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Den Wind vor der eigenen Haustür nutzen

Ein Passivhaus samt Solaranlage haben sie schon. Doch am liebsten würden sich Bettina und Holger Schank auch vom öffentlichen Stromnetz abnabeln und ihren Verbrauch selbst decken. Deshalb denken die beiden über eine Kleinwindanlage nach. Der Start für eine aufwendige Recherche. Von Ursel Kikker

Die Gretchenfrage dabei: Rechnet sich das Windrad für den Hausgebrauch? „Nicht, um damit Geld zu verdienen“, räumt Paul Kühn ein, der sich am Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) mit Kleinwindanlagen beschäftigt. Er ist eigentlich ein Verfechter dieser kleinen Windmühlen, sieht große Chancen für sie zum Beispiel in den Länder Afrikas. Hier in Deutschland lägen die Amortisationszeiten eher bei 20 als bei 10 Jahren. „Doch wann sich die Anschaffung amortisiert, hängt vom Standort ab“, sagt Kühn. Er empfiehlt potenziellen Windbauern dringend, diese Frage als erstes zu klären: Reicht der Wind bei mir überhaupt aus, um eine Kleinwindanlage wirtschaftlich zu betreiben (siehe rechts)?

„Am besten ist es, den erzeugten Strom selbst zu verbrauchen und nur den überschüssigen Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen“, sagt der IWES-Mitarbeiter. Klassische Anwender sind deshalb Milchbauern oder Schweinebauern, die in ihren Betrieben rund um die Uhr Strom brauchen. Auch Bettina und Holger Schank denken daran, ihren Öko-Strom möglichst selbst zu verbrauchen. „Unser Verbrauch liegt bei 7000 Kilowattstunden pro Jahr. Da muss noch etwas runter.“

Wer den Stromüberschuss einspeist, bekommt bestenfalls 9 Cent vergütet. „Das ist zu wenig angesichts der vergleichsweise hohen Investitionskosten von mindestens 3000 Euro pro Kilowatt“, sagt Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes WindEnergie. Der fordert mit Blick auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine Einspeisevergütung zwischen 15 und 22 Cent. Albers: „Warum sollten die Kleinerzeuger gegenüber Großinvestoren der Offshoreparks benachteiligt werden, denen das EEG rund 15 Cent pro Kilowatt sichert?“ In anderen Ländern wie Großbritannien oder Dänemark ist die öffentliche Förderung besser für „die Kleinen“ und deshalb ein größerer Anreiz.

Dennoch: „Das Interesse an Kleinwindanlagen steigt“, registriert nicht nur Kühn, sondern auch die Branchenvertreter, Hersteller und Vertreiber. Harte Zahlen, die diesen Trend belegen, gibt’s allerdings nicht. Der Bundesverband schätzt, dass sich zurzeit 10 000 kleine Turbinen deutschlandweit drehen. Doch niemand führt ein Anlagenverzeichnis. Manches Windrädchen ist Marke Eigenbau; Bauanleitungen sind übers Internet zu haben. Ebenso wenig gibt es eine vollständige Herstellerliste. Das erschwert die Recherche auch für die beiden Wehdener.

Ein einheitliches Design hat sich noch nicht durchgesetzt. Ob Minis oder Anlagen mit einer Leistung von zehn Kilowatt, die bis zu 20 000 Kilowattstunden Strom im Jahr produzieren können, ist vieles auf dem Markt. Bettina und Holger Schank liebäugeln mit einem Typ, bei dem die Rotorblätter vertikal rotieren.

Das Interesse an Kleinwindanlagen steigt.

Paul Kühn, Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik

Kleinwindkraftanlagen

Der Bundesverband WindEnergie definiert Kleinwindanlagen bis zu einer Größe von 100 Kilowatt installierter Leistung. Für den Hausgebrauch komme aber eher eine Anlage mit bis zu 30 kW in Betracht. Hier zieht auch das Erneuerbare-Energien-Gesetz eine Grenze. Eine technische Definition liefert der Germanische Lloyd. Nach einer Norm gelten als Kleinwindanlagen solche, deren überstrichene Rotorfläche kleiner ist als 200 Quadratmeter. Daraus ergibt sich eine maximale Leistung von 50 bis 70 kW. Der Turm ist in der Regel nicht höher als 20 Meter. Bei derzeit gängigen Anlagen liegt die Leistung meistens zwischen fünf und zehn kW, so der Bundesverband WindEnergie. Die Kosten liegen bei 3000 Euro pro Kilowatt installierte Leistung.

Artikel vom 09.04.11 - 12:00 Uhr
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