Mercedes-Mitarbeiter Andrew Faust (dritter von rechts) zeigte den NZ-Lesern am Modell, was bei der Autoproduktion zu beachten ist. Foto: Brocks
Mercedes-Mitarbeiter Andrew Faust (dritter von rechts) zeigte den NZ-Lesern am Modell, was bei der Autoproduktion zu beachten ist. Foto: Brocks

„Technik, die beeindruckt“

Bremen. Vorsichtig greift der Roboterarm nach einem Glasstück. Ein kurzes Zögern: Noch einmal bestimmt der Roboter per Laser seine Position, dann richtet er sich aus und manövriert das Panoramadach millimetergenau an die richtige Position. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion konnten 24 Abonnenten der NORDSEE-ZEITUNG den Produktionsprozess im Bremer Mercedes-Werk hautnah miterleben.

Das Bremer Werk ist mit zehn Modellen, die dort gebaut werden, das größte Mercedes-Benz-Werk der Welt. „Wir produzieren für 197 Länder. Größte Abnehmer sind China und die USA“, sagt Mercedes-Mitarbeiter Andrew Faust beim Rundgang über das weitläufige Gelände. Im Jahr 2016 rollten in Bremen über 400000 Fahrzeuge vom Band. Um das zu ermöglichen, arbeiten knapp 12500 Mitarbeiter in Bremen im Dreischichtbetrieb: „Die Bänder stehen selten still.“ Nur während der Pausen herrscht kurz Ruhe.

„Wir fertigen jährlich über 80 Millionen Karosserieteile. Mit hochmodernen Systemen wird im Presswerk aus unterschiedlichen Werkstoffen, etwa Stahl und Aluminium, die Grundlage für jedes Fahrzeug geformt“, erklärt Faust. Rund 400 Einzelteile braucht es, um eine Rohkarosse zusammenzustellen.

4000 Roboter

Im gesamten Werk sind rund 4000 Roboter im Einsatz. Sie kleben, schweißen, vermessen und schrauben. „Sie arbeiten unglaublich präzise. Ohne Roboter wäre eine Produktion in dieser Stückzahl nicht möglich“, ist Faust überzeugt. Ganz ohne menschliche Unterstützung aber geht es auch nicht: Wenn es im Produktionsablauf hakt, dann sind die Spezialisten gefragt. Und in der Endfertigung sind dann deutlich mehr Menschen als Roboter im Einsatz. Sie montieren unter anderem Sitze, Armaturenbrett und Elektronik – individuell nach Kundenwunsch. „Es gibt 720 Billionen Möglichkeiten, um eine C-Klasse zusammenzustellen. Je nach Kundenwunsch und Ausstattung werden etwa bis zu 3,5 Kilometer Kabel verlegt“, sagt Faust. Damit trotz Fließbandarbeit keine Langeweile aufkommt, wechseln die Aufgaben der Mitarbeiter mehrfach am Tag. „Wir legen zudem viel Wert auf ergonomische Arbeitsplätze“, betont der Mercedes-Experte. Über-Kopf-Arbeit etwa soll so gut wie möglich vermieden werden.

„So groß hätte ich mir das Werk nicht vorgestellt. Das ist ja eine Stadt in der Stadt“, staunt NZ-Leser Uwe Groth und schwärmt von professioneller Geschäftigkeit in extrem sauberen Hallen und einer erstaunlichen Ruhe. „Der Gesamteindruck war überwältigend“, sagt auch Carmen Otten.

Zusammenspiel von Mensch und Maschine

„Das Zusammenspiel von Mensch und Maschine hat mich wirklich beeindruckt.“ Die Technik hat es auch Joachim Kussin angetan: „Ich war erstaunt, dass die Roboter so viele verschiedene Aufgaben übernehmen“, sagt der 66-Jährige. Er sei davon ausgegangen, dass es für jeden Arbeitsschritt einen speziellen Roboter gebe – doch die meisten können Werkzeuge durchtauschen und sind vielseitig einsetzbar.

Bevor das Auto das Werk verlässt, gibt’s stichprobenartig eine letzte Qualitätskontrolle auf der hauseigenen Teststrecke. Eine rasante Fahrt, die auch die NZ-Ich-Teilnehmer in einem Wagen miterlebten. „Das war unglaublich spannend und schön, es mal erlebt zu haben. Aber zwei Runden haben auch gereicht“, sagt Carmen Otten und lacht.