Gestern morgen um 10 Uhr klingelte sein Handy. Dirk Bauermann war am Apparat, und was der zu sagen hatte, machte Schwethelm glücklich. „Du hast deine Sache sehr gut gemacht“, lobte der Bundestrainer den 21-Jährigen, „du hast es dir verdient: Du fährst mit in die Türkei.“ Am 28. August beginnt dort die Basketball-WM. Schwethelm freut sich sehr über die Berufung: „Das ist eine Riesensache, ich wollte schon als Kind in der Nationalmannschaft spielen. Und jetzt ist es wahr. Davon konnte ich vor einem Jahr nur träumen.“
Ganz überraschend kam der Anruf für ihn aber nicht mehr: „Ich hatte schon vorher ein gutes Gefühl“, erklärt er. Die gesamte WM-Vorbereitung hat er mitgemacht, und immer gab es Signale, dass Bauermann seine Art, Basketball zu spielen, schätzt.
Die vergangenen sechs Wochen müssen Schwethelm trotzdem vorgekommen sein wie eine Casting Show: Einer nach dem anderen wurde rausgewählt. Beim Trainingslager auf Mallorca waren es noch 16 Basketballer, dann 15 dann 14 – und gestern hat Bauermann mit Yassin Idbihi und Konrad Wysocki die letzten beiden Spieler aussortiert.
Schwethelm ist ehrgeizig bis unter die Haarspitzen, er hat aber zugleich einen für einen 21-Jährigen ungewöhnlich ausgeprägten Sinn für die Realität: „Ich setze mir hohe Ziele, aber sie müssen irgendwie erreichbar sein.“ Die Nationalmannschaft zu erreichen war so ein Ziel, bei der WM dabei zu sein, ein anderes. An dieser Stelle stockt Schwethelm für einen Moment und kommt dann zur Schlussfolgerung: „Da muss ich mir jetzt wohl neue Ziele setzen.“ Bei allem Einsatz ist er aber stets gelassen geblieben: „Wenn das nicht jetzt geklappt hätte, dann vielleicht beim nächsten Mal. Ich bin ja noch jung.“ So gesehen wollte er eigentlich nur seinen Fuß in die Tür bekommen: „Wenn die älteren Spieler aufhören, wollte ich bereit sein.“
So lange musste er nun nicht warten. Für die WM selbst ist er bescheiden. „Natürlich hoffe ich, dass ich auch ein paar Minuten spielen kann“, sagt er, aber wenn nicht, sagt er, sei das nicht so schlimm, denn – siehe oben: „Ich bin ja noch jung.“
Er freut sich mächtig auf die Türkei. „Was immer der Bundestrainer von mir will, ich werde alles geben.“ Sollte er nicht spielen, will er die Kameraden anfeuern, für gute Stimmung sorgen, den Teamgeist beleben – einfach alles.
Sportliches Ziel ist aus seiner Sicht das Achtelfinale. „Ich denke, das können wir schaffen.“
Dass auch sein Verein, die Eisbären Bremerhaven, von seiner Nationalmannschaftskarriere profitieren werden, steht für ihn fest: „Ich kehre topfit zurück und habe den ganzen Sommer auf höchstem Niveau gespielt.“ Diese Erfahrungen will er an sein Team weitergeben.
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