Dreckig rein, sauber raus: Die Waschanlage der NWB ist die einzige in ganz Deutschland, durch die der Zug hindurchfahren kann. Foto: Brocks
Dreckig rein, sauber raus: Die Waschanlage der NWB ist die einzige in ganz Deutschland, durch die der Zug hindurchfahren kann. Foto: Brocks

Nach 20 Minuten ist der Dreck weg

Wulsdorf. Mit dem Zug durch die Waschanlage fahren wollte niemand. Von außen war der Waschvorgang für alle viel spannender, gab es hier doch die besten Fotomotive. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion besichtigten 15 Leser der NORDSEE-ZEITUNG die Werkstatt der Nordwest-Bahn (NWB).

1800 Quadratmeter groß ist die Werkstatthalle in Wulsdorf. Sieben der bis zu 88 Meter langen Elektrozüge werden hier täglich repariert, gereinigt und gewartet. „Die Züge können direkt in die Halle fahren“, erklärte Werkstattleiter Ralf Heers. In der Werkstatt können die Oberleitungen dann weggeschwenkt werden, um die Reparaturen durchzuführen.

Vieles spielt sich unter dem Zug ab – und so kletterten auch die Leser in die Arbeitsgrube hinunter, um sich etwa die unterschiedlichen Bremsen anzusehen. Auch in die Lokführerkabine gab es einiges zu sehen: ein schwarzer Hebel, um Gas zu geben; ein Knopf für die Hupe, ein anderer für die Vollbremsung. „Auf den Schalter muss der Lokführer alle 30 Sekunden drücken“, erklärt Heer das Prinzip der „Wachsamkeitskontrolle“. Macht der Fahrer das nicht, weil es ihm etwa nicht gut geht oder er ohnmächtig geworden ist, bleibt der Zug stehen.

„Das werten wir nicht als Kunst, das muss schnellstmöglich weg“, erklärt Heers beim Anblick eines großflächigen Graffito an der Außenwand eines Zuges. Eine sechsstellige Summe investiere die NWB jährlich für die Entfernung der Graffiti: „Die Farbe wird regelrecht unterwandert“, erläuterte Heers die Wirkung des Spezialprodukts. Doch auch, wenn von dem Gesprayten nichts mehr zu sehen ist, langfristige Schäden sind nicht ausgeschlossen: „Solche Graffiti und die Entfernung schaden natürlich dem Lack“ – und schön sind sie auch nicht, da sind sich alle Besucher einig.

Wie in der Autowaschanlage

Damit die Züge glänzen, gibt es die betriebseigene Waschanlage. Mit zwei Stundenkilometer geht es voran: Vorsprühen, einwirken und Bürstenwäsche – so wie in einer Autowaschanlage, nur größer. „Die Bahn fährt unter Hochspannung durch die Waschanlage“, erklärte Werkstattleiter Ralf Heers. Bei der Wäsche von den Seiten sei Wasser kein Problem. Einzig bei der Front- und Heckwäsche müsse der Strom wegen der Spritzwassergefahr abgeschaltet werden. Auf dem Dach der Waschanlage ist eine Regengewinnungsanlage, ein Teil des Frischwassers wird darüber bezogen. „Das schont die Umwelt. Außerdem haben wir eine Wasserrückgewinnung“, so Heers.

„Wir wohnen in der Nachbarschaft und wollten uns das schon immer einmal ansehen“, sagte Leser Dieter Rauprich. „Vor allem die Waschstraße hat mich interessiert“, ergänzte Ehefrau Beate. „Ich bin technisch interessiert, deshalb war das für mich heute sehr interessant“, sagte Jürgen Tiedemann. Besonders die Möglichkeit in die Arbeitsgrube hinab zu steigen, habe ihn begeistert: „Das ist ja eine Perspektive, die man sonst nicht so hat“.