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„Puh, noch mal Glück gehabt und sparsam gewirtschaftet“, sagt Thea Bruns, froh, dass die Nachzahlung geringer ausgefallen ist als erwartet. Die Nachbarin hingegen muss um Stundung beim Energieversorger bitten. Die Überlegung steht im Raum, den Anbieter mal kritisch zu hinterfragen.
„Aber das ist doch so ein Umstand“, wehrt sich die betagte Nachbarin Herma Müller, die sich nicht durch den Angebotsdschungel schlagen möchte. „Ich bin schon so lange bei dem Anbieter, da weiß ich, was ich habe“, sagt die Seniorin, die lieber von ihrer kleinen Rente die Nachzahlungsraten abknapsen will, als den Energieversorger zu wechseln. Thea Bruns will dem alten Anbieter ebenfalls die Treue halten. „Die Nachzahlung war ja nicht so hoch“, sagt sie achselzuckend. Dabei könnten beide bares Geld sparen.
Die Preisunterschiede am Markt sind zum Teil erheblich“, sagt Mechthild Himmelreich von der Verbraucherzentrale Bremen. Grund dafür ist die mangelnde Wechselmentalität der Deutschen, die steigende Preise häufig klaglos hinnähmen. Doch auch beim Wechseln ist Obacht angesagt. „Yello ist meiner Meinung nach ein typisches Beispiel“, sagt die Expertin. Heute sei Yello preislich völlig uninteressant. „Aber viele Leute bekommen immer noch ihren Strom von dort, weil die ja mal billig waren.“
Energieberater Hubert Westkämper hat den grünen Strom im Blick. „Der ist vielleicht nicht der günstigste“, sagt er. „Jedoch häufig günstiger als von einem der großen Versorger.“
Sei es früher üblich gewesen, dass Stromanbieter auf für den Verbraucher günstigere Tarife hinwiesen, ist heute Obacht angesagt. „Heute ist jeder Verbraucher gezwungen, für sich selbst den besten Tarif herauszusuchen.“ Der Wechsel selbst laufe problemlos ab. „Normalerweise übernimmt der neue Anbieter die Kündigung des Altvertrags“, sagt Mechthild Himmelreich. Allerdings könne es bei langen Kündigungsfristen passieren, dass sich zum Start der Lieferung die Preise schon wieder verändert haben. „Unter diesen Aspekt sind Verträge mit kürzeren Kündigungsfristen eher zu empfehlen.“
Welcher Vertrag der richtige ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Verschiedene Faktoren müssen beachtet werden. „Etwa, ob der Kunde seine Energie lieber von einem der marktbeherrschenden Unternehmen beziehen möchte oder lieber von einer Genossenschaft“, so Himmelreich.
Außerdem sei zu überlegen, ob der Kunde lieber einen Ansprechpartner vor Ort wünscht und ob ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden soll. „All das sind Kriterien, die entscheidend für einen Wechsel sind“, sagt die Expertin, die für den Stromwechsel wirbt, um Druck auf die Anbieter zu machen. Angst, dass der Kunde im Dunklen sitze, brauche er nicht zu haben. „Sollte es aus irgend einem Grund mit dem Wechsel nicht klappen, bekommen wir dennoch Strom und Gas, da wir dann automatisch erst mal in die Grundversorgung beim örtlichen Energieversorger fallen. Der kann teuer sein, wir sitzen aber weder im Dunkeln noch im Kalten.“ Allerdings sollten die Kunden sich kümmern, wenn der neue Anbieter sich nicht meldet oder Mahnungen vom alten Anbieter kommen.
Thea Bruns und ihre Nachbarin haben noch einmal überlegt und beschlossen, sich in Sachen Energieversorger beraten zu lassen.
Heute ist jeder gezwungen, für sich selbst den besten Tarif herauszusuchen. Mechthild Himmelreich, Verbraucherzentrale des Landes Bremen
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