Kapitän Jens Weber (dritter von rechts) und / Betriebsingenieur Lasse Tebelmann (zweiter von links) erklärten den Lesern das Ankern . Foto: Brocks
Kapitän Jens Weber (dritter von rechts) und / Betriebsingenieur Lasse Tebelmann (zweiter von links) erklärten den Lesern das Ankern . Foto: Brocks

Ungewöhnliche Perspektiven beim Besuch der Cap San Diego

Bremerhaven. Das rund 7000 Tonnen schwere Schiff ruht auf einigen nicht einmal zwei Meter breiten Blöcken: „Wahnsinn“, staunte der ein oder andere Leser der NORDSEE-ZEITUNG beim Anblick der Cap San Diego in der Werft. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion konnten sich insgesamt 16 Interessierte das Schiff bei German Dry Docks aus der Nähe ansehen.

25 Jahre lang war die „Cap San Diego“ als Linienfrachter zwischen Südamerika und Hamburg unterwegs. Seit 1988 liegt sie als Museumsschiff und seit 2003 auch als Hotelschiff an der Hamburger Überseebrücke, fährt aber regelmäßig nach Cuxhaven, Kiel, Wismar, Helgoland und Bremerhaven. Anfang August geht es mit Passagieren durch den Nord-Ostsee-Kanal.

„Ziel der Werftarbeiten ist die Fahrtüchtigkeit des Schiffes zu erhalten, um weiterhin Fahrten mit Passagieren unternehmen zu können“, erklärte Kapitän Jens Weber beim Rundgang durch das Dock. Die Fahrten wiederum seien wichtig, um das Schiff als Denkmal in dem Zustand zu erhalten, in dem es sich befindet. „Die Passagiere können sich während der Fahrten frei an Bord bewegen und Maschine, Brücke und Funkstation besuchen. So erfahren sie, wie Seefahrt auf Frachtern geht.“

Der 1961 gebaute Frachter ist nach Angaben der Betreibergesellschaft das größte noch fahrtüchtige zivile Museumsschiff der Welt. Damit das so bleibt, muss der „weiße Schwan des Südatlantiks“ alle fünf Jahre zum Schiffs-TÜV. Im Dock wurde bereits der Muschelbewuchs abgekratzt, der sich an der Außenwand als grauer Schleier abgelagert hat. Weiße Kreidezahlen zeugen von der Arbeit der Spezialisten, die geprüft haben, ob der Stahl des Rumpfes noch stark genug ist. „Wenn zu viel gerostet ist, muss das ausgebessert werden“, erklärte Marco Deichmann, Projektleiter für die Instandsetzung. So wie in einem Zwischendeck, wo 80 Quadratmeter rostiger Stahl ersetzt werden muss. „Das Schiff ist für sein Alter aber in einem ziemlich guten Zustand“, freute sich Deichmann.

Neben dem Schiff liegen die 300 Meter langen Ankerketten, deren Zustand ebenfalls kontrolliert wird. „Das Schiff wird nicht nur durch den Anker gehalten“, erklärt Weber den neugierigen Besuchern. Der sorge dafür, dass die Kette auf den Grund gelange. Durch ihr Gewicht trage die Kette dazu bei, dass der Zug auf den Anker möglichst parallel zum Boden erfolgt und so die Haltekraft des Ankers erhöht wird.

Auch im Schiffsinneren: eine Baustelle. Die neun Hotel-Kabinen werden aktuell saniert, damit diese für die Übernachtungsgäste in Hamburg wieder in einem guten Zustand sind. „Die Hotel-Kabinen sind die ehemaligen Passagier-Kabinen“, sagte Weber. Aber auch die Kapitäns-Kabine, bestehend aus zwei Räumen, kann bewohnt werden. „Die Räumlichkeiten sind im Originalentwurf der 50er Jahre, wie vom Architekten Caesar Pinnau entworfen, erhalten und mit modernen Annehmlichkeiten wie Fernseher, WLAN und Kühlschrank ausgestattet.“

Der ein oder andere Leser hat den ehemaligen Frachter bereits von Innen gesehen: „Schiffsbau-architektonisch ist die Cap San Diego eines der schönsten Schiffe weltweit“, schwärmte NZ-Leser Rainer Bohls, der das Schiff schon mehrfach in Hamburg besichtigt hat. Das Schiff einmal außerhalb des Wassers zu sehen sei für ihn enorm spannend: „Ich erfreue mich jedes mal wieder an der wunderschönen Schiffsbautradition“, sagte Bohls.

„Ich finde das sehr faszinierend“, sagte Günter Berends, während er seinen Blick über das Schiff schweifen lässt. „Hier im Dock erkennt man erst einmal die Ausmaße des Schiffs. Obwohl die Cap San Diego ja eher zu den kleineren gehört.“

Manfred Gembalies nutzte die Gelegenheit, um zahlreiche Fotos zu machen: „Das Schiff im Dock durch die Perspektive des Fotografen zu sehen ist für mich besonders spannend.“ Aber auch Ehefrau Ditta Gembalies wurde es nicht langweilig: „Wir lieben den Hafen. Hier passiert immer etwas spannendes.“