15 Leser konnten sich bei einer "NZ+Ich“-Aktion in der WindMW-Leitstelle umsehen. Foto: Brocks
15 Leser konnten sich bei einer "NZ+Ich“-Aktion in der WindMW-Leitstelle umsehen. Foto: Brocks

Stromfluss auf Knopfdruck

Schaltpläne, Diagramme, Zahlenkolonnen und Live-Videos: In der Leitwarte des Windparks „Meerwind Süd/Ost“ in Bremerhaven reiht sich ein Bildschirm mit Informationen an den anderen. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion erhielten 15 Leser der NORDSEE-ZEITUNG einen praktischen Einblick in die technische Betriebsführung des Offshore-Windparks nördlich von Helgoland.

Seit 2014 sind die 80 Windanlagen in Betrieb und speisen Strom in das Netz ein. „Wir betrachten nicht jede einzelne Anlage, sondern den ganzen Windpark wie ein Kraftwerk“, erläuterte Geschäftsführer Jens Assheuer. Jede Turbine leistet etwa 3,6 Megawatt, so dass der gesamte Windpark auf eine Leistung von 288 Megawatt kommt. „Damit können 360 000 Haushalte versorgt werden.“

Ein Risiko aber gibt es: „Der Wind muss natürlich mitspielen“, erklärte Assheuer. Das ist nicht immer der Fall: „Etwa 4500 Stunden im Jahr kann volle Energie produziert werden.“
120 Kilometer liegen zwischen dem Windpark nördlich von Helgoland und der Leitwarte in der Schleusenstraße – und doch lässt sich von hier jede einzelne Anlage überwachen und steuern. „Die Warte ist 24 Stunden am Tag besetzt“, so Leitwarten-Chef Stefan Frieß. Temperatur, Spannung, Druck – all diese und viele weitere Daten können sich die Mitarbeiter auf einen der vielen Bildschirme holen. Auch Live-Bilder aus den Windanlagen und den beiden Turbinen sind jederzeit zu sehen.

28 Techniker-Teams sind im Sommer im Einsatz

„Ich hätte nicht gedacht, dass man von der Leitwarte jede einzelne Windanlage steuern kann“, sagte Vincent Perret, der sich für die unterschiedlichen Möglichkeiten Strom zu produzieren interessiert. Besonders spannend war es für den 14-Jährigen auf einem Bildschirm in Echtzeit mitzuverfolgen, wie ein Techniker-Team vom Boot auf eine der Anlagen kletterte.
Rund 25 Jahre sollen sich die Räder drehen, auf diese Laufzeit ist der Park ausgelegt.

Damit alle Anlagen auf dem besten Stand bleiben, sind im Sommer fast täglich Techniker im Einsatz: 28 Teams mit mindestens drei Experten kümmern sich dann um Wartung und notwendige Reparaturen der Anlagen. „Im Winter, wenn das Wetter schlechter und die Anfahrt mit dem Schiff gefährlicher wird, beschränkt sich der Einsatz der Techniker auf das Nötigste“, so Fries. Die Sicherheitsausrüstung – etwa Helm, Rettungsweste oder Überlebensanzug – konnten die NZ-Leser selbst an- und ausprobieren.

Einblicke in die Praxis

„Windenergie ist meiner Ansicht nach ein erheblicher Teil unserer energetischen Zukunft. Für mich war es sehr interessant, wie ein Windpark arbeitet und gesteuert wird“, sagte Walter Faber. Auch wenn er als Physiklehrer mit seinen Schülern über regenerative Energien gesprochen habe, habe er doch noch „erheblichen Informationsbedarf. Ich hatte, das habe ich heute festgestellt, in einigen Bereichen selbst noch erhebliche Wissenslücken“, so der 72-Jährige.

„Es war toll, einmal einen Einblick in die Praxis zu bekommen“, sagte Marius Grashorn, der an der Hochschule Bremerhaven Maritime Technologien studiert. „Gerade der Blick in die Leitwarte war für mich besonders interessant. Beeindruckend, wie man die Anlagen von hier steuern kann und auf welche Parameter man Einfluss nehmen kann“, sagte der 25-Jährige. Und er nutzte die „NZ+Ich“-Aktion direkt, um erste Kontakte zu knüpfen: „Ich könnte mir gut vorstellen, später in diesem Bereich, in einer Leitwarte, zu arbeiten.“