Kai Kähler (rechts), Vorsitzender des Kunstvereins, führte die Teilnehmer der „NZ+Ich“-Aktion auch in eines der fünf Depots. Foto: Brocks
Kai Kähler (rechts), Vorsitzender des Kunstvereins, führte die Teilnehmer der „NZ+Ich“-Aktion auch in eines der fünf Depots. Foto: Brocks

Viel Kunst auf engstem Raum

Von Ann-Kathrin BrocksBremerhaven. Ein rot-weißes Band versperrt den Weg: „Wegen Umbaus geschlossen“, steht auf einem Schild. Bis zum 2. April haben Besucher des Kunstmuseums zum Raum im Erdgeschoss keinen Zutritt. 15 Leser der NORDSEE-ZEITUNG durften die Absperrung jetzt allerdings ignorieren. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion erfuhren sie von Kai Kähler, dem Vorsitzenden des Kunstvereins, wie eine Ausstellung entsteht und konnten auch einen Blick in das Depot werfen.

Kunsthalle und Kunstmuseum haben ihren Ursprung im Wirken des Kunstvereins Bremerhaven von 1886. Beide Häuser stehen für die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer bildender Kunst. „Unsere Sammlung umfasst rund 2600 Werke. Wir können aber immer nur einen kleinen Ausschnitt zeigen“, sagt Kähler. Die Ausstellung im Kunstmuseum werde von „Künstlerräumen“ bestimmt, die dem Werk einer Künstlerin, eines Künstlers oder einer Künstlergruppe gewidmet sind und vielfach gemeinsam mit diesen entwickelt wurden.  „Dabei bietet die Ausstellung nicht nur einen Einblick in ein weitgehend unbekanntes Kapitel der Bremerhavener Kulturgeschichte sondern zeigt zugleich die lange und intensive Verbundenheit vieler heute bekannter Künstlerinnen und Künstler mit Bremerhaven“, erklärt Kähler. Denn fast jeder im Kunstmuseum gezeigte Maler oder Bildhauer habe eine Beziehung zur Seestadt. „Viele Werke unserer Sammlung wurden uns von Künstlern selbst geschenkt.“

Nachwuchförderung

Aufgabe eines jeden Kunstvereins sei es, Nachwuchskünstlern die Möglichkeit zu bieten, sich zu präsentieren. „Nicht alle jungen Künstler, die wir ausstellen, machen sich später auch einen Namen“, weiß Kähler. Wer tatsächlich einmal ein ganz Großer in der Kunstszene wird, lasse sich nur schwer vorhersagen: „Sicher sein kann man nie. Aber nach einiger Zeit bekommt man ein Gespür dafür, worauf man achten muss und was ein Werk besonders und interessant macht.“

Über die Hängung der Bilder entscheiden die Kuratoren – oft in Absprache mit den Künstlern. „Junge Künstler bringen ihre Bilder für Sonderausstellungen oft selbst hierher und hängen sie selbst auf.“ Da Ausleihen trotz gepolsterter, mitunter sogar klimatisierter Transportkisten nicht ohne Risiko sind, müssen die Kunstwerke gegen alle Eventualitäten versichert werden. „Jedes Stück wird von einem Sachverständigen genau geprüft, wenn es bei uns ankommt und bevor es unser Haus wieder verlässt“, erklärt Kähler.

Kaum noch Platz im Depot

Alle Werke der Sammlung, die momentan nicht im Museum zu sehen sind, werden in mehreren – für die Öffentlichkeit normalerweise unzugänglichen – kleinen Lagern verwahrt. „Wir sind platzmäßig am Rande dessen, was möglich ist“, betont Kähler und zieht einige der rollenden Gitterwände heraus. Diese und auch alle Regale sind dicht an dicht belegt mit Arbeiten bekannter und unbekannterer Künstler. „Es hatte Tradition, dass Werke des Vereins immer in öffentlichen Gebäuden zu sehen waren“, erklärt Kähler. Im Laufe der Zeit sei so das ein oder andere Werk verschollen. Damit so etwas nicht mehr passiert, wacht heutzutage eine Expertin über die Bestände. Jedes Werk ist – mit allen Details und dem genauen Lagerort – in einem dicken Buch und inzwischen auch im Computer, erfasst.

„Ich finde es spannend, dass selbst auf kleinstem Raum so viel gelagert werden kann“, sagt NZ-Leserin Regina Thiede beim Anblick des gut gefüllten Kellerraums. Die 58-Jährige malt selbst gerne und besucht häufig Ausstellungen: „Den Blick hinter die Kulissen fand ich unglaublich interessant.“ Auch Andrea Löwner-Kalweit, die vor Kurzem zurück nach Bremerhaven gezogen ist, nutzte die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen von Kunsthalle und -museum zu werfen. „Bisher bin ich hier immer nur vorbei gelaufen. Demnächst werde ich mir die Ausstellung ganz in Ruhe ansehen.“