Auch Schüler der Schule am Leher Markt nutzen die Gelegenheit, sich den Bunker anzusehen. Foto: Brocks
Auch Schüler der Schule am Leher Markt nutzen die Gelegenheit, sich den Bunker anzusehen. Foto: Brocks

Treppe in die Vergangenheit

Eigentlich sind es nur ein paar Stufen, doch der Weg in die Tiefe kostet so manchen Überwindung: Bei einer „NZ+Ich“-Aktion öffneten sich die Türen des Bunkers am Leher Markt nach vielen Jahren erstmals wieder für die Öffentlichkeit. 25 Leser der NORDSEE-ZEITUNG konnten sich die unterirdische Anlage ansehen – für viele ein Gang in die Vergangenheit.

Modrige Luft dringt aus dem Gang, als die alte Eisentür den frei gibt. „Der Bunker wurde 1942 gebaut und war innerhalb eines halben Jahres fertig“, erklärt Hobbyhistoriker Dieter Albers, der während des Krieges gemeinsam mit seiner Mutter öfter zu diesem Bunker rannte. „Hier waren aber nur Mütter mit Kindern bis 14 Jahren zugelassen. Alle anderen mussten sich woanders in Sicherheit bringen“, erinnert er sich. Knapp 500 Menschen fanden in dem 33,5 mal 29 Meter großen Bau Platz. „Wenn die Sirenen erklangen, war es hier immer voll“, erinnert sich Albers.

Erinnerungen werden geweckt

„Wenn ich mir vorstelle, wie viele Menschen hier damals Schutz gesucht haben. Und man wusste ja auch nie, wie lange man bleiben muss…“, sagt Brigitte Vetter, bei der während der Führung viele Erinnerungen hochkamen. „Ich war noch nie in einem Bunker, wir haben uns immer in einem Keller oder einfach im Graben versteckt“, erzählt die 77-Jährige. An die Kriegstage kann sie sich noch gut erinnern: „Wenn die Sirenen heulten, sind wir nur noch gelaufen.“ Der Schritt in den Tiefbunker – eine Herausforderung: „Ich empfand es als sehr bedrückend. Länger hätte ich es unten nicht aushalten können.“

Dabei erinnert außer ein paar Waschbecken und einiger Schilder kaum noch etwas an den ursprünglichen Verwendungszweck des Gebäudes. Nach dem Krieg wurde der Bunker von Firmen als Abstellfläche genutzt.

Fliegeralarm im Bunker miterlebt

„So leer ist es sehr ungewohnt, völlig fremd“, sagt Ottilie Schulze. Sie habe als Kind während eines Fliegeralarms gemeinsam mit ihrer Mutter Schutz im Bunker am Leher Markt gesucht. „Damals waren wir zu Besuch bei Freunden. Während des Angriffs war hier alles voller Menschen“.

Wer den Bunker nicht kennt, geht meist achtlos an ihm vorbei: „Ich wusste vom Bunker, konnte mir aber nicht vorstellen, wie groß er ist und wie er aussieht“, sagte Bernhard Enssle (72), der ganz in der Nähe wohnt. Er sei überrascht gewesen, dass der Bunker so sauber sei. „Mich wundert, dass die Räume nicht anderweitig genutzt werden.“