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Ein Haus tankt Wärme

Die Nachricht von der Gaspreiserhöhung lässt Benjamin und Maria Eden kalt. „Das interessiert uns nicht mehr“, sagen die beiden. Sie haben sich in Sellstedt ein Passivhaus gebaut und sich damit von Gasversorgern abgenabelt. Ihr 160-Quadratmeter-Bau ist angenehm warm – ganz ohne deftige Rechnung.

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Das Partnerhaus der Kita Spadener Straße ist das erste öffentliche Gebäude Bremerhavens in Passivhaus-Bauweise. Bremerhaven will Klimastadt werden und unter anderem mit einem solchen Bauprojekt Zeichen setzen. Foto ls

Während sie übers Bauen nachdachten, zogen die Energiepreise mächtig an. „Wir wollten etwas für die Zukunft haben“, erzählt Maria Eden, „und wir wollten uns nicht dumm und dämlich zahlen.“ Spätestens, nachdem die beiden einen Passivhaus-Besitzer besucht hatten, waren sie überzeugt: Sie wollten ein Passivhaus.

Dabei ist es in der Investition teurer. Die Mehrkosten werden zwischen 5 und 15 Prozent angegeben. Dagegen stehen die öffentliche Förderung und geringere Energiekosten. Das passte in das Finanzierungskonzept des Informatikers und seiner Frau, die im Technologietransfer-Zentrum Bremerhaven arbeitet. Außerdem haben sie hartnäckig nach zinsgünstigen Darlehen und Zuschüssen gefahndet.

Da die Gas- und Ölpreise weiter steigen, sind sie vielleicht schneller auf der Gewinnerseite als gedacht. Der 31-Jährige und die 29-Jährige geben heute kaum Geld fürs Heizen aus. Das liegt im Wesentlichen an drei Komponenten, allen voran die enorme Dämmung, mit der das Gebäude eingehüllt ist. Maria Eden erinnert sich, als die Dämmplatten für die Außenwände angebracht wurden: „Da stand ein grau-braunes Monster vor uns.“ Das ist unter rotem Klinker verschwunden. 38 Zentimeter Dämmung plus Klinker – das macht die Außenwände rund 50 Zentimeter dick. Die Fenster sind dreifach verglast mit einem U-Wert von 0,6; die Außentüren sind ebenfalls auf Wärmeschutz getrimmt. Auf der Nordseite sind die Fensterflächen aufs Minimum reduziert, auf der Südseite dafür großzügig eingeplant – zum Sonnetanken.

„Das Herzstück ist die Lüftungsanlage, ohne sie würde das hier nicht funktionieren“, sagt Benjamin Eden. Sie sorgt nicht nur für frische Luft in allen Räumen, sondern eine ausgeklügelte Wärmepumpen-Technik entzieht der Abluft die Wärme und hilft so, die von außen angesaugte Zuluft zu erwärmen. Deshalb sollen die Fenster geschlossen bleiben, andernfalls würde kostbare Energie verloren gehen. „Man hat gar nicht das Gefühl, man müsste lüften. Wir haben immer frische Luft“, sagt Benjamin Eden.

„Doch eine Energiequelle müssen Sie trotzdem haben“, kommt der Hausherr auf die dritte Komponente. Die Bauherren haben sich eine Solaranlage aufs Dach gepackt, um einen stattlichen Pufferspeicher im Hauswirtschaftsraum zu bedienen. Er ist die Quelle für das Heizsystem. Außerdem stand von Anfang an fest, dass sie sich einen Kaminofen wünschen. „Das ist eher untypisch für ein Passivhaus“, räumt Eden ein. Doch die beiden lieben die Atmosphäre, die der Kaminofen mit sich bringt, und „wir kommen gut an Holz heran“. Seine Besonderheit sind die Wassertaschen. Wenn die Flammen lodern, werden 70 Prozent der Wärme genutzt, um dieses Wasser zu erwärmen und ins Heizsystem einzuspeisen. Der Rest wärmt den Wohnraum.

Die Sellstedter haben in den Neubau weitere Ideen zum Energiesparen verwirklicht. Dennoch ist im ersten Winter mehr Holz durchgegangen als gedacht. „Aber das ist auch klar“, sagt Maria Eden und verweist auf den Einzugstermin im Dezember 2009. „Wir hatten bis zu minus 15 Grad. Das ganze Haus war ausgekühlt, und ein Passivhaus ist ja so konzipiert, dass es die Wärme hält.“ Außerdem fehlten in dem Winter die Sonnenstunden. Eden: „Die Sonne ist entscheidend. Das merkt man sofort, wenn man in einem solchen Haus wohnt.“ Die Wärme zog in den folgenden Monaten ein, und im zweiten Winter waren sie da, wo sie hinwollten. „Wir brauchen höchstens einen großen Hänger Holz“, bilanziert der 31-Jährige. Aber das hat auch etwas mit ihrer Vorliebe fürs Kaminfeuer zu tun. Dazu kommt eine höhere Stromrechnung als in einem konventionellen Haus, unter anderem wegen der Lüftungsanlage. „Doch die Stromrechnung unterscheidet sich nur unwesentlich von unserer Mietwohnung früher.“

Das Herzstück ist die Lüftungsanlage, ohne sie würde das hier nicht funktionieren.

Benjamin Eden, Passivhaus-Besitzer

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Seeborg 1 in Bremerhaven: Es war das erste Bürogebäude in Passivhaus-Bauweise, das sich mit eigener Energie versorgt. Das Konzept sei aufgegangen, sagt Nutzer Bernd Immoor, der vor elf Jahren dort eingezogen ist. Foto eer
Artikel vom 04.04.11 - 12:00 Uhr
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