Unter wachsamem Blick der Biologin Christine Schorr durfte NZ-Leser Rainer Fahrenbach bei einer „NZ+Ich“-Aktion im Universum Bremen die Schildkröten Kalypso und Tortuga füttern. Foto: Brocks
Unter wachsamem Blick der Biologin Christine Schorr durfte NZ-Leser Rainer Fahrenbach bei einer „NZ+Ich“-Aktion im Universum Bremen die Schildkröten Kalypso und Tortuga füttern. Foto: Brocks

Tierische Wissenschaft

Ganz entspannt pflügen Kalypso und Tortuga durch das Wasser. Doch als Christine Schorr, Biologin und Leiterin der Bildungsabteilung im Universum Bremen, eine Dose mit getrockneten Krebs-Leckerbissen öffnet, werden die beiden Zierschildkröten plötzlich hektisch, fangen regelrecht an zu betteln. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion im Universum Bremen nahm die Expertin gemeinsam mit interessierten NZ-Lesern die Tiere der Ausstellung genauer unter die Lupe.

„Anhand der Tiere erklären wir wissenschaftliche Phänomene“, begründete Schorr die Entscheidung, in der Ausstellung Tiere zu zeigen. Die Herausforderung sei es, Naturwunder „so zu vertexten, dass sie für Besucher aller Altersklassen verständlich und interessant sind“. Schildkröte, Qualle, Glanzkäfer und Co. sollen den Besuchern helfen, bestimmte Phänomene besser zu verstehen.

Die Schildkröten etwa sind ein Beispiel für aufgeteilte Strukturen: So bestehen Schildkrötenpanzer beispielsweise aus Vielecken, da diese ein gleichmäßiges Wachstum des Panzers ermöglichen. „Der Panzer ist ein Teil des Skeletts. Deshalb spüren die Schildkröten auch ganz genau, wenn man ihnen über den Panzer streichelt“, so die Expertin. Streicheln durften die NZ-Leser die Tiere nicht, wohl aber füttern. „Kalypso und Tortuga sind wirklich unglaublich gefräßig“, sagte Schorr. Dass sie zudem Allesfresser sind, haben die Tiere den Mitarbeitern des Universums vor einer Weile unglücklicherweise bewiesen: „Als wir kleine Dornaugen-Fische in das Aquarium eingesetzt haben, haben die Schildkröten sie kurzerhand aufgefressen“, bedauert Schorr.

Futter – in Form von winzigen Planktonteilchen – gibt es auch für die Quallen, die im azurblau beleuchteten Wasserbassin hin und her gleiten: „Quallen sind unglaublich schöne Lebewesen“, schwärmte Schorr von den „Süßwasserkugeln im Meer“. Dank ihres durchsichtigen Körpers offenbart sich ihre Anatomie blitzschnell: Auch die Leser erkennen alsbald, dass die Quallen zwar vier Mägen, aber weder Herz noch Hirn haben. „Man denkt immer: Quallen können nicht sehen. Doch sie können hell und dunkel unterscheiden“, sagt Schorr. Quallen seien zudem unglaublich regenerativ. „Ihr marines Kollagen kann auch bei Menschen die Wundheilung fördern.“ Eine Quallenart stelle gar das Konzept von Anfang und Ende auf den Kopf: „Sie entwickeln sich zurück.“ Im Alter verdauen sie sich selbst. Bei einem kleinen Exemplar weiß man also nicht, ob es das Leben noch vor sich hat oder gerade damit abschließt.

„Normalerweise sieht man Quallen ja meist nur tot am Strand“, sagt NZ-Leserin Kerstin Fahrenbach. Diese nun einmal in Bewegung zu sehen, sei etwas Besonderes: „Wenn sie so dahingleiten, wirkt das wirklich schön und sehr ästhetisch“, sagt Fahrenbach. Relativ hübsch sind auch die Rosenkäfer mit ihrer meist goldgrünen oder kupfergoldenen glänzenden Färbung. Die schillernde Farbe des Käfers kommt durch eine mehrschichtige Struktur zustande. „Ein wunderbares Beispiel für die Farbentstehung“, sagt Schorr. „Ein wenig Spezialwissen aus diesem Bereich kann nicht schaden“, sagte NZ-Leserin Cornelia Satzinger. Sie arbeite im Kindergarten, sei oft mit Kindergruppen im Universum: „Jetzt bin ich noch besser gewappnet“, freute sie sich. (akb)