitergeleitet – viele Fehlerquellen. Zukünftig soll die Fahrt ins System eingegeben und automatisch an die Unternehmen weitergeleitet werden. „Und wenn das System so weit digitalisiert ist, ist es nur noch ein kleiner Schritt zu sagen: So, jetzt könnte es auch digital gebucht werden“, erklärt Weißbrodt.

Katja Gallas

Reporterin

Katja Gallas ist seit Januar 2022 als Reporterin im Cuxland unterwegs. Nach ihrem Studium der Skandinavistik und Europäischen Ethnologie in Freiburg und dem Master Kultur – Sprache – Medien in Flensburg, volontierte sie bei der NZ und arbeitete als Online-Redakteurin.

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