Ralf Wolf (dritter von links) erläuterte den Lesern der NORDSEE-ZEITUNG, wie die Wassermühle funktionierte. Foto: Brocks
Ralf Wolf (dritter von links) erläuterte den Lesern der NORDSEE-ZEITUNG, wie die Wassermühle funktionierte. Foto: Brocks

Wo Klappern zum Handwerk gehört

„Achtung, hier macht alles Krach“, sagt Ralf Wolf und lacht. Als der Sprecher der Mühlengruppe im Beverstedter Heimatverein den Elektromotor anwirft, rattert, surrt und rumpelt es überall in der Wassermühle Deelbrügge. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion erfuhren die Abonnenten der NORDSEE-ZEITUNG Wissenswertes über die Geschichte der Mühle, über die Antriebstechnik und darüber, wie Korn gemahlen wird.

Seit 1991 ist die Mühle im Besitz der Samtgemeinde Beverstedt, die die Pflege des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes den Mitgliedern des Beverstedter Heimatvereins übertrug. „Wir setzen alles daran, die Wassermühle der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, betont Ralf Wolf. Rund 20 Freiwillige packen regelmäßig mit an, kümmern sich um die Grundstückspflege und um allerlei Reparaturen. „Wir sind froh, dass die Mühle noch voll funktionstüchtig ist“, betonte Wolf und demonstrierte den NZ-Lesern direkt einmal, wie die alten Maschinen funktionieren.

„1497 wurde die Mühle erstmals urkundlich erwähnt“, erzählte Wolf. Die Mühle gehörte den Burgmännern von Lunenberg, dem wichtigsten Adelsgeschlecht in der Börde Beverstedt. Diese übten als Besitzer den Mahlzwang aus und verpflichteten alle Bauern im Bereich der Mühle, ihr Korn ausschließlich in der Deelbrügger Mühle mahlen zu lassen.

„Bis 1936 wurde die Mühle mit Wasserkraft angetrieben. Zu diesem Zeitpunkt gab es aber Streit um die Wasserrechte“, so Wolf. Wegen des Verfalls des alten Wasserrades und immer schwieriger werdender Staumöglichkeit wurde der Antrieb schließlich auf einen Dieselmotor und in den 50er Jahren auf einen E-Motor umgestellt. „Wir hoffen, dass die Mühle irgendwann wieder mit Wasser angetrieben werden kann“, betonte Wolf.

Im Verlauf der Führung wurde den NZ-Lesern dann auch schnell klar, weshalb in den Volksliedern vom Klappern der Mühle die Rede ist: „Das berühmte Klappern kommt von einem Hebel, der immer wieder gegen den Schrotgang schlägt“, erklärt Wolf. Der Rüttelschuh sorgt dafür, dass das Korn gleichmäßig zwischen die Mühlsteine fließt. „Wir müssen einen Zentner Getreide hineinschütten, bevor wir das erste Mehl bekommen“, erklärte Wolf, weshalb heutzutage nur noch bei besonderen Gelegenheiten gemahlen wird – etwa am Deutschen Mühlentag oder am Tag des offenen Denkmals.

„Das Räderwerk wurde früher nicht nur zum Getreidemahlen genutzt“, so der Experte. Mittels Riemenscheiben sorgte es für den Antrieb von allerlei anderen Geräten, unter anderem einer Getreidereinigung oder einer Mischmaschine. „Am interessantesten finde ich persönlich den Sackklopfer“, sagte NZ-Leser Peter Bederke und schmunzelt: „Damit wurden Säcke, die von der Bäckerei zurückkamen, ausgeklopft. Und das ausgeklopfte Mehl ging dann wieder zurück in den Handel.“ Weil er einen Vortrag über die Lune vorbereitet hat, hat sich der 77-Jährige umfassend mit der Mühle beschäftigt: „Ich finde es wunderbar, dass man hier die einzelnen Vorgänge noch so gut nachvollziehen kann und dass die Mühle so gut erhalten ist“, lobte er.

„Ich kannte diese Wassermühle vorher überhaupt nicht und war überrascht, was man hier alles erfahren kann“, staunte NZ-Leserin Cornelia Satzinger: „Ich bin begeistert, dass sich Ehrenamtliche so sehr für die Mühle einsetzen!“