X Diesen Artikel versenden


Absender-E-Mail*
Empfänger-E-Mail*
Nachricht*

szmtag

Werders zarte Liaison mit den „Ösis“


Bremen. Imposante Skipisten, ein tolles Alpenpanorama und einen gemütlichen Heurigen hat Bremen nicht zu bieten. All das müsste Fußball-Profis aus Österreich eigentlich davon abschrecken, einen Vertrag beim SV Werder zu unterschreiben. Doch weit gefehlt: Österreicher spielen an der Weser nicht erst seit dieser Saison eine führende Rolle. Von Dietmar Rose


bild vergrößern
Insgesamt neun Spielzeiten trug Andreas Herzog (links) das Werder-Trikot. Der geniale Spielmacher hatte mit seinen Ideen großen Anteil am Gewinn der deutschen Meisterschaft 1993. Foto dpa

So stark wie in dieser Spielzeit war die rot-weiß-rote Fraktion der Bremer noch nie. Nach der Verpflichtung von Zlatko Junuzovic, der in der Winterpause für 400 000 Euro von Austria Wien zu Werder wechselte, hat Trainer Thomas Schaaf aktuell drei „Ösis“ in seinem Kader. Für jeden Mannschaftsteil einen: Sebastian Prödl räumt in der Abwehr ab, Junuzovic soll im Mittelfeld wirbeln und Marko Arnautovic im Sturm für Tore sorgen. Fehlt eigentlich nur noch ein Schlussmann, der in Kapfenberg, Eisenstadt oder St. Pölten das Fangen gelernt hat.

Der Blick auf Werders Ausländerstatistik zeigt, dass Profis aus der Alpenrepublik hoch im Kurs stehen. Was Ende der 70er Jahre mit dem Grazer Gerhard Steinkogler ganz zart begonnen hat, ist zu einer echten Liebesbeziehung geworden. „Ösis bevorzugt“, lautet Werders Motto. Insgesamt acht Österreicher haben bislang das Trikot der Bremer getragen. Nur Brasilianer und Serben können da mithalten.

Woran liegt es aber, dass immer wieder Alpenkicker bei Werder landen? Die fehlende Sprachbarriere reicht als Erklärung kaum aus, denn als Österreicher wird man – sofern man nicht nuschelt und auf nur in der ehemaligen K.u.k-Monarchie gebräuchliche Begriffe wie Paradeiser oder Fetzenpaganini verzichtet – in Bremen genauso gut verstanden wie in Berlin oder Köln. Auch geografisch liegt es für einen Wiener, Innsbrucker oder Salzburger näher, nicht bei einem norddeutschen Verein anzuheuern, sondern in München, Stuttgart oder Nürnberg.

Gute Botschafter ihres Landes

Die Erklärung für Werders Österreicher-Phänomen ist einfach: Es passiert immer wieder, weil es bislang gut geklappt hat. So hätte Schaaf sicher nichts dagegen einzuwenden, wenn aus Junuzovic einmal ein genialer Spielmacher wie Andreas Herzog und aus Sebastian Prödl ein zweikampfstarker Innenverteidiger wie Bruno Pezzey werden würde. Toni Polster, einst als Torschütze vom Dienst beim 1. FC Köln auch ein guter Botschafter seiner Heimat, hält seine Landsleute Herzog und den 1994 verstorbenen Bruno Pezzey für die besten Österreicher, die in der deutschen Bundesliga am Ball waren. „Sein linker Fuß war einfach genial“, sagt Polster über Herzog. Das Lob für Pezzey fällt nicht kleiner aus: „Er war ein Vorbild als Spieler und Mensch.“

Natürlich gibt es auch handfestere Gründe für die Liaison zwischen Werder und den „Ösis“. Die finanzstarken europäischen Topclubs wildern lieber in anderen Revieren, die österreichische Bundesliga steht nicht gerade im Mittelpunkt. Das öffnet für die Schnäppchenjäger von der Weser, die gerne Qualität zu günstigen Preisen einkaufen, die Türen.

Umgekehrt wissen österreichische Profis durch die Erfolge ihrer Landsleute Herzog und Pezzey, dass sie in Bremen ein ruhiges Umfeld finden, in dem sie sich weiterentwickeln können. Und das zählt mehr als Skipisten, Alpenpanorama und Heuriger.


Artikel vom 07.02.12 - 20:37 Uhr
| drucken | versenden


Fischtown Pinguins


Alle wichtigen Infos zu den Fischtown Pinguins finden Sie in unserem REV-Spezial.

Eisbären Bremerhaven


 Alle Informationen zu den Eisbären Bremerhaven finden Sie hier.

ePaper

Lesen Sie hier die aktuelle Seite 1

Zeitung

Abo Service
Abonnement
Änderungen

ePaper

Login
Abonnement

Neue Kommentare

  1. Kein Tag für Tunnelgegner
    25.05. | 2 Kommentare
  2. Zirkustiere und Legehennen als Streitthema
    25.05. | 2 Kommentare
  3. Lohmannstraße wird saniert
    24.05. | 5 Kommentare
  4. Energie für die Stromwende
    24.05. | 3 Kommentare
  5. BIS managt den Tunnelbau
    24.05. | 1 Kommentar