
Für die Gäste war es ein glücklicher Sieg. Für ihre teilweise erstklassige Leistung, die die Eisbären vor 3110 stimmungsvollen Zuschauern in der Stadthalle auf das Parkett legten, können sie sich nichts kaufen. Denn sie liegen in der Serie „Best of Five“ jetzt mit 0:2 zurück. Bereits am Sonntag könnte die Saison für sie gelaufen sein, wenn sie Spiel drei in Bamberg verlieren sollten.
Aber daran denken weder Trainer Doug Spradley noch seine Spieler. „Wir sind bereit, auch in Bamberg noch einmal alles zu geben. Heute waren es drei, vier Situationen, in denen wir etwas falsch gemacht haben. Das bestraft eine Klassemannschaft wie die Bamberger“, sagte Center Sean Denison enttäuscht. Der Kanadier (19 Punkte/10 Rebounds/4 Steals/3 Blocks/3 Assists) hat das mit Abstand beste Spiel in dieser Saison abgeliefert. Aber auch das reichte nicht.
Er dunkte, punktete, kämpfte und degradierte Nationalcenter Tibor Pleiß (3 Punkte) zum Statisten – die Fans in der Stadthalle rieben sich verblüfft die Augen. So hatten sie Denison noch nie in Aktion gesehen.
Ein zweiter Eisbär, der ebenfalls groß aufspielte, war Nationalspieler Philipp Schwethelm. Ob es für ihn besonders motivierend war, dass Bundestrainer Dirk Bauermann auf der Tribüne saß? „Nein, daran denkt man nicht. Ich wollte mit den Jungs gewinnen. Schade, dass wir nicht vier, fünf Wochen mehr Zeit mit dieser Mannschaft gehabt haben. Dann stünde es jetzt 2:0 für uns und nicht für Bamberg“, ließ der 22-Jährige keck verlauten.
So ganz unrecht hat er nicht.
Die Eisbären sind dran, ganz dicht dran. Es waren wieder nur Nuancen, die fehlten. Unter dem Korb verteidigten sie bärenstark, erlaubten der langen Garde der Gäste nicht viel. Da waren tolle Blocks von Denison, da wurde um jeden Millimeter gefightet. Das war Playoff-Basketball auf hohem Niveau. Und den Fans machte dieses Spiel besonders Spaß, sie gaben alles und peitschten ihr Team immer wieder nach vorn.
Aber so gut sie auch verteidigten, die Trefferquote der Gäste von jenseits der Dreipunkte-Linie war unverschämt. 18 von 29 Dreiern saßen, einige davon auch ganz nah am Gegenspieler, der alles versuchte, den Wurf zu verhindern. „Wenn man überlegt, dass Bamberg 62 Prozent Dreierquote braucht, um uns zu schlagen, dann ziehe ich vor der Leistung unserer Mannschaft den Hut“, sagte Eisbären-Manager Jan Rathjen nach Spielende.
Knackpunkt der Partie war der Beginn des vierten Viertels. Da lagen die Eisbären dank ihrer starken Verteidigung nach einem Dreier von Schwethelm mit 72:64 vorn (32.). Zu dieser Führung hatten sie sich im dritten Viertel „berauscht“. Da spielten sie einfach klasse, hatten die Gäste voll im Griff.
Zu Beginn von Viertel vier gab es drei weitere Ballgewinne unter dem eigenen Korb, doch bei den Schnellangriffen wollten die Bären plötzlich mit den Baskets spielen. Und das lässt sich ein deutscher Meister nicht bieten. Dreimal hatten die Gastgeber bei Gelegenheit zu punkten, aber alle drei Chancen verdaddelten sie. Das war schon fast fahrlässig.
Statt mit 12 oder gar 15 Punkten zu führen, stand es nach dem Dreier von Brian Roberts und einem Korbleger von Anton Gavel plötzlich 72:72 (34.) Spradley nahm eine Auszeit, aber Bamberg nutzte das Momentum. Denison brachte die Eisbären per Dunking noch einmal mit 74:72 in Front, aber dann fielen die Würfe nicht mehr. Und das nutzten Casey Jacobsen, Roberts und Gavel eiskalt aus. 1:25 Minuten vor dem Ende führte der Gast mit 83:76, da war der Drops gelutscht. Diesen Vorsprung lässt sich ein Meister nicht mehr nehmen, selbst wenn die Schiedsrichter noch ein technisches Foul an Predrag Suput verhängten. Drevo verwandelte die Freiwürfe zum 81:85, wollte dann im nächsten Angriff aber einen Dreier über den 2,15-Meter-Mann Pleiß hinweg schießen – das ging in die Hose, es wurde ein Airball, weil der Ball nicht einmal den Ring berührte.
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