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Soforthilfe gleich im Gepäck

Helmut Richter schraubt. Der Umweltscout bestückt die Wohnung von Marlies B. mit Energiesparlampen. Dadurch soll mehr Geld in ihrem Portemonnaie bleiben. Rund 110 Euro könnte sie allein dank der 16 neuen Lichtbringer sparen. Viel Geld für die 64-Jährige. Doch der „Stromspar-Check“ brachte noch mehr zu Tage.

„Ich habe von den Umweltscouts gehört. Da habe ich sie gebeten, vorbei zu kommen. Kann ja nicht schaden“, erzählt die Bremerhavenerin. Der kostenlose „Stromspar-Check“ ist für Menschen gedacht, die mit jedem Cent rechnen müssen: die Artbeitslosengeld II beziehen, Sozialhilfe oder Wohngeld. Marlies B. gehört dazu: „Ich bin froh, wenn ich irgendwo sparen kann.“

Irgendwo – in ihrem Fall ist das vor allem beim Strom. Helmut Richter (Fotos) und seine Kollegin Susanne Greinke waren schon einmal zu Besuch bei Marlies B. Die beiden Umweltscouts haben Verbräuche aufgenommen, elektrische Geräte notiert sowie durchgemessen und Lampen gezählt. Sie befragten die Bewohnerin zu ihrem Alltag und wollten unter anderem wissen: Wie lange sieht sie am Tag fern, und wie lange duscht sie in der Regel?

Nun sind die beiden, die beim Förderwerk Bremerhaven als Umweltscouts ausgebildet wurden, wieder da. Im Gepäck haben sie eine Soforthilfe: Energiesparlampen, schaltbare Steckerleisten, Durchflussbegrenzer für den Duschkopf und ein Kühlschrankthermometer. „Wissen Sie, wie viel Sie damit einsparen können?“, fragt Susanne Greinke, als sie der 64-Jährigen den Abschlussbericht vorstellt. „245 Euro im Jahr.“ Marlies B. staunt.

So hoch ist der Effekt nicht immer. Die acht Umweltscouts haben von März 2010 bis Mitte Januar 2011 insgesamt 176 Haushalte besucht. Die Auswertung zeigt:

Im Schnitt können die Bezieher von ALG-II oder Sozialhilfe (nur Strom) 74,20 Euro einsparen.

Bezieher von Wohngeld (Strom, Wasser und Heizenergie) kommen auf eine jährlich 223,16 Euro.

Nette Summen. Außerdem haben die Umweltscouts je Haushalt eine Soforthilfe von durchschnittlich 56 Euro eingebaut. Gratis. „Das Programm ist für alle ein Gewinn“, sagt Projektleiter Reiner Wettje. Auch für den Bund und die Kommune: Sie würden langfristig mehr rund 116 000 Euro sparen, rechnet Wettje für die ersten zehn Monate vor. Die Stadt Bremerhaven fördert mittlerweile den „Stromspar-Check“.

Einen Haken haben die Zahlen allerdings. Nicht bei jedem Hausbesuch können die Umweltscouts die Verbräuche detailliert erfassen, manchmal müssen sie sich mit den Abschlagsbescheiden der Versorger zufrieden geben, und auch Marlies B. war sich nicht so sicher, ob sie nun sechs oder zehn Minuten täglich duscht und der Fernseher wirklich nur zwei Stunden am Tag läuft.

Besser für alle wird’s auf jeden Fall, sobald Helmut Richter schraubt. Er macht sich in der 47-Quadratmeter-Wohnung von Marlies B. gerade an der Dusche zu schaffen, versieht sie mit einem Durchflussbegrenzer. „Er mischt dem Wasser mehr Luft bei, dadurch rauscht weniger Wasser pro Minute durch den Duschkopf“, erklärt der Umweltscout die Funktion des runden Teils. Willkommener Nebeneffekt: Die Besitzerin spart Energie, weil sie fürs Duschen künftig weniger Wasser aufheizen muss. „Die kannte ich vorher gar nicht“, sagt Marlies B. Fast 100 Euro soll er ihr jährlich einbringen.

Bevor die beiden Umweltscouts nach einer dreiviertel Stunde gehen, überreichen sie eine Liste mit Stromspartipps. „Den meisten ist gar nicht klar, wie viel Strom sie dem Standby-Betrieb ihrer elektrischen Geräte vergeuden“, kommt Susanne Greinke auf das zu sprechen, was den Kollegen und ihr bei den Hausbesuchen am häufigsten auffällt. Auch Marlies B. hat zwei Steckerleisten bekommen, um alles, was geht, komplett abzuschalten. Die Beraterin selbst hat ihre Wohnung auch schon auf solche stillen Verbraucher gefilzt. „Ich merke, dass ich richtig pingelig geworden bin.“

Den meisten ist nicht klar, wie viel Strom sie mit dem Standby-Betrieb ihrer elektrischen Geräte vergeuden.“

Susanne Greinke, Umweltscout

Artikel vom 12.04.11 - 12:00 Uhr
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